Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Leben in Hannover Ute Lemper hat ein Rendezvous mit Marlene
Menschen Leben in Hannover Ute Lemper hat ein Rendezvous mit Marlene
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:31 08.04.2019
CHARISMATISCHE FRAU: Ute Lemper wird seit jeher mit Marlene Dietrich verglichen, nun widmet sie der Berliner Grand Dame eine Show. Quelle: Foto: David Andrako
New York

So lange wie derzeit war sie schon ewig nicht mehr in der Heimat unterwegs. Und dafür hat Ute Lemper (55) einen guten wie schönen Grund: Die Chansonsängerin ist mit einem ganz besonderen Programm auf Welttournee: „Rendezvous with Marlene“. Davon hat die weltweit erfolgreiche Künstlerin der NP unter anderem ausführlich erzählt, und zwar in ihrer Wahlheimat Amerika.

Es ist ein sonniger Tag in New York. Die Temperaturen sind für die Jahreszeit mit um die zehn Grad Celsius normal. Der Himmel ist knallblau, die Sonne strahlt und taucht den quirligen Stadtteil Manhattan in ein schönes Licht. Hier, ganz dicht dran am Gewusel, so zwischen Central Park und dem American Museum of Natural History, lebt Ute Lemper mit ihrem Ehemann Todd Turkisher (58) und den zwei jüngsten Kindern, Julian (14) und Jonas (8). In ihrem Penthouse an der Upper West Side hatte die NP im Herbst den deutschen Weltstar besucht.

Im „Europa Amerikas

Und weil an dem Tag der Fahrstuhl kaputt ist, muss der Lastenaufzug gerufen werden. Allein die holprige Fahrt mit dem historischen Teil ist ein Erlebnis. Die restlichen Treppenstufen zu den Räumlichkeiten, die Lemper primär für Proben und die dazugehörige gigantisch große Dachterrasse für Barbecues mit Freunden nutzt, sind schnell erklommen. Da kommt sie auch schon hoch, an jenem Vormittag im Oktober, unterm Arm trägt sie den Familienhund, „eigentlich gehört er meiner Tochter. Sie ist gegangen, der Hund ist hier gebleiben.“ Sie lacht. Stella (22) arbeitet wie ihr Sohn Max (24) in San Francisco – sie für eine holländische Technik-Firma, er im Finanzsektor.

Ute Lemper lebt seit Ende der 90er in New York, der Stadt, die sie „das Europa Amerikas nennt“. Nicht ganz unwichtig, denn die Frau aus Münster ist gerne Europäerin. Einen amerikanischen Pass hat sie nie beantragt, ein Einwanderungsvisum, die Green Card, macht das Leben in den Staaten möglich. Wie viel Deutsches trägt sie denn noch in sich? „Eine Menge“, sagt sie und lacht. „Meine Kunst, die ich aufrecht erhalte und hier auch weitertrage, zum Beispiel. Nichts Provinzielles, sondern ein Stück Kultur.“ Und auch in anderer Hinsicht lässt es sich wohl nicht von der Hand weisen, dass sie Deutsche ist: „Meine Kinder machen sich über meinen Akzent lustig“, erzählt sie und hält es für möglich, dass an ihr auch deutsch ist, dass sie strenger mit den Hausaufgaben ist als der Papa ihrer beiden jüngsten Jungs. In der Familie wird übrigens englisch gesprochen, „ich bereue es ein bisschen, aber es hat sich irgendwie nicht natürlich angefühlt“, gesteht Lemper.

In New York:Ute Lemper mit NP-Redakteurin Mirjana Cvjetkovic auf der Dachterrasse ihrer Wohnung an der Upper West Side Quelle: Ute Lemper

Es war und ist zudem ohnehin nicht immer leicht, ihr Leben als vierfache Mutter mit dem eines Stars auf der Bühne zu vereinen. „Ich bin viele Kompromisse eingegangen. Meine Ältesten, Max und Stella, habe ich eine Zeit lang nie ins Bett gebracht, abends zusammen essen, spielen, Quatsch machen, schmusen – all das habe ich verpasst, als ich am Broadway gearbeitet habe. Das war schon herzzerreißend.“ Denn wie es so ist in einer Familie, „ich bin immer noch diejenige, die die Brötchen verdient“. Und auch wenn es „uns manchmal fast in den Wahnsinn und in die Verzweiflung getrieben hat, kann ich sagen, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Meine Kinder lieben es zu sehen, dass ich arbeite.“ Die Disziplin und Hingabe, die Liebe und Leidenschaft, die ihre Mutter für ihre Arbeit aufbringt, hat auch sie vorangebracht. „Ich bin eine bessere Mutter dank meiner Karriere.“

Hommage an Marlene Dietrich

Die befindet sich gerade mal wieder auf einem Höhepunkt, weil sie sich endlich bereit fühlt für etwas, was ihr Leute schon seit Jahrzehnten hinterherrufen: eine Verbindung zu Marlene Dietrich († 90), dieser ständige Vergleich mit der Sängerin und Schauspielerin mit Ikonen-Status. „Ich fühlte mich bereit, eine Hommage an sie zu kreieren“, so die 55-Jährige. Dabei begann alles mit einer Art Entschuldigungsschreiben an „Die Dietrich“. Es war Ute Lemper damals – mit zarten 25 Jahren – nämlich peinlich, mit der großen Künstlerin verglichen zu werden. „Ich habe ihr in dem Brief meine Bewunderung ausgedrückt“, erinnert sich Lemper. „Einen Monat später, es war der 6. November 1987, das weiß ich noch genau, meldete sie sich.“

Lemper übernachtete damals in einem Frankfurter Hotel, als ihr der Rezeptionist einen Zettel mit einer Nachricht – so wie damals üblich – überreichte. „Darauf stand, dass Frau Marlene Dietrich versucht hatte, mich um 19.40 Uhr zu erreichen. Ich dachte erst, es wäre ein Scherz.“ War es nicht. Wenig später schellte das Telefon auf Zimmer 226 erneut – „ich hatte sie wirklich an der Strippe. Und hat genau so geklungen wie in den Filmen mit Maximilian Schell. Ich konnte es kaum glauben!“ Wie war sie denn? „So wie alte Menschen sein können. ein bisschen verbittert, ein bisschen aggro, ein bisschen schnoddrig.“

Eine Rose auf das Grab

Dietrich erzählte Lemper von Deutschland, ihren Erfahrungen im Ausland, dass man ihr wehgetan habe. „Und sie sagte, dass sie in Berlin-Friedenau beerdigt werden will.“ Hin und wieder rezitierte sie dann noch Gedichte, unter anderem welche von Rainer Maria Rilke (†51), „und ich habe sie über ihre Lieder und ihre Musik ausgefragt“, so Lemper. Nach drei Stunden war das Gespräch beendet.

Viereinhalb Jahre später starb Marlene Dietrich in Paris, nur wenige Tage vor Lempers Premiere von „Der blaue Engel“, sie spielte Lola, die Rolle, die Dietrich weltberühmt gemacht hatte. Lemper legte ihr in Berlin als letzten Gruß eine Rose aufs Grab.

Nun der Gruß mit dem Programm „Rendezvous with Marlene“: „Mal bin ich Marlene, mal Ute. Ich werde Songs singen, wie ich sie singen möchte, es wird genau die Geschichte werden, die ich erzählen möchte.“

Ute Lemper gastiert mit Rendezvous with Marlene am Sonnabend, den 13. April, von 20 Uhr an im Theater am Aegi. Tickets kosten zwischen 47 und 81,50 Euro und sind etwa in den NP-Ticketshops (Lange Laube 10) oder online erhältlich unter www.np-ticketshop.de

Von Mirjana Cvjetkovic

Er hat eine Phase der Bundesrepublik geprägt: Altkanzler Gerhard Schröder feiert Sonntag seinen 75. Geburtstag – mit seiner Frau in Weimar. Die NP hat Weggefährten nach ihren Glückwünschen für den SPD-Mann gefragt.

06.04.2019

Er ist ein Top-Fotograf, hat zahllose Weltstars abgelichtet. Nun legt Olaf Heine (51) einen ganz anderen Bildband vor: In „Rwandan Daughters“ zeigt er Frauen, die während des Völkermords in Ruanda vergewaltigt worden sind. Die NP sprach mit dem gebürtigen Hannoveraner.

04.04.2019

Seine Partei hat er zwei Mal in die Regierung geführt - und immer wieder heftig provoziert. Nun feiert Gerhard Schröder Geburtstag. Warum ein Weggefährte ihm seine flapsigen Sprüche verzeiht.

03.04.2019