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Leben in Hannover So geht es Äbtissin Preuschhof nach einem Jahr im Amt
Menschen Leben in Hannover So geht es Äbtissin Preuschhof nach einem Jahr im Amt
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11:17 22.01.2020
Seit einem Jahr Äbtissin: Mareile Preuschhof fühlt sich wohl in Wennigsen. Quelle: Dröse
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Wennigsen

Und dann war es um, das erste Jahr im Amt: „Nun freue ich mich, dass ich das zweite Jahr mit mehr Klarheit beginnen kann“, sagt Mareile Preuschhof(58) und lacht. „Manche Sachen will ich bewusst anders angehen, achtsamer und souveräner mit Aufgaben umgehen“, hat sie sich vorgenommen, „mögliche Stolperfallen kenne ich nun ja.“ Preuschhof ist Äbtissin im Kloster Wennigsen, in dieser Funktion steht sie der dortigen evangelischen Frauengemeinschaft vor und leitet außerdem das angegliederte Haus der Stille und Begegnung.

Die gebürtige Cellerin ist am Deister gut angekommen, „ich fühle mich sehr wohl. Und die Frauengemeinschaft ist ein tolles Team, motiviert und engagiert“, lässt sie im Gespräch mit der NP die vergangenen zwölf Monate Revue passieren.

Die 58-Jährige lebt im Kloster, im Amt herrscht eine Residenzpflicht, sie bewohnt eine Vierzimmerwohnung, eines davon ist ihr Arbeitszimmer. Und da gibt es so einiges zu tun: Sie ist Geschäftsführerin des Tagungsbetriebs, kümmert sich ums Personal, sieben Frauen und ein Hausmeister sind hier tätig. Sie gestaltet die Programme, leitet selbst einige Kurse. Und dann ist da noch der große Garten, dem sich Preuschhof im Jahre 2020 besonders zuwenden möchte. „Alles mache ich nicht selbst, bin aber in alle Entscheidungen einbezogen.“

Preuschhof folgt stets ihrer inneren Stimme

Wenn sie an Entscheidungen denkt, die sie in ihrem Leben gefasst hat, folgte sie vor allem einem: ihrer inneren Stimme. „Ich habe ihr einfach vertraut, sie vor allem immer ernst genommen“, betont sie. Geplant hat sie nicht, „die Schritte haben sich ergeben. Das zeichnet meinen Lebensweg aus.“ Ein roter Faden lässt sich aber erkennen: Preuschhof lag eines immer ganz besonders am Herzen, die Menschen und die Arbeit mit ihnen.

Dabei hatte sie während der Schulzeit tatsächlich überlegt, Mathe zu studieren, „Systeme habe ich schon immer gut verstanden“. Auch Medizin interessierte die Schülerin, vielmehr war es sogar ein Traum. „Allerdings war das nicht möglich, ich war ziemlich faul in der Oberstufe.“ Das scheint nicht nur auf den ersten Blick relativ, auf dem Zeugnis stand die Abiturnote 2,2.

Zunächst ist sie als Pflegehelferin in einem Krankenhaus für frisch verletzte Querschnittsgelähmte tätig. „Eine emotional sehr fordernde Zeit“, sagt sie beim Blick zurück, „ich hatte viel mit jungen Männern zu tun, die einen Motorradunfall hatten.“ Da sie selbst aus einem geburtenstarken Jahrgang stammt, entflammte das Interesse für die Hebammentätigkeit.

Trotz schwerer Umstände, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, machte sie 1983 ihr Examen. „Bestimmt 400 Kindern“, half Preuschhof auf die Welt, führte sogar Buch darüber. „Zu dem Beruf verspüre ich immer noch eine starke Identifizierung.“ Aus dem positiv besetzten „auf die Welt holen“ machte die junge Frau auch mit dem Gegenteil Erfahrungen: Sie erlebte nicht nur, wie Eltern bei der Geburt ihre Kinder verloren. Auch Preuschhof selbst musste Abschied nehmen: Ihr Bruder starb im Alter von 28 Jahren an Krebs.

Ihre Tür steht immer offen: Mareile Preuschhof freut sich über alle Menschen, die am Kloster Wennigsen interessiert sind. Quelle: Dröse

Inhalte des Sozialpädagogikstudiums in Hannover mit dem Schwerpunkt Gesprächsführung sowie Sterbe- und Trauerbegleitung zogen sie daraufhin in den Bann, „mein Professor hat Dinge in den Vorlesungen gesagt, die mich sehr berührt haben. Und ich hatte plötzlich den Raum, mich mit dem Tod meines Bruders zu beschäftigen.“ Die Folge: Preuschhof lernte, mit Abschieden anders umzugehen, sie bot Kurse und Fortbildungen an, baute später Beratungsstellen für pflegende Angehörige auf, schrieb Konzepte für den ambulanten Hospizdienst, den sie schließlich als Institution in Hannover mit aufbaute. „Heilend tätig zu sein, spielte in meinem Leben eine zentrale Rolle. Und die Nähe zu sterbenden Menschen hat mich neugierig gemacht.“ Preuschhof nahm wahr, „dass es eine Welt gibt, die außerhalb dessen ist, was wir wahrnehmen.“

Die Arbeit mit Sterbenden ist wegweisend für ihr Leben

Verhältnismäßig spät, als 48-Jährige, entschied sie sich für ein Theologiestudium, nicht nur, weil sie merkte, dass sie die Hospizarbeit nicht bis zur Rente machen konnte. Ihr bisheriger Lebensweg verschaffte ihr Erfahrung, auch in der Hinsicht, „dass ich feststellen musste: Mit Ende 40 lässt es sich nicht mehr so gut Griechisch und Hebräisch lernen.“

Geschafft hat sie es trotzdem, Abrundung des Ganzen war das Vikariat und die anschließende Tätigkeit als Pfarrerin. Dabei wurde sie nicht nur von ihrer Überzeugung getragen, auch die Familie, ihr heutiger Ex-Mann sowie die Töchter Esther(26, studiert Psychologie) und Paula(22, absolviert eine Ausbildung zur Tischlerin) unterstützen die engagierte Frau, die „schon immer Menschen auf ihrem spirituellen Weg begleiten wollte“.

Dem Klostergarten will sich Mareile Preuschhof in diesem Jahr ganz besonders widmen. Quelle: Dröse

Dass sie heute Klosteräbtissin ist, hat sie womöglich ihren Eltern zu verdanken. „Die riefen mich nämlich an und erzählten mir, dass sie eine Stellenanzeige gelesen hätten, in der eine Äbtissin in Wennigsen gesucht wird.“ Umgehend klapperte Preuschhof „mindestens fünf“ Tankstellen ab, um ein Exemplar der Zeitschrift „Chrismon“ zu ergattern. Das Schriftstück schließlich in den Händen haltend, war sie wie „elektrisiert“, steckte zwei Wochen vor Schluss ihre Bewerbung in den Briefkasten.

Der Rest ist Geschichte. Eine schöne, die allerdings auch Abstriche mit sich bringt. Etwa die Tatsache, dass sie alleinstehend sein muss. Preuschhof lacht, zuckt mit den Schultern: „Ich sage doch meine Traumstelle nicht ab, weil ich mich verlieben könnte“, betont sie überzeugt. Verspürt sie denn Sehnsucht nach Nähe zu einem Mann? „Körperkontakt fehlt mir schon. Aber jede Lebensform bringt nun mal Vor- und Nachteile mit sich.“ Dass ihre jetzige genau die richtige für sie ist, daran lässt die 58-Jährige keinen Zweifel: „Ich mache mir keinen Kopf darum. Es ist, wie es ist, und ich bin sehr zufrieden.“

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Von Mirjana Cvjetkovic

Giovanni Uliva, eigentlich gelernter Industriemechaniker, arbeitet seit zwölf Jahren in der Gastronomie. Angefangen hat er als Tellerwäscher, es folgten Jobs als Kellner und Pizzabäcker. Inzwischen ist er Betriebsleiter im Elements an der Marienstraße.

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