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Leben in Hannover Hier läuft Verfassungsschützer Bernhard Witthaut
Menschen Leben in Hannover Hier läuft Verfassungsschützer Bernhard Witthaut
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20:00 02.12.2019
Es geht aufwärts: Bernhard Witthaut ist Präsident des Niedersächsischen Verfassungsschutzes. Quelle: Florian Petrow
Hannover

Nun bin ich zusammen mit meiner Frau um 5.45 Uhr aufgestanden, um besonders früh im Büro zu sein, und habe im Morgengrauen dieses Herbsttages zu den Laufklamotten gegriffen. Bei acht Grad habe ich mich für lange Hose und langärmliger Pulli entschieden. Falsche Wahl. Bernhard Witthaut hatte geahnt, dass um 13 Uhr die Sonne scheinen würde und erscheint in kurzer Hose und mit dünnem Shirt im Eingangsbereich seiner 330 Mitarbeiter starken Landesbehörde in Vahrenwald.

Runter gehts an den nur 100 Meter entfernten Mittellandkanal, gespannt frage ich meinen Lauf-Promi: „In welche Richtung ist es schöner?“ „Keine Ahnung“, antwortet Witthaut lachend, „ich bin hier noch nie gelaufen.“ Dabei rennt der 64-Jährige mindestens zweimal wöchentlich zwischen zehn und 20 Kilometer und hat schon neun Marathons in den Knochen. Des Rätsels Lösung: Witthaut pendelt von seinem 141 Kilometer entfernten Heimatort Georgsmarienhütte jeden Tag nach Hannover (pro Strecke mit dem Zug 75 Minuten) und läuft nur in der Heimat. „Da kenne ich mittlerweile jeden Stein persönlich.“

Schöner Herbsttag: Bernhard Witthaut (links) und Christoph Dannowski laufen am Mittellandkanal. Quelle: Florian Petrow

Also gehts los Richtung Podbi, der 1,80 Meter-Mann mit fast idealen 86 Kilo Gewicht erzählt von seiner kuriosen Jugend. Sein Papa war Richtmeister (leitender Monteur im Stahlbau) und von seiner Firma vier Jahre lang beim Bau eines Kraftwerkes in Indien eingesetzt. „Dort bin ich eingeschult worden, mit Kindern aus aller Herren Länder“, erinnert sich Witthaut, „ich bin so weltoffen aufgewachsen, wie es nur geht. Das prägt mein Menschenbild bis heute. Mir ist völlig egal, ob einer weiße, schwarze, braune oder gelbe Hautfarbe hat, wichtig ist einzig Einstellung und Charakter.“

Witthaut läuft 11,1 Sekunden auf 100 Meter

Zurück in Europa ging es in die Niederlande, wo Witthaut sein Abitur machte und den Sport für sich entdeckte. „Wir hatten einen Lehrer, der mein Talent für den Sprint erkannte und so war ich schnell in der Auswahlmannschaft des Bezirks“, so der dreifache Opa. „Und meine Bestzeit auf 100 Meter war wohl auch gar nicht so schlecht: handgestoppte 11,1 Sekunden.“ Eigentlich wollte Witthaut nach dem Abi Zahnmedizin studieren, „ich hatte sogar schon einen Studienplatz in München, auf den ich aber hätte warten müssen“.

Schöner Blick: Witthauts Hannover-Strecke führt über den Mittellandkanal. Quelle: Florian Petrow

So ging er lieber zur Polizei, als erster Azubi-Jahrgang mit Abitur, „schon nach wenigen Jahren war ich Kommissar“. Weil „ich Menschen gerne zuhöre und gerne helfe“, war Witthaut auch als Gewerkschaftler gefragt und stieg bis zum Vorsitzenden der Polizei-Gewerkschaft GdP mit 180.000 Mitgliedern und Sitz in Berlin auf. „Ich wurde auch Vize-Chef der europäischen Gewerkschaft und durfte fast alle Länder Europas bereisen“, so der gebürtige Teuteburger.

Beim ersten Marathon schwinden seine Kräfte

Als der Stress mit jedem Aufstieg zunahm, entdeckte der Ex-Sprinter Witthaut die Langstrecke für sich. In den 90ern lief er seinen ersten Marathon und war in Hannover bis Kilometer 35 auf Kurs einer Endzeit unter drei Stunden. Doch „unbedarft wie ich war, hatte ich bis dahin keinen einzigen Schluck getrunken und von jetzt auf gleich schwanden alle Kräfte“, so der frühere Polizeipräsident von Osnabrück. „Ich musste viel gehen und schleppte mich nach 3:47 Stunden ins Ziel.“ Der erste von neun Marathons, und „einen will ich noch mal angehen, auch in meinem Alter. Egal, wie lange es dauert.“

Diese Runde sind Bernhard Witthaut und Christoph Dannowski gelaufen. Quelle: Lill

Wir passieren auf dem Rückweg die sechste Kanalbrücke, als Witthaut mir von seiner neuen „spannenden Aufgabe“ erzählt. Seine Abteilung ist im Innenministerium für Information, Aufklärung und Prävention in den extremistischen Phänomenbereichen (Rechts- und Linksextremismus sowie Islamismus), für Wirtschaftsschutz und Spionageabwehr zuständig. Witthaut lernt „jeden Tag dazu, weil die extremistische Szene sich ständig verändert“. Und viel über die sozialen Medien und das Internet passiert. „Aber auch in dieser Hinsicht haben wir inzwischen einige Experten“, weiß Witthaut.

Dehnen: Bernhard Witthaut (rechts) und Christoph Dannowski nutzen das Geländer am Kanal. Quelle: Florian Petrow

Der graue fünfgeschossige Verfassungsschutz-Bau am Ende der Büttnerstraße kommt nach 7,1 Kilometern wieder in Sicht, ein Containerschiff zieht vorbei und Witthaut ein positives Fazit der Runde. „Dank der NP kenne ich jetzt auch diese schöne Ecke von Hannover“, sagt er. Und: „Hier bin ich nicht das letzte Mal gelaufen.“

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Bernhard Witthaut: „Laufen kann man fast überall“

Was hören Sie gerne beim Laufen?

Ich freue mich auf die Geräusche meiner Umgebung.

Alleine oder in der Gruppe?

In der Regel alleine.

Mit wem würden Sie gerne mal unterwegs sein?

Eliud Kipchoge aus Kenia. Das ist der Weltrekordhalter und der erste, der den Marathon unter zwei Stunden gelaufen ist. Er müsste allerdings mein Tempo laufen – nicht ich seines.

Wo kaufen Sie Ihr Equipment am liebsten?

Die Laufschuhe in einem Laufshop mit fachlich guter Beratung. Klamotten immer dort, wo ich gerade bin.

Wo laufen Sie nie mehr?

Laufen kann man ja Gott sei dank fast überall.

Gras, Sand, Asphalt, Tartanbahn oder Waldboden, welcher Untergrund gefällt Ihren Füßen am besten?

Ich laufe am liebsten auf Asphalt. Fragen Sie mich aber nicht, warum. Ich weiß es auch nicht genau.

Wie belohnen Sie sich für eine anstrengende Einheit?

Eine anstrengende Einheit überhaupt geschafft zu haben, ist für mich der größte Lohn.

Nach 7,1 Kilometern: Bernhard Witthaut beendet seine Runde. Quelle: Florian Petrow

Bei welchem Wetter bleiben Sie garantiert zu Hause?

Bei Blitz, Donner, Sturm und Eis bekommt mich keiner in Laufschuhen vor die Tür. Das brauche ich nun wirklich nicht.

Schwächeln Sie im Winter?

Der NP kann ich es ja verraten: derzeit eher ja.

Kann ein Laufband die Natur ersetzen?

Niemals, obwohl du dich auf einem Laufband gut quälen kannst. Aber die Natur zu ersetzen, ist ohnehin unmöglich.

Laufen nach durchzechter Nacht – geht das?

Das ist für mich eine Definitionsfrage: Was genau ist eine durchzechte Nacht?

Was essen Sie vorher gerne?

Ein normales Frühstück.

Was haben Sie immer dabei?

Außer den Sachen, die ich trage, nichts.

Haben Sie ein laufendes Vorbild?

Wenn dann Eliud Kipchoge. Wie man so schnell einen Marathon laufen kann, wird mir auf immer und ewig ein Rätsel sein und bleiben.

Schnellstarter oder Zielsprinter – welcher Lauftyp sind Sie?

Wie heißt es doch so schön: Am Ende wird die Ente fett. Oder eben schnell.

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Von Christoph Dannowski

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