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Leben in Hannover Holly Becker: Dieser Design-Star lebt in Hannover
Menschen Leben in Hannover Holly Becker: Dieser Design-Star lebt in Hannover
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17:52 19.10.2019
Lächelnd in einem ihrer Lieblingscafés: Holly Becker mag das Ambiente im List:ich. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Dass sie heute da ist, wo sie ist, hat sie nicht nur ihrer Ausbildung zu verdanken – sie hat Innenarchitektur und Marketing studiert –, sondern auch in mehrfacher Hinsicht ihrem Mann. Der hat nämlich dafür gesorgt, dass Holly Becker (behält ihr Alter lieber für sich) einen Schreibworkshop der „New York Times“ nicht schwänzte. „Hast du ihn schon bezahlt?“, wollte Thorsten Becker von seiner (damals noch) Lebensgefährtin wissen. „Ich wollte lieber noch ein Glas Wein trinken“, erinnert sich Holly Becker an jenen Abend in einem Bostoner Restaurant. „Ich sagte ihm, dass ich den Workshop bereits bezahlt habe“, so Becker. Daraufhin sagte ihr heutiger Ehemann: „Dann gehst du auch hin.“

„Wenn Du nicht im Internet bist, existierst Du nicht“

Inhaltlich hat sie der Vortrag nicht unbedingt nach vorne gebracht, „eigentlich empfand ich es ein Stück weit als Zeitverschwendung“, so die Amerikanerin. Dennoch ließ sie ein Satz der Dozentin aufhorchen: „Wenn du nicht im Internet bist, dann existierst du nicht“, gab sie den Teilnehmern mit auf den Weg. Das war 2005. Es war die Zeit von Pagern und Blackberrys, Foren und E-Mails. „Blogs waren noch nicht so populär“, entsinnt sich Becker in ihrem gerade erst neu bezogenen Büro direkt über den Dächern des Lister Platzes. Und an dieser Stelle kommt nochmal ihr Gatte ins Spiel – der ist nämlich Hannoveraner, der Liebe wegen folgte ihm Becker aus den USA nach Niedersachsen.

Die Seiten des Hefts sind liebevoll gestaltet. Nächstes Jahr soll „Holly“ viermal erscheinen, ein Podcast ist in Arbeit.

Blog mit dem Wortspiel „Decor8“

Der Gedanke zur Existenz im Netz ließ Becker nicht mehr los, sie dachte die ganze Nacht darüber nach. „Am nächsten Morgen startete ich meinen Blog, weil ich nämlich sehr wohl existiere“, so Becker. Der kreative Kopf nannte ihn „Decor8“, ein Wortspiel aus dem englischen Wort „decor“ (sinngemäßig für Ausstattung, Dekorierung) und der Zahl eight („acht“). Sie lacht: „Viele Deutsche nennen den Blog decor acht, das ergibt allerdings keinen Sinn.“

Auf ihrer Seite ließ sie ihren Ideen freien Lauf, präsentierte ihre Ideen für stilvolles Leben und Wohnen in vielerlei Hinsicht. Parallel rief sie Magazine an, „die größten und besten für Interieur-Themen“, um ihre Know-how, ihre Kreativität anzubieten. Berührungsängste vor einflussreichen Verlagen hatte sie nicht: „Ich habe schon immer gerne oben angefangen“, sagt sie und zuckt lachend mit den Schultern, „ich habe an mich geglaubt, auch wenn ich reihenweise vor allem eins zu hören bekommen habe – nämlich ein ,Nein’“.

Holly Becker liebt ihren Stadtteil, die List, ist aber auch gerne in Linden und der Südstadt unterwegs.

Nach sechs Monaten ein erstes Erfolgserlebnis

Viele wussten zu der Zeit gar nicht, was das ist, so ein Blog. Andere wollten, dass Becker Erfahrungen vorweist, „also schrieb ich“. Nach etwa sechs Monaten ein erstes Erfolgserlebnis, sie kam mit einer Mitarbeiterin des Magazins „Domino“ ins Gespräch – damals eines der führenden US-„Home“-Magazine. „Sie liebte meine Texte“, erinnert sich die Mittvierzigerin, die jahrelang Projekte für Designer und Architekten verwirklicht hat. „Wir haben nichts für Print“, lautete die schlechte Nachricht. „Aber für online“ – so die gute. Becker begann für das Heft zu schreiben, später erhielt sie im „Boston Globe“ eine Kolumne, die alle zwei Wochen erschien.

Zeitgleich etablierte sich Beckers Blog – weltweit: „Ich fand bestimmt in 300, 400 Magazinen, 100 Zeitungen in Australien, China, Brasilien und Deutschland Erwähnung, das war unglaublich.“ Vor allem freute sie sich, dass ihre Ideen „nicht irgendwo in der Ecke, sondern seitenweise“ abgedruckt wurden. „Ich war Pionier der Bewegung, eine der ersten Designblogger überhaupt.“ Vielleicht gab es um die 20, „heute sind es tausende“.

Hunderttausende Fans in den Netzwerken

Mittlerweile hat Holly Becker hunderttausende Anhänger in den sozialen Medien. Bei Instagram sind es aktuell 117.000, bei Facebook sind es knapp 200.000, bei Twitter 74.000 Menschen, die ihr folgen und sich von ihren Beiträgen inspirieren lassen, sie gibt auch Online-Kurse. Für die Einrichtungskette „Depot“ hat sie einmal eine Kollektion (Kissen, Keramik, sogar ein Sofa) kreiert, außerdem vier Bücher geschrieben, die in 20 Sprachen übersetzt wurden. Nun ist gerade ihr Magazin „Holly“ erschienen, ihr ganzer Stolz! „Mein Herz schlägt nicht nur online, sondern auch für Print“, betont die Unternehmerin selbstbewusst. Sie hat guten Grund, selbstbewusst zu sein, bei dem, was sie geschafft hat. „Ich will Frauen bestärken, dass man einen Blog in ein Business verwandeln kann.“

„Man muss seinen persönlichen Stil finden“

Im aktuellen Heft (2020 erscheinen vier Ausgaben) sind eine Vorher-Nachher-Geschichte rund um eine Küchenumgestaltung zu sehen und zu lesen, diverse Rezepte, vier Homestorys und Reisegeschichten, Tipps, wie man sein Zuhause in eine gemütliche Oase verwandelt.

Laut der Designexpertin kann das übrigens jeder: „Man muss seinen persönlichen Stil finden, das, was einen glücklich macht.“ Das Augenmerk sollte man auf Farben, Formen und Textilien legen. „Und wenn man das herausgefunden hat, kann man sich einen sehr schönes Zuhause kreieren.“

Die Amerikanerin mit Hannover im Herzen betont, dass es Mut braucht, um zu zeigen, wer man ist. Die Belohnung ist naheliegend: „Je mehr du dein Zuhause liebst, desto eher lädst du Leute zu dir ein. Und genau das gibt schöne Emotionen und Erinnerungen.“

Von Mirjana Cvjetkovic

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