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Leben in Hannover In diesen Büchern blättern wir gerne im Herbst
Menschen Leben in Hannover In diesen Büchern blättern wir gerne im Herbst
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19:01 23.09.2019
Rockstar unter den Autoren: Der Norweger Jo Nesbo Quelle: dpa
Hannover

Entspannt mit einer Decke auf dem Sofa, ein gutes Buch in der Hand – der Herbst bietet Zeit sich neuem Lesestoff zu widmen. Ob Liebesromane oder spannende Krimis, die NP hat eine interessante Auswahl 

Mörderisches Outback

Die Autorin: In ihrer Heimat Australien wird Harper seit ihrem Erstling „Hitze“ gefeiert und mit Preisen überhäuft. Die Journalistin schreibt für die „Herald Sun“.

Jane Harper: „Zu Staub“, Rowohlt, 416 Seiten, 16 Euro. Quelle: Verlag

Das Buch: Die australische Wildnis ist gnadenlos, die Hitze ist der größte Feind des Menschen. Der schmale Schatten eines einsamen Grabsteins konnte Cameron Bright nicht retten – der mittlere von drei Brüdern ist hier elend verdurstet, sein Auto steht kilometerweit entfernt. Der ältere Bruder Nathan, der wegen eines unverzeihlichen Vergehens von der sonst eisern zusammenhaltenden Kleinstadtgesellschaft seit Jahren isoliert ist, hat Zweifel. Warum war der sonst so umsichtige und stets freundliche Cameron alleine in der Wüste – ein sicheres Todesurteil. Schicht für Schicht entblättert Harper eine Familiengeschichte, die eng verknüpft ist mit den widrigen Lebensbedingungen im Outback. Man spürt die Hitze, den Staub, den Durst nach Glück. Weniger ein Thriller, eher die schmerzhafte Suche nach den Wurzeln des Bösen.

Ergreifende Geschichte

Die Autorin: Der Britin Naomi Wood gelang 2016 der internationale Durchbruch mit „Als Hemingway mich liebte“. Als Kind lebte sie zehn Jahre in Hongkong, gegenwärtig wohnt Wood in Norwich.

Naomi Wood: „Diese goldenen Jahre“. Atlantik, 352 Seiten, 22 Euro. Quelle: Handout

Das Buch: Wie schön konnte das Leben in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sein. Sechs junge Menschen treffen sich in Weimar in der 1919 gegründeten Kunstschule Bauhaus, werden unterrichtet von Ikonen wie Johannes Itten, verleben eine scheinbar unbeschwerte Zeit. Einer von ihnen ist Erzähler Paul Beckermann. Er deutet gleich zu Beginn an, dass diese Geschichte ein tragisches Ende nehmen wird – die Erwartungen der Leser und die Spannung bleiben so durchgehend hoch. Nach und nach braut sich das Unglück zusammen, und es wird deutlich, warum Paul die Katastrophe nicht verhinderte.

Zum 100. Geburtstag des Bauhauses eine ergreifende Geschichte, die neben dem Blick auf die Kunst eine Warnung für unsere offene und demokratische Gesellschaft heute gegen die Gefahren von rechts ist.

Schritt in den Abgrund

Der Autor: Ein Mann mit vielen Talenten – Jo Nesbø hat mit seiner Band Di Derre Karriere als Popstar gemacht, der Norweger hat aber auch als Makler, Finanzanalyst und Journalist gearbeitet. Seit 1996 hat er zwölf Romane über den alkoholkranken Kommissar Harry Hole geschrieben – und gilt als einer der weltbesten Krimiautoren.

Jo Nesbø: „Messer“, Ullstein, 576 Seiten, 24 Euro Quelle: Verlag

Das Buch: Er ist schon sehr oft sehr tief gefallen, doch nun scheint Harry Hole am Ende. Seine große Liebe Rakel hat ihn rausgeschmissen. Als degradierter, einfacher Ermittler löst er die Fälle zwischen seinen Alkoholabstürzen nur dank seines Instinkts. Dann wird Rakel ermordet – erstochen mit einem Messer, die Tatwaffe ist verschwunden. Am selben Morgen erwacht Harry nach einer Schlägerei mit blutgetränkten Kleidern und totalem Blackout auf. Was ihn am Leben hält: Die Jagd nach Rakels Mörder. Im Visier hat er seinen alten Feind, den Serienvergewaltiger Svein Finne. Doch die Lösung ist nicht so einfach, Spuren lassen Hole an der eigenen Erinnerung und an den Menschen in seinem innersten Zirkel zweifeln. Der zwölfte Band ist düster, psychologisch fundiert – und reißt den Leser mit in den Abgrund

Frust und Fake-Profil

Der Autor: Rudkoffsky wurde 1970 im niedersächsischen Nordenham geboren, lebt heute in Stuttgart. Sein Debüt „Dezemberfieber“ erschein 2015, „Fake“ ist erst ein paar Tage alt und schon für die Hotlist (Literaturpreis der unabhängigen Verlage) nominiert.

Frank Rudkoffsky: „Fake“. Voland & Quist, 240 Seiten, 20 Euro. Quelle: Verlag

Das Buch: Vor der Geburt ihres Sohnes Max hatte Sophia einen guten Job als Controllerin bei Daimler in Stuttgart, Jan arbeitet immer noch frei als Journalist bei einer lokalen Zeitung, kämpft um Aufträge. Das Schreikind, unkontrollierter Milcheinschuss und blutige Brustwarzen machen der Mittzwanzigerin zu schaffen. Sie taucht, genau wie ihr Mann Jan wegen Recherchen, als „Troll“ im Internet ab, lässt dort von einem ihrer Fake-Profile ihrem Frust und ihren Ängsten freien Lauf, beleidigt, provoziert. „Fake“ ist garstig, griffig, gründlich böse und durchweg grandios.

Verbotene Liebe

Die Autorin: Helga Bürster, Jahrgang 1961, wurde bei Bremen geboren. Sie arbeitete bei Rundfunk und TV, schreibt Hörspiele und Romane.

Helga Bürster: „Luzies Erbe“. Insel-Verlag, 288 Seiten, 22 Euro. Quelle: Verlag

Das Buch: Die fast hundertjährige Luzie Mazur wird von ihrer Tochter und ihrer Enkelin Johanne gepflegt. Als sie stirbt, versucht Johanne, mehr über ihre Großmutter zu erfahren und stößt auf den Namen Jurek – ein polnischer Fremdarbeiter, in den sich Luzie im Zweiten Weltkrieg verliebte. Bürster berührt ein tabuisiertes Thema: die verbotene Liebe zwischen Deutschen und Fremden in der Nazizeit.

Luzies Erbe“ ist eine Geschichte über Frauen aus drei Generationen, über zerbrochene Träume und die Macht der Vergangenheit. Der Autorin ist eine berührender, detailreicher und historisch spannender Roman gelungen.

Gefährliche Gefühle

Der Autor: Gomyde wurde 1971 in Sao Paulo geboren. Er ist Musiker, Kolumnist und Schriftsteller.

Maurício Gomyde: „Die schönste und die traurigste aller Nächte“. Rowohlt, 384 Seiten, 16 Euro Quelle: Gomyde

Das Buch: Victor hat ein Problem: Immer, wenn er sich sehr glücklich oder sehr traurig fühlt, erlebt er einen Zeitsprung. Und das bringt ihm viel Ärger ein. Doch wie kommt er aus diesen Kreislauf heraus? Angefangen hatte es mit Amanda, einem Mädchen, in das er als Schüler verliebt war. Es war die schönste und die traurigste Nacht seines Lebens. Denn nach dem Kuss und dem Zeitsprung war Amanda verschwunden, später kam die Nachricht, dass ihre Familie bei einem Anschlag gestorben ist. Schöner, typisch südamerikanischer Liebesroman mit guter zugrundeliegender Idee, aber in der Ausführung mit kleinen Längen und Unstimmigkeiten. Trotzdem gut lesbar und berührend geschrieben

Zehnte Runde

Die Autorin: Falk ist mit einem Polizisten verheiratet. Ihr Eberhofer Franz ist Kult – im Kino haben eine Million Fans „Leberkäsjunkie“ gesehen.

Rita Falk: „Guglhupfgeschwader“, dtv, 320 Seiten, 15,90 Euro. Quelle: Verlag

Das Buch: Der Eberhofer feiert Dienstjubiläum in Niederkaltenkirchen, die „Provinzkrimis“ gehen in die zehnte Runde – natürlich wieder mit Glossar von Dietzel (Schnuller) bis Zwiderwurzn (grantige Person) und Rezepten von der Oma. Der zehnte Fall: Der Lotto-Otto hat im Casino Geld verzockt, wird erpresst – und beim Brand in seiner Lotto-Bude stirbt seine Mama Nicole. Der Eberhofer versucht, mit 60.000 „geliehenen“ Euros zu helfen, ermittelt mit dem Birkenberger Rudi, streitet sich mit Susi, isst Leberkäs beim Simmerl und hört sich das Gejammere vom Flötzinger an. Kennt man seit neun Bänden, macht aber trotzdem Spaß

Düsteres Geheimnis

Die Autorin: Die Britin Gytha Lodge ist eine mehrfach ausgezeichnete Theaterautorin und erfolgreiche Kinderbuchautorin. „Bis ihr sie findet“ ist ihr Krimidebüt.

Gytha Lodge: „Bis ihr sie findet“. Hoffmann & Campe, 400 Seiten, 14,90 Euro. Quelle: Verlag

Das Buch: Sieben junge Menschen brechen im heißen Juli 1983 zu einer Campingnacht auf, in deren Verlauf die 14-jährige Aurora verschwindet. Erst 30 Jahre später wird ihre Leiche gefunden. Detective Chief Inspector Jonah Sheens rollt den Fall neu auf, taucht ein in die Vergangenheit, in der die sechs Freunde eine verschworene Clique waren – jung, schön, bewundert und beneidet vom Rest der Schule. Dass einer von ihnen der Mörder sein muss, steht fest. Lodge erzählt dieses „Wer war es“-Stück mit vielen Rückblicken geschickt und packend – und unterzieht vor allem den Ermittler einer interessanten und überraschenden Entwicklung.

Tödliches Spiel

Die Autorin: Ehe sie mit Jugendbüchern und mit Thrillern erfolgreich wurde, schrieb Poznanski – Jahrgang 1968 – für medizinische Zeitschriften. Rasch schraubte sich die Wienerin in den Bestsellerlisten nach oben, neben der Beatrice-Kaspary-Reihe auch mit den Romanen, die sie mit Arno Strobel verfasste. Dieses Buch ist die Fortsetzung von „Erebos 1“ aus 2011.

Ursula Poznanski: „Erebos 2“. Loewe, 512 Seiten, 19,95 Euro Quelle: Verlag

Das Buch: Zehn Jahre nachdem Nick Dunmore und seine Freunde Erebos besiegt hatten, leuchtet auf dem Smartphone des Fotografie-Studenten das Icon „E“ erneut auf. Seine Befürchtung bewahrheitet sich – die App, ein heimtückisches Computerspiel, will sich rächen. Gekonnt: Es übernimmt den Mailaccount, telefoniert mit eigener Stimme. Und auch Teenager Derek wird Gefangener des Spiels. Packender Thriller

Schwere Wahl

Der Autor: Pflüger war Möbelverkäufer, Koch und Taxifahrer, bis er glücklicherweise den Weg zum Schreiben fand. Von ihm stammen etliche Drehbücher, allein für den „Tatort“ schrieb er 27. Mit dem Drehbuchautor Murmel Clausen erfand Pflüger auch den Weimar-„Tatort“ mit Nora Tschirner und Christian Ulmen.

Andreas Pflüger: „Geblendet“. Suhrkamp, 508 Seiten, 22 Euro. Quelle: Verlag

Das Buch:„Geblendet“ ist der dritte Teil um die erblindete Elitepolizistin Jenny Aaron. Die hat sich nach ihrem letzten Einsatz, bei dem viele Kollegen ums Leben kamen, in eine Therapie begeben und hofft, ihre Sehfähigkeit zurückzuerlangen. Doch die Arbeit mit den Ärzten und Psychologen bringt sie an ihre Grenzen. Denn je häufiger ihr Augenlicht zurückkehrt, desto mehr verkümmern ihre anderen, überscharf ausgebildeten Sinne. Gleichzeitig wird sie von „der Abteilung“ angefordert: Sie soll dabei helfen, den Mann zu entlarven, der für den Tod ihrer Kollegen verantwortlich ist. Doch der gewagte Einsatz wäre das Aus für ihre medizinische Behandlung.

Jeder Satz eine Ladung Adrenalin – Andreas Pflüger ist einer der besten deutschen Thriller-Autoren. Tipp: Die Jenny-Aaron-Reihe unbedingt chronologisch lesen

Von NP

Er hat sein BWL-Studium als Jahrgangsbester abgeschlossen, Erfahrung als Kampfsportler, sein Album, das im Oktober erscheint, nennt er „Sommerhits“. Lukas Ost (26) hat viele Talente – und Selbstbewusstsein.

23.09.2019

Er ist promovierter Psychiater im Berufsleben, schreibt in seiner Freizeit Krimis: Thorsten Sueße (60) nutzt dabei auch reale Vorkommnisse als Vorlage. Die NP sprach mit ihm über Parallelen, Plots und verkleidete Polizisten.

22.09.2019

General Charles de Gaulle saß im Zweiten Weltkrieg in ihrem Cockpit. Jetzt ist die geschichtsträchtige Lockheed Electra, der silberne Oldtimer-Stern auf dem Flughafen Hannover.

22.09.2019