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Leben in Hannover Ein neuer Fall für Kommissar Schütte
Menschen Leben in Hannover Ein neuer Fall für Kommissar Schütte
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22:49 02.09.2018
Carsten Schütte Quelle: Dröse
Hannover

Einen Hang zu Krimis hat Carsten Schütte (57) nicht wirklich. Woher dann das Talent hat, einen zu schreiben? „Keine Ahnung“, so der Kriminalhauptkommissar lachend. „Zu meiner Lektüre gehören eher Akten und Ermittlungsberichte.“ Und davon türmten sich auf seinem Schreibtisch leider Gottes schon so einige: Schütte ist Leiter der Operativen Fallanalyse im Landeskriminalamt Niedersachsen, die Fälle, mit denen er sich dort beschäftigt, sind alles andere als ausgedacht. Der siebenfach-Mord von Sittensen (2007), Ende 2010 die Morde an zwei Jugendlichen aus Bodenfelde, das Sexualverbrechen an einer Achtjährigen aus Cuxhaven – das ist nur ein Bruchteil der Delikte, mit denen er seit 2002 in der OFA zu tun hat, seit zwei Jahren leitet er den Laden sogar.

Viele lokale Hotspots

Mit „Im Fokus“ (CW Niemeyer Buchverlage, 384 Seiten, 13 Euro) hat er nun aber einen Roman geschrieben, in dem es ähnlich böse, brutal und bestialisch zugeht: Eine Frau wird von einer Joggerin blutüberströmt in der Eilenriede entdeckt, dem mutmaßlichem Mörder ist die Zeugin nur Augenblicke zuvor begegnet. Auch das Hotel am Stadtpark, die Cebit, das Seefugium, in dem der ehemalige US-Präsident Barack Obama (57) bei seinem Hannover-Besuch genächtigt hatte, sowie die MHH und einige Polizeistationen kommen in dem Buch vor.

Einblicke in Ermittlungsarbeit

„Die Geschichte ist frei erfunden“, versichert Schütte der NP bei einem Kaffee im Zio Totonno an der Marienstraße, „alles andere wäre pietätlos gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen.“ Dafür dürfte das Drumherum ordentlich an der Realität kratzen: Schütte beschreibt nicht nur die Fachkommissariate in der Stadt, er liefert auch Einblicke in echte Ermittlungsarbeit, erläutert Begrifflichkeiten wie Mantrailer (Personenspürhunde), umreißt nötige berufliche Qualifikationen für OFA-Anwärter, die Vorgehensweise seines fiktiven Profilers Thorsten Büthe ist von der des Autors sicherlich abgekupfert. „So spare ich Recherchezeit“, sagt Schütte lachend. Er tippt sich an die Stirn: „Ist alles hier oben drin.“ Wie kann man einem Mörder auf die Schliche kommen? Welche Abteilungen in Behörden sind für was zuständig? Wie sieht eine Leiche nach mehreren Tagen eigentlich aus? All das weiß Schütte natürlich aus der Praxis – und all das hat er Nané Lénard (53) immer wieder mal erzählt, er hat sie 2011 mal zufällig bei einem Krimidinner am Steinhuder Meer kennengelernt.

Die Bückeburgerin ist Autorin und hat den Ermittler des Öfteren zu Rate gezogen, wenn sie an ihren „Schattenkrimis“ geschrieben hat. Eine Figur in den Büchern: Thorsten Büthe. „Irgendwann forderte sie mich auf, doch auch mal was zu schreiben“, erinnert sich Schütte. Da fragte er sie ganz einfach, ob er ihren Büthe als Protagonisten übernehmen darf. Er durfte.

Verlag wollte mehr

Ganz unbedarft setzte er sich 2017 im Kroatienurlaub an den Laptop, seine Fantasie, ein Glas Rotwein und der Blick auf die Bucht inspirierten den Polizisten, er schrieb einfach „frei Schnauze“ drauf los. „Zehn Seiten vor dem Ende wusste ich selbst noch nicht wie es ausgeht.“ Das machte gar nichts, der Verlag fand das Manuskript toll, wollte mehr.

Und auch seine Kollegen sind begeistert, sie hat der 57-Jährige ebenfalls genau ins Visier genommen. Die Figur Maik Holzner etwa gibt es tatsächlich, in Wirklichkeit heißt der natürlich anders. Aber er spielt in einer Rockband und schafft es wie kein anderer aus der Abteilung, die Finger von Süßigkeiten zulassen. „Für mein tolles Team“ steht übrigens als Widmung im Buch. „Erst hatte ich überlegt, es meiner Frau zu widmen“, so Schütte, „ihr schreibe ich lieber einen Liebesbrief.“

Mal schauen, wie viele liebe Worte Schütte von anderen Ermittlern für sein Erstlingswerk bekommen wird. Da könnte einiges an Lob drin sein, so wie er es auch in seinem Hauptjob erfahren dürfte: Das Arbeitsfeld ist seit Jahren etabliert, in vielen Fällen haben Schütte und sein Team mit ihren Analysen rund um den Täter einen entscheidenden Anstoß gegeben, um Straftaten, meist Morde und Sexualdelikte sowie welche, die Jahre zurückliegen, aufklären zu können. Akzeptanz, die sie sich jahrelang erarbeitet haben – chapeau!

Von Mirjana Cvjetkovic