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Leben in Hannover Zweiter Roman: Takis Würger gibt „Stella“ ein Gesicht
Menschen Leben in Hannover Zweiter Roman: Takis Würger gibt „Stella“ ein Gesicht
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16:14 07.01.2019
WIEDER AUF BESTSELLERKURS: Takis Würgers zweiter Roman „Stella“ ist Thema in diversen Kultursendungen im TV. Quelle: Sven Döring / Agentur Focus
Hannover

Natürlich kann er es nicht mehr leugnen. Takis Würger (33) ist nicht mehr nur der Reporter, der für den „Spiegel“ spannende Reportagen schreibt. Takis Würger ist der Mann vom Deister, der sich längst in die Liste erfolgreicher Schriftsteller eintragen kann. Nach seinem Erstlingswerk „Der Club“ (verkaufte sich 90 000-mal, derzeit in vierter Auflage auf dem Markt) legt er mit „Stella“ seinen zweiten Roman vor.

Auf Partys wird Takis Würger jetzt erkannt

Viel habe sich seit seinem Debüt aber nicht verändert, sagt er im Gespräch mit der NP. „Außer, dass Leute meinen Namen kennen.“ Erst kürzlich war er auf einer Party nach seinem Namen gefragt worden. Er stellte sich mit Vornamen vor. „Aber nicht Takis Würger, oder?“, wollte der Gast wissen. „Mein Gesicht kennen halt noch nicht so viele.“ Er lacht.

Vielleicht auch beim Gedanken daran, dass sich das in den nächsten Tagen ändern dürfte: Mit „Stella“ im Gepäck geht er nicht nur auf Lesereise – am 14. Januar geht es in Hamburg los, 50 Städte dürften es insgesamt werden, unter anderem auch in den USA, in Holland, dem fernen China. Takis Würger wird in diversen Fernsehformaten zu Gast sein, sein neuer Verlag, Hanser, geht mit dem 224 Seiten starken Roman in die Werbeoffensive. Da kommt also einiges auf Takis Würger zu, verstecken wird er sich dann nicht mehr so leicht können – was bei einer Körpergröße von zwei Metern ohnehin nicht das Leichteste ist.

KONTROVERSES THEMA: Der Roman „Stella“ orientiert sich an der Biografie der Jüdin Stella Goldschlag. Quelle: Verlag

Wie lange er an „Stella“ geschrieben hat, kann er nur vage sagen: „Vier Monate Kernzeit“ während einer Auszeit beim „Spiegel“ rechnet er vor. Hinzu kommen sechs Monate, in denen er immer wieder an Wochenenden und am „Küchentisch zu Hause“ an dem Werk gearbeitet hat. Sein Freund Andreas hatte ihn bei einem Bierchen auf einem Berliner Bordstein auf die Protagonistin gebracht: Er erzählte ihm von der Frau, die von der Gestapo als Jüdin enttarnt wurde und aus Angst um ihre Familie mit den Nazis kollaborierte. „Mich hat die Geschichte dieser Stella Goldschlag unheimlich berührt“, erzählt Würger. „Noch in derselben Nacht wusste ich, dass ich über sie einen Roman schreiben will.“

Er begann über die 1922 in Berlin geborene Frau zu recherchieren. Für einen Journalisten ist das Handwerk. „Ich habe einfach versucht, alles über sie zu lesen, was ich bekommen konnte.“ Primär gehörten dazu Aktenauszüge aus den Prozessen, die das sowjetische Militärtribunal gegen sie führte. Stella Goldschlag wurde 1946 zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt.

„Ich habe meine Stella an die echte Stella angelehnt“, erläutert Würger. Auch seine Romanfigur ist Aktmodel, Sängerin in einer Jazzband und sehr hübsch. Würger betont aber: „Trotzdem bleibt es eine fiktionale Geschichte.“

Stella“ wurde vor Erscheinen ins Chinesische übersetzt

Alles andere als Fiktion ist die Tatsache, dass der Roman schon vor seinem Erscheinen in neun Sprachen (zum Beispiel Englisch, Italienisch, Chinesisch, Französisch, Spanisch) für den internationalen Markt übersetzt worden ist – beim „Club“ waren es nur fünf gewesen.

„Ich hoffe, dass ,Stella’ erwachsener und reifer ist“, wünscht sich der Autor für sein druckfrisches Werk, das am 11. Januar in den Buchläden liegt. Und im Gegensatz zum „Club“ – da erzählte er die Geschichte aus mehreren Perspektiven – hat er sich bei „Stella“ für die ästhetischste aller Stimmen entschieden (die von Ich-Erzähler Hans aus dem „Club“) – „und die habe ich durchgezogen“.

Takis Würger liest in Hannover und Barsinghausen

Durchziehen – das könnte für Takis Würger in diesem Jahr möglicherweise Motto werden, viel Zeit zum Durchatmen bleibt da nicht. Ebenso wenig für Heimatbesuche. Wann er hier sein wird, gibt ihm sein Kalender vor: „Am 21. Januar und am 6. Februar“, sagt er aus dem Effeff auf. Beim ersten Termin liest er aus seinem neuen Buch im Schauspielhaus (19.30 Uhr, Tickets zwölf Euro), zwei Wochen später in Barsinghausen (Bücherhaus am Thie, 19.30 Uhr, zehn Euro). „Ich bin irre aufgeregt.“

Was vor allem daran liegt, dass Menschen im Publikum sitzen, die er kennt. Er rechnet – mal abgesehen von der Familie – mit seiner früheren Deutschlehrerin „und den Kumpels, mit denen ich als Sechsjähriger schon Fußball gespielt habe.“

„Heimat ist ein Ort, der mein Herz leicht macht“

Heimat. Das ist für Takis Würger viel mehr als nur der Ort, an dem er aufgewachsen ist. „Es ist ein Ort, der mein Herz leicht macht. Mir ist es wichtig, dass ich das Heimatgefühl im Herzen behalte. Gerade, wenn ich so viel unterwegs bin. Sonst löst man sich auf, gehört nirgendwo mehr hin.“

Der Weg des 34-Jährigen deutet für die nächsten Jahre weiter auf die Spur eines Schriftstellers. Einem, der schon die nächste Geschichte im Visier hat. Die von Noah. Für mehr Inhalt müssen wir uns noch gedulden.

Takis Würgers Roman „Stella“ ist am 14. Januar Thema im NDR-Kulturjournal (22.4 Uhr), außerdem ist er am 18. Januar Gast in „Aspekte“ (ZDF, 23.20 Uhr).

Von Mirjana Cvjetkovic

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