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Leben in Hannover Das ist das Geheimnis von Kult-Postler „Thielke“
Menschen Leben in Hannover Das ist das Geheimnis von Kult-Postler „Thielke“
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08:00 03.12.2019
Durchschnittsmensch: Komiker Helmut Hoffmann erfand die Figur Hans-Hermann Thielke vor 26 Jahren. Quelle: GOP
Hannover

26 Jahre ist es her, dass Helmut Hoffmanns (63) Karriere auf der GOP-Bühne in Hannover startete. „Es ist toll, wieder hier zu sein“, sagt der Lübecker, der bis 12. Januar die Show „Thielke“ spielt, während sein Blick durch den Zuschauerraum und zu dem imposanten Kronleuchter an der Decke wandert.

Schon als Kind wollte Hoffmann Schauspieler werden. „Meine Eltern fanden das nicht so toll, deshalb habe ich aufgehört, davon zu sprechen“, erinnert er sich. Nach seinem Schulabschluss macht er eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau, schiebt den Meistertitel hinterher und macht sich selbstständig.

Mit 36 startet Hoffmann an Hannovers Clownsschule

„Zum Theater bin ich erst mit 30 Jahren gekommen“, erzählt er. Spontan springt er damals beim Amateurtheater in Hamburg für einen anderen Darsteller ein. „1992 las ich von der neu eröffneten Clownsschule TuT in Hannover“, sagt Hoffmann lächelnd, „und es war sofort klar, dass ich mich bewerbe.“ Seinen Gärtner-Job gibt der damals 36-Jährige für seinen Traum auf.

Die Figur des Postbeamten Hans-Hermann Thielke ist Hoffmanns „Abschlussarbeit“ – und die Investition in seine Bühnen-Zukunft. Der Vorname leitet sich von Hoffmanns Initialen ab. Als Nachnamen wählt er bewusst einen Allerweltsnamen. „Alle Absolventen sollten eine Szene entwickeln und auf der Bühne präsentieren.“ Die Bühne ist damals die des GOP Hannover. Und Hoffmanns Durchschnittsmensch Thielke trifft den Nerv der Zeit – „1993 ging die große Comedy-Welle los.“

Kaum zu erkennen: Helmut Hoffmann ohne Bühnenoutfit. Quelle: Nancy Heusel

Und auch Hoffmanns Karriere. „Im GOP war man so begeistert von mir, dass ich gleich engagiert wurde“, erinnert sich der Künstler. Fernseh-Auftritte bei „RTL Samstag Nacht“, „Wetten, dass …?“ und im „Quatsch Comedy Club“ folgen. „Viele arbeiten sich von kleinen Läden auf die großen Bühnen hoch“, bilanziert Hoffmann. „Bei mir war es genau umgekehrt.“

Der schrullige Herr Thielke mit seinem altmodischen Pullunder „war einfach in meinem Kopf“, hat sich aber im Laufe der Jahre weiterentwickelt. „Er ist, zumindest im Rahmen seiner Möglichkeiten, offener geworden und geht mehr auf Menschen zu“, so Hoffmann. Damit überfordert sich Thielke im Grunde selbst. „Eigentlich bekommt der Typ ja nichts gebacken, ist sehr theoretisch, aber auch selbstbewusst“, zählt der Komiker auf. Den besonderen Charme seines Erfolgscharakters erklärt er so: „Die Leute sehen gern jemanden scheitern, aber ohne dass derjenige daran zerbricht.“

Thielkes Scheitern tut nicht weh“

In seiner ersten Nummer studiert Herr Thielke, damals noch im Dienst der Deutschen Post, ein Lied mit dem Publikum ein. „Hoch auf dem gelben Wagen“, wie könnte es anders sein. Unnötig zu erwähnen, dass dabei eine Menge schief geht. „Ein Zuschauer hat mir später erzählt, dass er über diesen Auftritt so gelacht hat, dass er seine Angst vor einer wichtigen Prüfung komplett abgelegt hat“, berichtet Hoffmann. Der Grund: „Thielkes Scheitern tut eben nicht weh.“

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Nach 26 Jahren ist er mit der Bühnenfigur so vertraut, dass er auch improvisieren kann. „Zu Thielke werde ich innerhalb von zehn Sekunden“, sagt er lachend. Lampenfieber hat er trotzdem noch. „Das bringt mich auf Betriebstemperatur.“ Was ihn auf der Bühne erwartet, ist trotzdem immer eine Überraschung. „Es kommt auch mal vor, dass das Publikum nicht lacht“, sagt er und zieht hilflos die Schultern hoch. „Das ist natürlich grausam, aber da muss man dann durch.“ Wie bei dem Engagement vor neun Jahren in einer hessischen Kreisstadt. „Neun Tage lang hat im Grunde niemand gelacht, weil das Publikum die Figur Thielke einfach nicht verstanden hat“, resümiert Hoffmann.

Helmut Hoffmann

*8. Februar 1956 in Betzendorf (Lüneburg). Von 1966 bis 1972 besucht er das Johanneum Lüneburg. In Garten- und Landschaftsbau hat er einen Meistertite. An der Berufsfachschule für Clown, Komik und Theater (TuT) in Hannover erhält er seine schauspielerische Ausbildung. Außerdem lernt er hier seine Ehefrau Ria kennen. Das Paar hat einen gemeinsamen Sohn (Anton, 20 Jahre) und lebt in Lübeck.

Richtig viele Fans hat Hoffmann unter der Berufsgruppe, deren Klischees Thielke bedient. „Meine Postler haben echt Humor und sind die größten Fans“, freut er sich. Zahlreiche Auftritte bei Galas der Deutschen Post haben es ihm bewiesen.

Alterslos: Schon 1997 trat Helmut Hoffmann als Thielke im GOP auf. Quelle: NP

Ob ein Programm Erfolg hat, hängt auch vom Regisseur ab, findet Hoffmann. „Mein erstes Soloprogramm war völlig daneben“, gibt er zu. Trotzdem spielt er es drei Jahre lang. „Es war meine größte Niederlage“, sagt er heute. „Es war bitter, aber ich wollte einfach nicht einsehen, dass es nicht funktioniert.“ Regisseur Detlef Winterberg, der auch schon zahlreiche GOP-Shows auf die Bühne gebracht hat, läutet die Wende ein. „Er redet Klartext und bringt auch schräge Sachen mit ein“, so Hoffmann.

Einen anderen Beruf kann er sich nicht mehr vorstellen. Eine andere Rolle schon. „Die Bühne ist so ein lebendiger Ort, an dem ich vollkommen bei mir bin“, sagt er und strahlt dabei über das ganze Gesicht. In der Zukunft würde er aber gern noch einmal beweisen, dass er auch andere Rollen spielen kann. Hoffmann sinniert: „Ein Engagement beim Theater, das wär’s. Das würde mich schon sehr reizen.“

So ist die GOP-Show „Thielke“

Deutsche Beamte sehen sich mit vielen Klischees konfrontiert – Hans-Hermann Thielke, Postbeamter im Ruhestand, bedient sie alle. Als Gastgeber der aktuellen GOP-Show „Thielke“ führt er akkurat gescheitelt, in Pullunder und Bügelfaltenhose durch das Programm.

Mühelos bietet er Orientierung in allen Lebenslagen, philosophiert über Glück, sein Single-Dasein und Gleisbauarbeiten der Deutschen Bahn. Einmalig, wie er diffizile Zusammenhänge erklärt, wie etwa die zwischen seiner Arbeit als Postbeamter und der Kontorsionsdarbietung seiner Show-Kollegin Katrina Asfardi.

Das Programm ist kurzweilig und höchst unterhaltsam: Ava, die Dame mit französischem Akzent, hat einen besonderen Appetit auf Rasierklingen. Das Trio Beautiful (Foto) zeigt eine ausgefeilte Choreographie und gewagte Hebefiguren. Wo die grazilen Frauen die Kraft dafür hernehmen, bleibt ein Rätsel. Kelly Huesca tanzt mit Jonglierbällen und verzaubert das Publikum mit Sandmalerei. Wie sie kleine Geschichten erschafft, die im nächsten Moment schon wieder verschwunden sind, ist poetisch und tief berührend.

Bis 12. Januar im GOP (Georgstraße 36). Karten gibt es ab 24 Euro.

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Von Janina Fesser

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