Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Leben in Hannover Rüdiger Hoffmann: „Manchmal muss ich nur atmen“
Menschen Leben in Hannover Rüdiger Hoffmann: „Manchmal muss ich nur atmen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:52 09.09.2019
Markanter Kopf: Rüdiger Hoffmann gastiert am 14. September in Wunstorf. Quelle: dpa-Zentralbild
Hannover

„Halloooo, erstmal.“ Diese Begrüßungsfloskel machte Comedian Rüdiger Hoffmann (55) berühmt. Die NP sprach mit ihm über die Wichtigkeit von Langsamkeit, Massagen auf Tour und seine Umarmung mit Stones-Star Keith Richards.

Herr Hoffmann, „Alles mega“ ist ihr 13. Programm, mit dem Sie durchs Land touren. Müssen Sie mittlerweile aufpassen, sich nicht selbst zu kopieren?

Wenn ich Nummern schreibe, bemühe ich mich schon, nicht dieselbe in grün zu bringen. Allerdings spreche ich in der aktuellen Show zum Beispiel über das Thema Wohnungsnot. Das habe ich vor 30 Jahren auch schon mal gemacht. Allerdings aus einer anderen Perspektive, diesmal nämlich aus der Position des Vermieters, auf sehr lustige und böse Art. Das zeigt, dass das Thema wieder aktuell ist. Und deshalb kann es vorkommen, dass man ein Thema erneut behandelt.

Sie haben mal gesagt, dass Ihre Themen weniger politisch sind, dafür hält Alltägliches Einzug. Wenn Sie aber davon – zugegeben lustig – erzählen, dass Sie und Ihre Familie nachhaltiger leben, dann ist es doch politisch, oder nicht?

Ja, doch. Das stimmt. Schon früher habe ich von den anonymen Ausländerfeinden im Schützenverein gesprochen. Oder über den Arbeitslosen, was er den ganzen lieben Tag so macht – nämlich gar nichts. Natürlich ist das politisch, aber auf andere Art. Nämlich nicht mit erhobenem Zeigefinger. So ein Gesinnungskabarett war mir immer ein bisschen zu einfach. Deshalb schlüpfe ich gerne in Rollen, auch in unsympathische.

In der Bundesliga: Comedy-Star Rüdiger Hoffmann stammt aus Paderborn – und hält zu seinem Fußballverein. Quelle: dpa

Ihr Anliegen ist es auch, Menschen mal für zwei Stunden von ihrem Alltag abzulenken. Wie schaffen Sie sich eigene Auszeiten?

Wenn ich auf Tour bin, lasse ich mich jeden Tag massieren, habe in ganz Deutschland schon ein richtiges Netzwerk (lacht). Ich lege mich hin, tauche total ab. Es hat beinahe etwas Meditatives, aber auch Verspannungen, die durch das lange Sitzen während der Auftritte entstehen, werden wegmassiert. Während des Schreibens, das können locker acht, neun Stunden am Tag sein, sehe ich zu, dass ich jeden Tag Sport mache: laufen, schwimmen, Yoga. Das Körperliche entspannt mich sehr.

Nochmal zurück zum Publikum: Sie sind ja eher so von der langsamen Sorte in Ihrer Darbietung. Merken Sie, dass den Leuten das guttut, den Puls mal etwas länger im Ruhebereich zu wissen?

Hoffmann: „Meine Shows sind Kopfkino

Absolut, das merke ich total. Im Grunde sind meine Shows ein Kopfkino: Bei mir entstehen Bilder im Kopf, bei den Leuten auch. Timing ist wichtig, sich die Zeit lassen, Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Ich rattere mein Programm nicht einfach runter, dann ist nämlich keine Zeit für schöne Zwischentöne. Mal was stehen lassen, die Stille, zu merken, da baut sich etwas auf. Das ist elementar für mich, das ist Kommunikation. Das Publikum kommuniziert ja mit mir, durch Klatschen, Lachen,Geräusche. Manchmal bin ich dann auch ein kleines bisschen schneller, manchmal eben langsamer.

Und die Leute stehen auf Ihre Langsamkeit.

Ich beherrsche das seit 35 Jahren. Die Leute kommen, um genau das zu erleben. Manchmal muss ich nur atmen und schon lacht das Publikum. Oder mich räuspern. Und dann geht es schon los. Genau deswegen liefere ich genau das auch gerne ab.

Sie haben mal gesagt, dass es eines Ihrer Karriere-Highlights war, 1995 Vorgruppe der Stones gewesen zu sein. Hören Sie die auch privat?

Ja klar, schon seit der Schulzeit, da hatte ich meine Band „White Brick“ und wir haben die Stones gecovert. Das habe ich der Band dann auch erzählt, ich durfte tatsächlich in die Garderobe. Keith Richards hat mich direkt in den Arm genommen, war nett und freundlich. Mir ist aufgefallen, dass er ein körperlicher Typ ist, der einen immer berührt hat. Das war schon große Klasse.

Besonderer Moment: Rüdiger Hoffmann (rechts) trifft Ron Wood (links) und Keith Richards von den Rolling Stones. Quelle: Facebook/privat

Musik ist ja auch immer ein Teil in Ihren Shows.

Bei allen Soloprogrammen, genau. Es gibt vier, fünf schöne Lieder und eins, bei dem alle mitsingen können, das macht das Publikum gerne als Höhepunkt zum Schluss. Ich habe gemerkt, dass man mit Musik mehr erreicht als allein durch Wortbeiträge.

Welche Anekdote fällt Ihnen zu Hannover ein?

Ich war früher sehr oft in der Stadt, meine damalige Freundin hat nämlich in Hannover Zahnmedizin studiert. Sie ist zwar nicht mehr meine Freundin, dafür aber meine Zahnärztin. Sie arbeitet in München. Damals bin ich oft zu ihr gefahren, habe viel Zeit in der Stadt verbracht. Und auch einen meiner ersten Auftritte hatte ich in Hannover, den dritten oder vierten überhaupt.

Keiner kommt zum ersten Hannover-Auftritt

Uns das war wo?

In der Galerie Calenberg, das muss 1986 gewesen sein. Am ersten Abend ist keiner gekommen (lacht). Am zweiten waren dann vielleicht fünf Leute da.

Verraten Sie, woran Sie aktuell gerade arbeiten?

Wenn ich wie jetzt auf Tour bin, genieße ich es, nicht Neues zu machen. Vielleicht notiere ich mir Ideen für Nummern oder Lieder ins Handy, konzentriere mich aber nur auf die Tournee.

Rüdiger Hoffmann spielt am 14. September ab 20 Uhr sein Programm „Alles mega“ im Stadttheater in Wunstorf (Südstraße 8) . Karten kosten 29,70 Euro.

Von Mirjana Cvjetkovic

Wandern? Galt lange als Rentnersport. Doch immer mehr junge Menschen stürmen die Gipfel. Eine 25-jährige Wanderleiterin der Sektion Hannover des Alpenvereins erklärt das Phänomen. Und mit unseren drei Routen-Vorschlägen und den Ausrüstungstipps können Sie gleich loslegen.

09.09.2019

Hannover im E-Scooter-Fieber: Aber was taugen die Roller der Firmen Lime oder Tier? Maike Geißler vom "Reisereporter" hat für euch den Test gemacht.

09.09.2019

Er bekommt beim „Tag der Ehrenamtlichen“ eine Urkunde von Ministerpräsident Stephan Weil – doch Teufelsgeiger Charly Neumann (82) träumt vom Bundesverdienstkreuz.

09.09.2019