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Leben in Hannover Wie Sahak Hakobyan vom Juristen zum Foodtruck-Besitzer wurde
Menschen Leben in Hannover Wie Sahak Hakobyan vom Juristen zum Foodtruck-Besitzer wurde
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11:45 09.10.2019
Sahak Hakobyan beim Kochen. Quelle: Privat
Hannover

Wenn Sahak Hakobyan (47) über „seine“ Küche spricht, dann leuchten seine Augen so sehr, dass bei seinem Gegenüber nur das Wasser im Munde zusammenlaufen kann. Sahak Hakobyan kommt aus Armenien, das knapp 30.000 Quadratkilometer kleine Land liegt zwischen Georgien, Aserbaidschan, dem Iran und der Türkei. Die armenische Küche zählt zu den ältesten Asiens, beziehungsweise der Welt.

Sahak Hakobyan ist Koch. Seinen schwarzen Foodtruck „Gourmeat-Grill“, in dem er live kocht, sieht man auf vielen Festen in der Stadt, er ist damit aber auch im ganzen Norden bis Hamburg hoch unterwegs. Und wenn der energiegeladene Mann in dem Truck hinter seinem Herd nur so herumwirbelt, kann man sich kaum vorstellen, dass am Anfang seiner beruflichen Karriere das Kochen sicher nicht zu seinen Traumjobs gehörte. Denn von Haus ist Hakobyan Jurist.

In seinem Element: Sein armenischer Foodtruck sind gern gesehen auf vielen Festivals und Veranstaltungen. Quelle: Privat

„Das Besondere meiner Heimatküche ist, dass wir so schmackhafte und frische Zutaten verwenden, dass ein kräftiges Würzen überflüssig wird. Wir heben den Geschmack von dem Produkt hervor, statt ihn mit zuviel Gewürzen zu übertünchen!“ Neben Lamm, Kalb, Geflügel, Schwein, Fisch gibt es auch eine Vielzahl von Salaten und andere vegane und vegetarische Gerichte. „Ich sehe mich als Botschafter der armenischen Küche hier in Hannover“, sagt Hakobyan mit voller Überzeugung. In der kommenden Woche wird er beispielsweise auf der Infa-Messe kochen.

Zutaten kommen aus der Region

Eine weitere Besonderheit von seinem Truck-Essen: Sahak Hakobyan legt viel Wert auf „bio“ und Nachhaltigkeit. Besteck und Geschirr sind zu Hundert Prozent biologisch abbaubar, gegrillt wird auf Kokosnussschalen-Briketts, die Zutaten kommen aus der Region, Zusatzstoffe oder -aromen, Geschmacksverstärker, Glutamat oder genmanipulierte Nahrungsmittel kommen bei Hakobyan nicht in den Topf. All das ist bei dem Armenier nicht irgendein aktueller Zug, auf den er da mit den „Fridays for Future“ aufspringt, sondern eine Lebenseinstellung. Denn bevor er sich mit seinem Foodtruck selbstständig machte, war der Armenier jahrelang Inhaber der Bio-Bittersüß-Läden in der Südstadt und der List. Zunächst waren die Geschäfte hervorragend gelaufen, doch durch das Aufkommen der Bio-Discounter sowie der Sortimentsausweitung bei Supermärkten sah er für sich keine Chance mehr als kleiner, unabhängiger Bioladen-Anbieter zu überleben. Darum schloss er 2016 den letzten Bittersüß-Laden an der Hildesheimer Straße.

Frisch und pur: Die armenische Küche ist eine der ältesten Asiens. Sie will den Geschmack der Produkte für sich sprechen lassen. Gewürze sollen dabei nur unterstützen, nicht überlagern. Quelle: Sahak

Den Mitarbeitern und Kunden das Aus mitzuteilen fiel Hakobyan schwer, er musste sich nach einem neuen Job umsehen. „Mein Leben war sehr bewegt, es gab einige Brüche, aber ich habe nie aufgegeben. Meine Lebensmaxime ist eher: Niemals anfangen aufzuhören, niemals aufhören anzufangen“, sagt Hakobyan und seine Augen blitzen wieder auf. „Herumjammern ist nicht meine Sache. Wenn ich ein Problem habe, suche ich nach Lösungen und schaue, wie ich weitermachen kann.“

Studierte zunächst Jura

Sahak Hakobyan wurde Anfang der 1970er Jahre in Armenien geboren. Dort wuchs er auf, studierte Jura. Als die Lebensumstände in seiner Heimat für ihn immer schwieriger wurden, floh er mit seiner Frau 2002 nach Deutschland. „Ich hatte keine Ahnung von Deutschland, ich wollte nur weg. Die Schlepper boten mir Frankreich, Holland oder Deutschland an, ich sagte nur, dass ich dahin will, wo es am schnellsten geht, so bin ich hier gelandet.“

Ganz ohne Deutschkenntnisse mit einem akademischen Beruf, den er hier nicht ausüben konnte, war die Anfangszeit als geduldeter Flüchtling schwer. Doch sein fester Wille, sich hier zu integrieren und ein neues Leben aufzubauen, seine positive Lebenseinstellung und sicher auch seine kommunikative Art ließen ihn Fuß fassen. Deutsch lernte er über Gespräche mit Deutschen. „Ich habe einfach viel drauflos geredet, damals gab es noch nicht dieses große Sprachangebot für Ausländer. Ich habe deutsches Fernsehen geschaut und dazu deutsche Zeitungen sowie Zeitschriften gelesen: Denn ich wollte unbedingt Deutsch lernen.“

An der Uni Oldenburg erkämpfte er sich ein Kontaktstudium für hochqualifierzierte Ausländer. „Um zu studieren fehlte mir das feste Bleiberecht. Das war eine Voraussetzung. Aber die Professoren und Dozenten, darunter Anwar Hadeed, der heutige Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Migranten und Flüchtlinge in Niedersachsen, hat sich für mich eingesetzt und mich auf die Warteliste gesetzt. So bekam ich den Studienplatz.“

Deutsch-armenische Kulturgesellschaft gegründet

Hakobyans drei Kinder wurden in Deutschland geboren, das jüngste ist gerade eingeschult worden, die beiden älteren besuchen das Gymnasium Tellkampfschule. Auch hier engagiert sich Hakobyan, er leitet die Schulcafeteria und ist seit sechs Jahren Mitglied im Schulvorstand. Zur Völkerverständigung hat Hakobyan die deutsch-armenische Kulturgesellschaft Nairi gegründet. Warum er all das tut? „Ich engagiere mich gern, ich will etwas bewegen.“

Und er engagiert sich natürlich wegen seiner Kinder, er hofft, dass sie hier in Deutschland ihren Platz finden werden, studieren und erfolgreich ihr Leben gestalten. Sahak Hakobyan selbst ist ein Wanderer zwischen den Welten geblieben. „Ich liebe Deutschland, hier sind meine Kinder groß geworden. Aber ich vermisse Armenien, dort bin ich aufgewachsen, dort lebt meine Verwandtschaft. Außerdem gibt es auch viele Deutsche, für die ich immer noch der Ausländer bin, das macht es nicht leicht.“

2014 war er – inzwischen hat er die deutsche Staatsbürgerschaft – zum ersten Mal wieder in Armenien: „Wenn ich dort bin, vermisse ich Deutschland.“ Mit dieser Zerrissenheit muss Sahak Hakobyan leben, er macht das Beste daraus. „Ich liebe Jazzmusik wahrscheinlich so sehr, weil sie wie mein Leben ist“, überlegt er, „die Musik besteht aus Improvisationen, davon lebt sie, und so gestaltet sich mein Leben auch.“

Von Maike Jacobs

Die Ausbildung zum Koch begann er in Greifswald, danach folgten Stationen in Berlin und Wien. Seit 2017 ist Florian Vree Küchenchef im Boca.

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