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Leben in Hannover Nach 35 Jahren Mövenpick nimmt Elisabeth Bartl Abschied
Menschen Leben in Hannover Nach 35 Jahren Mövenpick nimmt Elisabeth Bartl Abschied
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21:24 02.12.2019
Mövenpick: Nach 35 Jahren geht Elisabeth Bartl in den Ruhestand und hat in dieser Zeit einiges erlebt. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Welches die bewegendste Zeit in ihrer Laufbahn im Mövenpick am Kröpcke war, kann Elisabeth Bartl (65) kaum sagen. Sie erinnert sich an einen Sonnabend kurz nach der Wende im November 1989: „Gegen 17 Uhr hatten wir nichts mehr, das Kuchenbüfett war vollkommen leer.“ Auch die Pizza, die es damals im Mövenpick gab, war restlos ausverkauft. „So viele Menschen aus Ostdeutschland waren gekommen, und die wollten sich von ihrem Begrüßungsgeld etwas Schönes gönnen – wie unsere Himbeertorte zum Beispiel“, erinnert sich die Frühstückschefin des Restaurants an die emotionale Zeit.

Kaum weniger ergreifend erlebte Bartl die Weltmeisterschaft 2006. „Die ganze Terrasse war voller italienischer Fans, und alle hatten ,Totti’ auf ihren Trikots stehen.“ Die mexikanischen Fans empfand sie als besonders friedlich und fröhlich. „Und als Südkorea gegen die Schweiz spielte, war die Innenstadt ein weiß-rotes Meer.“ Den Kirchentag 2005 hat sie „gigantisch“ in Erinnerung, genauso wie die Expo 2000: „Ich liebe es, wenn so viele Besucher in der Stadt sind.“

Expo:Im Jahr 2000 wurden an vielen Orten Figuren aufgestellt – am Mövenpick begrüßte Bartl einen neuen Kollegen. Quelle: Christian Behrens

Deshalb waren auch die Cebit und die Hannover-Messe stets Höhepunkte in ihrem Jahreskalender. „Viele Gäste sind innerhalb weniger Tage zu Stammgästen geworden und haben sich am Ende mit ,Bis zum nächsten Jahr’ verabschiedet.“ Elisabeth Bartl lächelt bei diesen Erinnerungen und kann sich in diesem Augenblick wohl kaum vorstellen, dass sie ab sofort nicht mehr nahezu täglich aus Linden zum Kröpcke radeln wird. 1984 hatte die gebürtige Münchnerin im Mövenpick ihren ersten Arbeitstag. Nach 35 Jahren geht sie nun in den Ruhestand.

Von München nach England und Bremen

Die Ausbildung zur Hotelfachfrau hatte sie im Hotel Unterwirt in Reit im Winkl absolviert, „das gehörte schon zu den guten Häusern im Ort“. Mit 18 zog es sie für die Sommersaison ins englische Eastbourne Nähe Brighton. „Eastbourne war der Ort für ältere Herrschaften, Brighton die Stadt für junge Leute“, erzählt Bartl vergnügt. Aufregende Zeiten verbrachte sie auch in Bremen. Das Hotel Columbus am Bahnhof arbeitete damals eng mit Radio Bremen zusammen, in dem Sender wurde die Unterhaltungssendung „Am laufenden Band“ mit Showlegende Rudi Carrell (†71) gedreht. „Dadurch hatten wir oft sehr prominente Gäste“, verrät Bartl. Die Fußballnationalmannschaft mit Stars wie Berti Vogts (72) und Jupp Heynkes (74) logierte im „Columbus“. Den Schauspieler Roger Moore (†89) musste das Personal „mit viel Fingerspitzengefühl“ behandeln, er speiste nur in Separées, „war sehr anspruchsvoll und hatte viele Extrawünsche“.

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Am meisten beeindruckte aber ein anderer Gast die junge Hotelfachfrau: Schauspieler Terence Hill (80). „Er hat wirklich so blaue Augen!“, sagt Elisabeth Bartl und lacht herzlich. Nach Autogrammen zu fragen, sei zu dieser Zeit und in diesem Hotel nicht üblich gewesen, aber das brauchte sie auch gar nicht. „Er hat mir zum Abschied einen Dollarschein mit seiner Unterschrift überreicht“, sagt Bartl, „der hängt noch heute an meiner Pinnwand“.

Ein Autogramm von Terence Hill:Der Schauspieler signierte einen Dollarschein für Elisabeth Bartl. Sie sagt über ihn: „Er hat wirklich so blaue Augen.“ Quelle: jub

In Bremen lernte sie viel von dem Oberkellner, „auch am Tisch zu kochen und Salate zuzubereiten“. Doch Bartl wollte weiter. In Stadthagen besuchte sie die Hotelfachschule und ließ sich zur Betriebswirtin ausbilden. Danach hatte die Bayerin Einladungen zu zwei Vorstellungsgesprächen: eines in der Heimat und eines im Mövenpick am Kröpcke in Hannover. „Als ich das erste Mal hier war, hat es mir sofort so gut gefallen“, erinnert sie sich, als die NP sie an ihrem Arbeitsplatz besucht. „Es war so viel Leben hier drin, alles war ein großes Kommen und Gehen von so unterschiedlichen Menschen.“

Ein Glas Champagner

Zudem mochte sie die Idee der kleinen Portion Luxus von Mövenpick-Gründer Ueli Prager († 95). „Er wollte den Leuten die Möglichkeit geben, einfach ein Glas Champagner bestellen zu können, keine ganze Flasche.“ Der Legende nach soll der Schweizer am Genfer See eine Möwe beobachtet haben, die sich etwas aus dem Wasser pickte und weiterflog. „Da soll er gedacht haben: ,Es wäre doch schön, wenn Gäste das auch so machen könnten’“, sagt Bartl. „So entstand die Idee – und der Name Mövenpick.“

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Auch in Hannover machte die Frühstückschefin Bekanntschaft mit prominenten Gästen. Udo Jürgens (†80) bestellte Kaffee und Himbeertorte mit Sahne bei ihr, „und Karel Gott hat immer die Champagner-Trüffel-Torte gegessen“. Politiker wie Frank-Walter Steinmeier (63) waren am Kröpcke zu Gast, ebenso wie fast alle Hannover-96-Spieler – auch die Cherundolos und Füllkrugs kommen noch regelmäßig vorbei. In diesen Tagen stehen täglich Stammgäste vor ihr, drücken ihr die Hand, wünschen ihr alles Gute. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Elisabeth Bartl, die sich genau in diesem Augenblick eine Träne aus dem Auge wischt.

In Hannover verwurzelt

Die sportliche und topfitte Frau möchte demnächst nicht nur ihre Schwester auf Teneriffa besuchen, sie will auch häufiger zum Tischtennistraining bei der SG Limmer gehen, schwimmen und Aquajogging machen. In Hannover möchte sie bleiben. „Hier ist mein Sohn geboren, hier bin ich verwurzelt.“ Von dem Vater lebt sie getrennt, der Sohn arbeitet in England – genau wie damals seine Mutter.

Kürzlich feierte Bartl ihr 35. Dienstjubiläum mit dem Mövenpick-Team. Zu ihren Ehren gab es ein bayerisches Menü mit Weißwurst-Carpaccio und Kalbshaxe. Doch Schluss war erst am Abend des 30. Novembers, und der Tag hatte es noch mal in sich: Sonnabend konnte man den Nahverkehr in der Region Hannover gratis nutzen – es war knüppelvoll in der City. „Da wird jede Hand gebraucht“, sagte die erfahrene Betriebswirtin vorab. „Und solange ich hier bin, trage ich auch noch die Verantwortung.“

Von Julia Braun

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