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Leben in Hannover Schröder-Kim liegt das Glück von Kindern am Herzen
Menschen Leben in Hannover Schröder-Kim liegt das Glück von Kindern am Herzen
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10:03 08.03.2019
Eine neue Freundschaft: Soyeon Schröder-Kim und die kleine Isabell schlossen sich sofort ins Herz. Quelle: Rainer_Droese
Hannover

Es riecht nach Pommes und Würstchen, Besteck klappert, angeregt wird sich über die Geschehnisse des Tages unterhalten. Eigentlich ist an diesem Tag um die Mittagszeit im Kinder- und Jugendheim Limmer alles so wie immer. Fast. Denn in dieser Woche hatte die Einrichtung an der Brunnenstraße besonderen Besuch: Soyeon Schröder-Kim (49) schaute vorbei!

„Frau Schröder!“, ruft ein neunjähriger Junge, als die Ehefrau von Altkanzler Gerhard Schröder (74) das Kinderheim betritt. Die Begrüßung fällt auf beiden Seiten herzlich aus, es gibt Umarmungen, sie streicht den Kids liebevoll über den Kopf: „Ich freue mich sehr, euch alle mal kennenzulernen.“ Die Schröders hatten sich Ende vergangenen Jahres Gedanken über eine Spende gemacht, das hannoversche Kinderheim ausgesucht und der seit mehr als 100 Jahren bestehenden Einrichtung 30 000 Euro zukommen lassen.

Eine stolze Summe. Der NP erzählt Schröder-Kim, dass ein Teil der Spende aus einer Schadensersatzleistung eines Medienunternehmens wegen falscher Berichterstattung über ihre Person stammt, der andere Teil aus einer Rednerverpflichtung ihres Mannes, für die er kein persönliches Honorar nehmen wollte. Und auch in ihrer Heimat Seoul haben die Schröders an Weihnachten geholfen: Den Erlös aus dem Buch ihres Mannes spendeten sie an einen Kinderhort in der Hauptstadt Südkoreas.

„Ich bin selbst Mutter. Mir ist wichtig, Kindern zu helfen. Dass es den Kleinen gut geht, sollte selbstverständlich und kein Privileg sein“, erklärt Schröder-Kim bei der Besichtigung des Hauses, das seit neun Jahren von Kathrin Oldenburger (54) geleitet wird. „Wollen Sie mal unsere Zimmer sehen?“, will die kleine Isabell (7) von Schröder-Kim wissen und zieht die 49-Jährige dabei schon längst den Gang entlang, „wir haben extra aufgeräumt“. Und sie will, bestaunt Lichterketten, fantasievolle Einhörner an den Wänden und lobt, dass die Laken auf den Betten ordentlich glatt gezogen sind. Schröder-Kim erzählt den Kindern von ihrer Tochter, „sie ist 14 Jahre alt.“ Immer wieder kämpft sie mit den Tränen, ist offensichtlich sehr berührt.

Die Einrichtungsleiterin Oldenburger berichtet unterdessen, dass die Hälfte der Spendensumme dafür genutzt wurde, Küchen in den drei sogenannten Außen-Wohngruppen einzurichten. Dort werden Teenager auf das spätere selbstständige Wohnen vorbereitet. Die zweite Hälfte der Spende soll für einen gemeinsamen Urlaub von Kindern und Betreuern in den Sommerferien genutzt werden.

Das geht auch Oldenburger nahe: „Das konnten wir uns noch nie leisten. Wir können zwei Wochen lang verreisen – alle zusammen!“ Anfangs konnte die Heimleiterin das Geld-Geschenk gar nicht richtig fassen, „dann haben wir uns riesig gefreut.“ Immer wieder bedankt sie sich bei Schröder-Kim „für diese so, so, so großzügige Spende. Auch wir müssen sparen, Zuwendungen wie diese helfen ungemein.“ Die Gruppe wird nun in einer Kinderkonferenz gemeinsam überlegen, wohin es gehen soll. Dänemark, Polen oder Holland? „Wir müssen uns nur noch für ein Land entscheiden.“ Da wird Schröder-Kim hellhörig, notiert sich den Reisezeitraum: „Ich werde meine Tochter fragen, ob sie Lust hat, für einige Tage mitzukommen.“

44 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 18 Jahren werden in Limmer betreut. Die Gründe für das Leben in der Einrichtung, deren Träger die evangelische Kirchengemeine St. Nikolai ist, sind ganz unterschiedlich: Es sind Waisen darunter, andere haben drogen- und/oder alkoholabhängige oder psychisch kranke Eltern, einige der jungen Menschen sind Opfer von Gewalt geworden. Angestrebtes Ziel für alle: „Sie zu unterstützen, damit sie später ein wirtschaftlich unabhängiges Leben leben können“, erläutert Kathrin Oldenburger.

Eine Jugendliche erzählt Schröder-Kim, dass sie eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten anstrebt. „Mein Bruder ist Arzt, von ihm höre ich immer wieder, wie wichtig medizinische Assistenten sind“, ermuntert die 49-Jährige die Heranwachsende, ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Nachdem sie sich den Wäscheraum, den Freizeitbereich und die Küche angeguckt hat, isst Schröder-Kim noch eine Kleinigkeit mit den Kindern und verabredet sich mit der kleinen Isabell für ein „Eis-Date“ Ende März. Dann ist sie wieder von einer Reise nach Seoul zurück in Hannover. Vielleicht der Beginn, einer neuen Freundschaft.

Von Mirjana Cvjetkovic

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