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Leben in Hannover Peter Wohlleben: Darum tut Waldbaden so gut
Menschen Leben in Hannover Peter Wohlleben: Darum tut Waldbaden so gut
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18:15 18.09.2019
Er versteht den Wald: Förster Peter Wohlleben. Quelle: dpa
Hannover

„Shinrin Yoku“ – so nennen die Japaner „Baden in der Waldluft“. Ruhe, Ausgeglichenheit, neue Kraft kann man dabei schöpfen, Studien haben bewiesen, dass der Aufenthalt im Wald Stress, Blutdruck und Puls sinken lässt. In Japan gibt es 34 offizielle „Heilwälder“, außerdem „Waldmedizin“ als Studiengang.

Die NP sprach mit Peter Wohlleben über das Thema. Der berühmteste Förster Deutschlands hat eine neues Buch geschrieben: „Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“.

Herr Wohlleben, wann waren Sie zum letzten Mal waldbaden?

Die Frage ist doch, was bedeutet das überhaupt? Eigentlich heißt das doch nur: Geh raus, und den Rest macht die Natur! So gesehen war ich heute schon waldbaden, denn unser Forsthaus steht im Wald, und wenn ich vor die Tür gehe, bin ich dort. Aber streng genommen bedeutet Waldbaden natürlich: Man geht in den Wald und macht einfach mal nichts. Und das ist bei mir schon eine Weile her.

Klingt Waldbaden nicht etwas zu esoterisch?

Am Anfang habe ich das auch belächelt und gedacht: Benötigen wir jetzt auch noch eine Anleitung, um in den Wald zu gehen? Das bekommen wir ja wohl wirklich auch noch so hin. Aber dann ist mir klar geworden: Nein, offensichtlich geht das nicht so.

Waldbaden kann Meditation sein“

Warum denn nicht?

Wenn wir in den Wald gehen, um zu wandern, dann geschieht das zumeist nach dem Muster: Wir sind um neun Uhr am Parkplatz, um 13 Uhr im Restaurant zum Mittag und um 17 Uhr wieder zurück am Parkplatz. Alles schön durchgeplant, so wie der Arbeitsalltag auch. Und hinterher lautet die typische Frage von Freunden: „Wie viele Kilometer seid ihr denn gelaufen?“ Und nicht etwa: „War es schön?“ oder „Wie hat es denn gerochen?“ Aus diesen Gründen wurde mir klar: Waldbaden ist gut. Es bedeutet letztlich ja nichts anderes, als sich unter Anleitung unter Bäume zu legen. Das kann dann Meditation, das kann alles Mögliche sein.

„Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“ von Peter Wohlleben. Quelle: Verlag

Aber ich kann mich doch auch in den Garten oder auf eine Wiese legen. Warum soll ich unbedingt in den Wald gehen?

Da kommt die Wissenschaft ins Spiel: So ist beispielsweise die Kommunikation der Bäume mittlerweile gut erforscht, das hat in Japan und Südkorea begonnen. Diese Baumkommunikation läuft über viele chemische Prozesse, die wir dann einatmen – was unseren Blutdruck senkt. Diese Erkenntnis hat die Wissenschaft mittlerweile so gut abgesichert, dass die Ludwig-Maximilians-Universität München dahingehend Therapeuten ausbildet. Außerdem spielt die Farbe Grün eine große Rolle. Die wirkt beruhigend auf uns.

Ihr neues Buch heißt „Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“. Wie sieht es denn aus, dieses mysteriöse Band?

Die Verbindung sind unsere Sinne, unser Körper. Die Natur sendet Tausende von Signalen aus. Häufig wird kolportiert, dass Stadtmenschen das alles nicht mehr empfangen können. Das ist natürlich völliger Quatsch. Wir sind im Hinblick auf unsere Sinne voll funktionsfähig, wir können das jederzeit wieder aktivieren. Und das erscheint mir auch wichtig, denn nur über den Verstand werden wir die Umwelt nicht retten.

Emotionen retten die Natur

Wie retten wir die Natur?

Das geht nur über Emotionen, über Empathie: Wenn Ihnen die Natur wegen ihres schlechten Zustands leidtut, einfach weil Sie sie so toll finden, dann schützen Sie sie automatisch. Wenn Ihnen aber einer sagt: Der Sprit wird teurer, flieg nicht mehr nach Spanien, mach dies nicht, mach das nicht, dann sagen viele: Es stört mich, dass hier alles verboten wird, dann wähle ich demnächst eine andere Partei. Ich würde gern ein Gefühl erzeugen, wie wir es schon in den 80ern hatten. Da waren wir alle dafür, die Waljagd zu verbieten. Aus einem Grund.

Mit Gefühl: Die Rinde eines Baumes zu berühren entspannt die Seele. Quelle: Frank Wilde

Und der wäre?

Weil die Tiere einem leidgetan haben. Keiner von uns arbeitete als Meeresbiologe und hatte alle Studien gelesen. Trotzdem sprachen sich alle Menschen für ein Verbot aus. Wenn wir aus uns heraus sagen, das gehört zu uns, Wald, Natur, das ist unsere Lebensgrundlage, könnten wir viel verändern. Das gelingt nicht durch Vernunft, sondern über Empathie.

Wir lesen in diesen Tagen ja wieder häufig, dass der Wald stirbt. Ist dem so?

Nein, da stirbt kein Wald, da sterben Plantagen. Deutschland ist ganz überwiegend Plantagenland, und das schon seit rund 300 Jahren – seit wir geregelte Forstwirtschaft haben.

Warum ist das kein Wald? Da stehen doch Bäume.

Nadelbäume. Aber die meisten Nadelbäume sind bei uns gar nicht heimisch, die kommen aus den Hochlagen der Gebirge oder aus Skandinavien. Die sind hier so heimisch wie Kokospalmen. Wenn Kokospalmen hier im Winter erfrieren, könnte man auch sagen: An dem großen Sterben der Kokoswälder ist der Klimawandel schuld, und wir brauchen jetzt zwei, drei Milliarden Euro, um wieder aufzuforsten. Das klingt absurd, aber das Gleiche haben wir heute mit Kiefer, Fichte, Douglasie, Lärche. Die sterben auf großer Fläche.

Bestsellerautor: Peter Wohlleben trifft mit seinen Büchern den Nerv. Quelle: dpa

Und Sie meinen, das liegt nicht am Klimawandel?

Natürlich sterben die auch wegen des Klimawandels, der verschärft diese Problematik. Aber Probleme waren immer schon da. Bei der Fichte sind über Jahrzehnte gerechnet 57 Prozent aller Bäume durch Stürme und den Borkenkäfer gestorben. Das heißt, wir haben immer schon Katastrophen bei diesen Baumarten. Das sind wie gesagt unsere Kokospalmen, nur dass sie im Winter nicht erfrieren, sondern im Sommer vertrocknen. Trotzdem hält man jetzt die Hand auf.

Was soll denn nach dem Willen der Waldbesitzer mit den geforderten Milliarden Euro passieren?

Es sollen wieder Plantagen gebaut werden. Das ist der aktuelle Plan. Und da sage ich: „Nein Freunde, das ist doch nicht euer Ernst.“ Aus diesem Grund haben vor Kurzem 70 Wissenschaftler, Experten, Verbandsfunktionäre einen Brief an Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner geschrieben mit der Forderung, dass sie jetzt endlich mit dieser Plantagenwirtschaft aufhört.

Wohlleben wünscht sich Laub-Urwälder zurück

Wie sähe für Sie denn der ideale Wald aus?

Von Natur aus hatten wir in Deutschland Laub-Urwälder. Die Buche wäre führend in einem solchen Urwald, aber es gäbe noch 30 Baumarten, die auch vorkommen. Wir können auf eine interessante Untersuchung der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde und des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung zurückgreifen: Die Forscher haben 15 Jahre lang die Oberflächentemperatur im Sommer gemessen und festgestellt, dass alte Laubwälder im Vergleich zur offenen Landschaft durchschnittlich zehn Grad herunterkühlen, im Vergleich zu Städten sogar um 15 Grad. Haben Sie in Berlin 40 Grad, dann ist es daneben im alten Buchenwald nur 25 Grad warm. Und zwar im Schnitt der vergangenen 15 Jahre.

Sie sind ein erfolgreicher Buchautor und gefragter Redner. Warum hören Sie nicht einfach auf, als Förster zu arbeiten?

Irgendwann werde ich sicherlich auf die Bremse treten und aus der ersten Reihe zurücktreten. Die Waldakademie zum Beispiel, in der wir Waldbesitzer beraten, leitet mittlerweile mein Sohn. Aber dass ich mich mit dem Wald beschäftige, das wird nie aufhören.

Hier kann man in Hannover Waldbaden lernen

Ruhewerk:
Ines Wegener ist Biologin, hat außerdem Zertifikate als Naturcoach, Meditationslehrerin und „Glückstrainerin“. Für 89 Euro kann man bei ihr auch einen Onlinekurs mit vier Lektionen buchen. In der Eilenriede bietet sie einmal im Monat (nächster Termin am 20. Oktober) zweistündige Kurse für maximal zehn Teilnehmer zum Reinschnuppern in das Thema. Kosten: 20 Euro. Am 22. September hat sie noch zwei Plätze frei für „Waldbaden XL“ von neun bis 17 Uhr im Hahnhorster Wald. „Die klassische Büroarbeitszeit, die man aber im Wald verbringt – das ist wie Urlaub“, erklärt sie. Wegener gibt Kurse auch im Winter, bei jedem Wetter. „Dann sind Luft und Geräusche anders. Wichtig sind nur wasserdichte Kleidung und Zwiebellook.“

Mit Hängematte: Ines Wegener beim Waldbadenim Hinüberschen Garten. Quelle: Frank Wilde

Raum der Mitte:Leona Litterst ist Biologin und spezialisiert auf Entspannungskurse. Bei ihr steht beim Waldbaden die Achtsamkeitspraxis im Vordergrund. „Man soll die Natur als Quelle für Kraft und Energie wahrnehmen.“ Litterst bietet „maßgeschneiderte Konzepte“ für Einzelpersonen oder Gruppen an.

Patrick Kempf: Der systemische Coach und Mediator weiß um die medizinischen Effekte des Waldbadens, nutzt die Begegnung mit der Natur aber auch für Teambuilding oder Stressbewältigung. „Geht man nach draußen, steigt die Kreativität, man kann Dinge besser visualisieren.“ Die Teilnehmer können sich lösen, neue Fragen zulassen, ins Gespräch kommen. Viermal im Jahr bietet er klassisches Waldbaden in der Eilenriede in Kooperation mit dem Freizeitheim Lister Turm an.

Von Kristian Teetz und Andrea Tratner

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