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Leben in Hannover Dieser Ingenieur zeigt Kindern Technik, die begeistert
Menschen Leben in Hannover Dieser Ingenieur zeigt Kindern Technik, die begeistert
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13:00 08.11.2019
Bringt Nachwuchsarbeit ins Rollen: Uwe Groth versucht zum Beispiel mit diesem Roller, schon Fünfjährige für Technik zu begeistern. Quelle: Fotos: Wilde (2), Eggers
Hannover

Als er fürs Fotoshooting mit der NP den überdimensionalen Roller aus Holzelementen aus dem Büro schiebt, leuchten die Augen von Uwe Groth (62). Der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes im Verband deutscher Ingenieure (VDI) liebt solche Modelle – das Gefährt spielt eine wichtige Rolle bei der Aktion „VDIni Kids“.

Die wendet sich an Kinder ab fünf Jahre. „Wir müssen in den Kindergärten anfangen“, sagt er über seine Mission, den Nachwuchs für Technik zu begeistern. „Etwas auseinanderbauen, wieder zusammensetzen. Mobilität und Bewegung erforschen – das finden die Kleinen toll.“

„Jet“ steht für „Jugend entdeckt Technik“

„Jet“ heißt sein Baby. Das steht für „Jugend entdeckt Technik“ – der Name fiel ihm 2002 ein, als ein Flugzeug über seiner Terrasse in Hemmingen den Kondensstreifen am Himmel hinterließ. „Jugend entdeckt Technik“ – zum Beispiel in Workshops, in Seminaren, in Wettbewerben, die der VDI damals aufbauen wollte. Und zwar so spielerisch, wie Groth es in seiner eigenen Jugend erlebte.

„Mein Vater war Professor. Er wollte mir erklären, wie ein Motor funktioniert – aber ohne komplizierte Zahlen und Kurven“, erinnert er sich an ein Experiment, in dem der Papa mit Tennisbällen und Dosen den Vorgang bei einer Zündung nachstellte. „Man muss Technik begreifen, im wahrsten Sinne des Wortes“, findet er heute.

Selbst hat er damals allerdings Wirtschaftswissenschaften studiert – aus Opposition und Trotz. „Ich mache was, was der Alte nicht kann“, sei sein Antrieb damals gewesen. Wichtig war ihm aber „nach links und rechts über die Grenzen zu schauen“. Im Bereich Arbeitswissenschaften tat sich die Schnittmenge zum Maschinenbau auf – „das war genau mein Ding!“

Groths Leistungskurs im Abi war Kunst

Sein Ding waren aber auch noch ganz andere Sachen: Groth hatte in der Schule Kunst als Leistungsfach. Seine Träume damals: „Koch, Künstler oder Gartenarchitekt werden.“ Mit einem „Bananendampfer“ schipperte erst mal rund um den afrikanischen Kontinent, arbeitet in der Kombüse. In seinem Lebensweg sieht er aber keine Widersprüche oder Brüche. „Jetzt geht es mir eben um die Gestaltung der Technik.“ Es sei ein Vorurteil, dass Ingenieure in engen Bahnen denken. „Wir müssen kreativ sein.“

Er hat angebissen: Arend Brugmans (links) hat sich für ein technisches Studium begeistern lassen. Quelle: Wilde

Zum Beispiel, um Nachwuchs an die Unis und Fachhochschulen zu locken. Das ist Groth nicht nur bei Arend Brugmans (20) gelungen. „Ich bin stolz auf ihn und die anderen“, sagt der 62-Jährige ernst. Der Sohn von zwei Tierärzten ist nämlich nicht in die Fußstapfen seiner Eltern getreten, sondern hat sich für ein duales Produktionstechnik-Studium an der Uni und bei Conti entschieden – und ist bei „Jet“ inzwischen Mentor für Schüler. (Ein Interview mit Conti-Vorstandsfrau Ariane Reinhart, zuständig für Personal und Nachhaltigkeit, lesen Sie hier.)

2013 hatte Brugmans auf der Ideen-Expo Feuer gefangen und einige Freunde überredet, beim „Jet Challenge Cup“ mitzumachen. (Die schönsten Bilder der Ideen-Expo 2019 sehen Sie hier) Die Aufgabe: Aus einem vierrädrigen Auto im Maßstab 1:10 ein fernsteuerbares Gefährt auf drei Rädern zu bauen. „Wir haben recherchiert, viel probiert, uns durchgewurstelt. Erst der fünfte Entwurf hat gehalten.“

Seine Vorlesungen sind „wie Detektivarbeit“

Wenn er so was hört, freut sich Groth. „Das ist Teamstress, das bringt die Jugendlichen weiter.“ Er selber halte Vorlesungen nie als Frontalunterricht. „Ich stelle ein Problem. Und helfe als Coach bei der Lösung. Das ist wie Detektivarbeit.“

Bei Brugmans hat es gewirkt, er blieb dran. Und machte in vier Jahren mit seinen Mitstreitern beim „Jet“-Cup zwei zweite und zwei erste Plätze, wechselte auf ein technisches Gymnasium („Die hatten einen 3-D-Drucker!“), entschied sich für die Ingenieurs-Laufbahn.

Ein idealer Weg. Aber nicht der absolute. Groth (hat selber keine Kinder, aber einen Jack-Russell-Terrier) freut sich über jedes Mädchen und jeden Jungen bei den VDI-Aktionen: „Wer nicht damit klar kommt, kann sich umorientieren. Aber er hat wenigstens einmal in den Technikbereich hineingeschnuppert.“

Er schreibt auch Bücher über Management

Als junger Mann hat Uwe Groth dann doch noch ein Maschinenbau-Studium draufgesattelt, aber nie zu Ende gebracht. „Mir lief die Zeit davon“, denkt er an die Jahre an der Universität zurück. Dafür macht er sich vor 25 Jahren selbstständig, schrieb Bücher über „Lean Management“, berät große Unternehmen in Personalfragen („Es geht nicht um Entlassungen, sondern um Umgestaltung“, betont er), engagiert sich neben „Jet“ auch noch beim Verein „Mobile Welten“ in Sehnde. „Das ist alles Ehrenamt. Fühlt sich aber oft an wie ein Hauptberuf.“

Privat sei er aber ein Tüftler, an seinem alten Motorroller schraube er ständig herum. „Improvisieren macht mir Spaß, da bin ich ein bisschen wie McGyver“, scherzt er. Wer weiß, was der 62-Jährige aus Kaugummi, Bindfaden und einem Feuerzeug alles bastelt ...

Jet

„Jet“, das steht für „Jugend entdeckt Technik“. Uwe Groth installierte die Juniortechnik-Clubs beim Verband Deutscher Ingenieure, baute dort systematisch Jugendarbeit auf. Der stellvertretende Vorsitzende von Landesverband und Bezirksverband gewann Leibnizschule, KGS Hemmingen und IGS Mühlenberg als Partner für das Projekt. Die Idee wurde später auch nach Wolfsburg und Braunschweig exportiert. 2002 fand auf der Expo-Plaza die erste „Technik verbindet“-Messe zur Berufsorientierung für junge Menschen statt, Groth holte Stiftung Niedersachsenmetall, Ingenieurskammer, Landesschulbehörde und weitere Institutionen an Bord. Die Messe findet im Wechsel mit der Ideen-Expo statt.

„Jet“ hat viele Satelliten, ist präsent auf der Hannover Messe, veranstaltet Kongresse, baut Kompetenzzentren in Schulen auf. Herzstück ist die „Jet-Challenge“: Schüler sollen im Team den Energieverbrauch eines Fahrzeugs optimieren, die Karosserie gestalten.

Von Andrea Tratner

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