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Leben in Hannover Marlies Möller: Die Frisuren-Legende feiert Jubiläum
Menschen Leben in Hannover Marlies Möller: Die Frisuren-Legende feiert Jubiläum
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18:21 21.02.2017
Herzlich willkommen: Marlies Möller vor ihrem Salon in Hannover.  Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Das Wichtigste, wenn sie das Haus verlässt? „Ein angezogenes Gesicht“, entgegnet Marlies Möller (sagt, ihr Alter täte nichts zur Sache), ohne zu überlegen: „Ich habe meins immer im Zahnputzglas.“ Sie lacht: „Da stecken Kajal für die Augen und der Konturenstift für die Lippen drin.“ Dass die Grand Dame des Friseurhandwerks mit gemachtem Haar und am besten noch schwingenden Ohrringen nach draußen geht, versteht sich irgendwie von selbst. „Ich würde eher auf Essen verzichten, als nicht zum Friseur zu gehen. Oder eben nur ein kleines Schwarzes besitzen ...“

Von Kindesbeinen an hat die Hamburgerin nur eins im Kopf – Mode. „Eigentlich wollte ich eine Schneiderlehre machen, konnte dafür aber nicht so gut zeichnen“, erzählt die Unternehmerin der NP. Schon ihr Großvater war ein Kreativer, er hat als Kunsttischler Möbel restauriert: „Und nachts hat er Särge mit wunderschönen Emblemen drauf gestaltet, da habe ich immer so gerne zugeschaut. Ich war ganz fasziniert von den Locken, die runtergefallen sind, wenn er gehobelt hat.“

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Sie hat ganz klein angefangen

In einem kleinen Friseursalon begann Möller, damals noch eine Müller („Den Unterschied bemerkte nach der Hochzeit kaum einer“), ihre Ausbildung. Sie musste dort – wie Lehrlinge so oft – alles machen: „Lernen, putzen, kassieren, den Ofen anheizen, Wäsche waschen.“ Gestört hat sie das nicht, „aber ich wusste trotzdem, dass ich keine normale Friseurin sein wollte“. Zu sehr war sie von Filmklassikern wie „Die oberen Zehntausend“ und Mafiastreifen fasziniert: „Die Frauen waren da immer so verführerisch und schick, das fand ich so toll.“

Die unterschiedlichen Frisuren hat die Geschäftsfrau immer in ihren Trends aufgegriffen, das ist heute noch so. „Ich selbst habe 100 Frisuren getragen“, erzählt sie mit gewissem Stolz: „Hell und dunkel, gelockt und glatt, kurz und lang.“ Ihr Anspruch: Alles ausprobieren und so Inspiration für Kunden sein – die Kartei zählt mittlerweile 150 000 Damen und Herren.

Während ihrer Gesellenjahre am schicken Hamburger Jungfernstieg arbeitete sie nebenbei noch als Maskenbildnerin am Theater und beim NDR, 1962 machte sie sich schließlich selbstständig: „In einem Souterrain in Harvestehude“, erinnert sie sich an ihr erstes Geschäft. Und ganz fuchsig hat es sie gemacht, „wenn jemand Keller dazu gesagt hat“.

Sie ist weltweit gefragt

Es folgte die Entwicklung von Haarpflegeprodukten, als ihr Sohn Christian (55) ins Unternehmen einstieg, brachte sie außerdem eine Haarbürstenkollektion auf den Markt. Weltweit ist ihr Trockenhaarschnitt gefragt („So kann man das einzelne Haar sehr viel besser aufspüren“), sie ist bei Shows in New York, Spanien, Italien, Südkorea, Brasilien und den Philippinen dabei. Ihr Imperium wuchs über die Jahrzehnte auf 130 Mitarbeiter an, die in sechs Salons waschen, schneiden, föhnen. Zu ihren Kunden gehört Moderatorin Alida Gundlach (73), bis zu ihrem Tod ließen sich Schauspielerin Inge Meysel († 94) und Benita zu Schaumburg-Lippe († 85) bei Möller die Haare machen. Auch bei Ivana Trump (68, Ex von US-Präsident Donald Trump, 70) und Hollywoodstar Sharon Stone (58) durfte sie Hand anlegen. „Ich lebe aber nicht von der Prominenz, wollte nie elitär sein“, betont Möller. Jede Frau (und auch Männer) ist bei ihr willkommen, ab 90 Euro bekommt man ein neues Styling verpasst.

Das Sonntagskind hat viel erlebt und viel zu erzählen. Eine Dokumentation über Möllers Leben ist in Planung: „Ein Stück Zeitgeschichte, es soll junge Menschen motivieren.“ Könnte klappen, bei dieser Lehrmeisterin.

Von Mirjana Cvjetkovic