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Leben in Hannover So lebt Hannovers Judo-Riese
Menschen Leben in Hannover So lebt Hannovers Judo-Riese
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09:07 12.09.2013
PRIVATES GLÜCK: Dimitri Peters und Freundin Marina mit WM-Medaille. Sie genießen ihre gemeinsame Zeit am liebsten mit der Familie. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Es ist ein spätsommerlicher Tag im beschaulichen Davenstedt. Dimitri Peters (29) sitzt entspannt in seinem Garten und genießt die Ruhe. Tage wie diese sind für den frischgebackenen WM-Dritten von Rio de Janeiro eine Seltenheit, der Judoka ist schließlich 200 Tage im Jahr unterwegs: „Deswegen bin ich froh, wenn ich mal hier bin und mich von dem Trubel erholen kann.“

Der gebürtige Russe ist eben „ein ländlicher Typ“. „Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen, bevor ich mit acht Jahren nach Deutschland kam“, erklärt der durchtrainierte Leistungssportler, „am liebsten würde ich abends gar keine Autos mehr hören.“

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Solch ein Luxus war dem 29- Jährigen während der Weltmeisterschaft in Brasilien nicht vergönnt. Trotzdem landete er auf einem Podestplatz. „Ich bin da ja auch hingefahren, um unbedingt mit einer Medaille zurückzukommen“, lässt der ehrgeizige Hannoveraner tief blicken. „Von Anfang an wusste ich, dass ich das Zeug dazu habe - ich habe ja schließlich auch bei Olympia Bronze geholt.“

Dass er in Rio trotz einer starken Tagesform im Pool-Finale gegen den Holländer Henk Groll scheiterte, ärgert ihn nicht mehr. „Ich habe den Kampf wegen zweier Bestrafungen verloren, aber man steckt das schnell weg“, verrät Peters, „erst später denkt man richtig darüber nach.“

Dann wird der Vorzeigesportler sicherlich auch immer mal wieder über seinen Ruf des ewigen Dritten nachdenken: Bei den Olympischen Spielen in London belegte er 2012 ebenso den Bronze-Platz wie bei den Europameisterschaften 2006 und 2011 - nun kam bei der WM ein weiterer dritter Rang hinzu. „Natürlich will ich daran etwas ändern. Platz drei ist zwar immer ein tolles Ergebnis, aber ich will die Goldmedaille“, gibt sich der 100-Kilo-Mann kämpferisch.

Dafür trainiert der Judoka von TuS Rotenburg bis zu vier Stunden am Tag. Auch jetzt steht neben der Haustür eine gepackte Sporttasche. „Später geht es nach Ibiza“, freut sich Peters. „Aber nicht zum Urlaubmachen, sondern zum Regenerationstraining“, stellt er klar. Dann lacht der Deutsch-Russe und sagt: „Eine Woche nichts machen geht eh nicht.“ Plötzlich tönt aus dem Hintergrund lautes Gekichere, dann stichelt Freundin Marina (28): „Stimmt! Dima ist echt sportsüchtig.“

Bei so viel Liebe zum Judo muss die Familie doch eigentlich längst infiziert sein, oder? „Bisher nicht. Marina ist eher ein Sportmuffel, und mein Sohn Steven spielt lieber Handball“, verrät der Familienvater. Enttäuscht ist er deswegen nicht: „Ich möchte ihm den Sport natürlich schmackhaft machen, aber ich möchte ihn nicht in den Sport drängen.“

Dabei lag „dieses Kämpferische“ schon immer in Dimas Familie. „Mein Großvater hat immer gerungen, und mein Bruder nahm mich mit zwölf Jahren das erste Mal zum Judo mit“, erzählt Peters. „Irgendwann habe ich ihn besiegt, dann hat er die Lust verloren“, lacht er wieder laut auf.

Zur Familie hat er aber immer noch einen guten Draht. „Wenn ich mal zu Hause bin, besuche ich oft meine Eltern. In meinem Kinderzimmer hängen sogar noch meine ganzen Medaillen und Urkunden“, ist der 29-Jährige stolz, „es ist wie ein kleines Museum.“ Wer weiß, vielleicht kann der sympathische Judoka seine Sammlung ja schon bald um eine Goldmedaille erweitern.

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