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Leben in Hannover Silent Rocco ist der stille Star im GOP
Menschen Leben in Hannover Silent Rocco ist der stille Star im GOP
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21:05 13.09.2019
Silent Rocco lässt Hände und Gesicht sprechen. Sein einziges Tattoo sind die Theatergesichter auf seinen Fingern. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Er fällt auf: In einem Bühnenprogramm, in dem es sonst ganz viel um körperliche Superleistung geht, um Spaß, Spannung und den großen Überraschungsknall, trittSilent Rocco (37) ganz leise auf. Der schwarzgekleidete Artist erzählt allein mit Mimik und Gestik Geschichten – vom Abtauchen und Auftauchen, von Fischen und Quallen, von Mondlandungen und mehr. Ganz ohne Worte. Und das GOP-Publikum folgt so gebannt der stillen Show, dass es manchmal sogar fast vergisst, im Anschluss Beifall zu klatschen.

Seit seiner Kindheit ist die Pantomime Silent Roccos künstlerische Ausdrucksform: „Mein zehn Jahre älterer Bruder war Breakdancer. Er hat mich schon als kleines Kind zu seinen Auftritten in die Diskotheken mitgenommen und ich durfte dort einen Roboter mimen“, erzählt der Artist: „So habe ich mit sechs Jahren mein erstes Fünf-Mark-Stück als Gage bekommen!“

Erste Gage mit sechs Jahren: fünf Mark

So leise der Pantomime auf der Bühne ist, so munter ist er hinter der Bühne: „Ich bin der, der im Backstage-Bereich am meisten redet“, sagt er lachend. Und seine Sprache ist kreativ. Immer wieder erfindet er in seinen Sätzen spontan Wortneuschöpfungen. „Ich hatte von Anfang an eine 200-Prozent-Vision von meiner Karriere“, sagt er zum Beispiel.

Die Familie stand hinter ihm – obwohl die Eltern keinen künstlerischen Background hatten. „Ich komme aus kleinen Verhältnissen, meine Mutter war Maschinendreherin, mein Vater Schmied. Wir hatten nicht viel Geld.“ Trotzdem waren seine Eltern für seinen ungewöhnlichen Berufswunsch offen: „Bis heute ist meine Mutter mein größter Fan.“ In schwierigen Phasen stand sie ihm bei – „und half mir mit einem Leiheuro aus.“

So ist er: Silent Rocco verstellt sich auch auf der Bühne nicht. Quelle: Nancy Heusel

Als Autodidakt wurde Silent Rocco groß. Einmal versuchte er, seinen Beruf auf professionelle Beine zu stellen, und schrieb sich an der angesehenen Berliner Schule „Die Etage“ für das Fach Pantomime ein. „Ich habe noch vor der Zwischenprüfung hingeschmissen. In der darstellenden Welt ist es nicht wichtig, ein Zertifikat zu haben. Viel wichtiger ist es, seine ganz eigene Sprache zu finden.“ Was er darunter versteht, zeigt er auf seinem Youtube-Kanal.

Was Silent Rocco von anderen Pantomime-Künstlern unterscheidet: Er tritt sehr reduziert auf, verzichtet auf das klassisch weiß getünchte Gesicht und die weißen Handschuhe, seine Show basiert nicht auf Comedy-Elementen und er ahmt auch nicht andere Persönlichkeiten nach: „Ich möchte nicht, dass meine Pantomime zum clownesken Abziehbild der Kunst wird“, sagt er. „Auf der Bühne stehe zu hundert Prozent nur ich. Die Zuschauer sollen mich als einen von ihnen identifizieren, so kann ich sie auch leichter in meine Welt mitnehmen.“

Silent Rocco setzt seinen ganzen Körper ein

Wenn er seine Geschichten erzählt, dann baut er zwar Klassiker wie das Seil und die imaginäre Wand mit ein, aber er nutzt sie anders als viele seiner Kollegen. „Ich erzähle damit eine Geschichte, die berührt.“ Dabei setzt er seinen ganzen Körper ein: „Ich versuche mit Pantomime die ganze Grammatik an Körperbewegungen zu verbinden.“ Das Ergebnis: „Körperliche Präzision, gepaart mit Charisma und Sensibilität“, so der 37-Jährige.

Die kommt auch im TV an: Im Frühjahr wurde er zur italienischen „Supertalent“-Version eingeladen. „Die hatten gedacht, wer Rocco heißt, müsse ein Italiener sein“, erzählt der gebürtige Dresdner, bei dem Rocco Menzel im Personalausweis steht. „Als ich sie über diesen Irrtum aufklärte, wollten sie mich trotzdem haben.“ Bis ins Finale ist er gekommen. Dieses Jahr hat er beim deutschen „Supertalent“ versucht, Jury-Chef Dieter Bohlen (65) zu begeistern – die Sendung wird im Winter ausgestrahlt.

Trotz dieser Erfolgserlebnisse ist jeder Auftritt für Silent Rocco eine eigene Herausforderung: „Ich bin bei jeder Show am Zittern, ob das Publikum wirklich Lust auf mich hat.“

Die Show

„Keine halben Sachen“ heißt die neue Show im GOP (Georgstraße 36), die noch bis 3. November gezeigt wird. Regisseur Knut Gminder (53) hat sie ganz klassisch aufgebaut, Moderator Marcel Kösling (33) führt charmant, mit Witz und teilweise sogar Gesang durch das Programm.

Das Duo Twinspin (Foto) aus Berlin gewann mit Diabolo-Kunst vor zwei Jahren die Weltmeisterschaft, aber auch ihre Jonglage mit Bouncing Bällen, bei der sie geschickt alle möglichen Flächen im Varieté nutzen, ist beeindruckend. Nichts für schwache Nerven ist der Auftritt von Wirbelwind Rollschuhakrobatin Maryna Sakhokiia und ihrem Mann Chris. Sheyewn Caroli aus Italien treibt die Kunst der Schlangenmenschen auf die Spitze, indem sie mit den Füßen über den durchgebogenen Rücken mit Pfeil und Bogen schießt. Kateryna Kornievader und Ievgen Tykhonkov beeindrucken mit starker Artistik, Jessica Savalla mit Hula-Hoop-Reifen.

Tickets ab 24 Euro, NP-Leser mit Abo-Plus-Pass bekommen Rabatt. Alle Infos finden Sie hier.

Rasant: Das Duo Twinspin jongliert in der GOP-Show „Keine halben Sachen“. Quelle: Hashemi/GOP

Von Maike Jacobs

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