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Leben in Hannover Darum will Martin Rütter „Anwalt des Hundes“ sein
Menschen Leben in Hannover Darum will Martin Rütter „Anwalt des Hundes“ sein
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19:04 27.11.2019
„Freispruch“ für den Hund: Martin Rütter wird immer von seiner Emma begleitet. Quelle: Martin Rütter
HANNOVER/HILDESHEIM

Martin Rütter ist der „Hundeflüsterer“: Am 28. November tritt er mit seinem Programm „Freispruch“ in der Hildesheimer Halle 39 (Schinkelstraße 7) auf. Karten kosten 39,95 Euro. Die NP sprach mit ihm über 80.000 Kilometer mit Hündin Emma, bröselnde Hunde-Leckerlis und seine mäßige Schulkarriere.

Herr Rütter, was ist das größte Vorurteil, das Ihnen bisher untergekommen ist?

Es kommt ja vor, dass Leute mich nicht aus dem Fernsehen kennen. Und wenn ich dann auf deren Frage „Was machen Sie eigentlich beruflich?“ antworte, dass ich eine Hundeschule betreibe, haken die gerne nach: „Nee, nee. Ich meine schon beruflich.“ Auch meine Tochter, heute ist sie 14, fragte vor vielen Jahren: „Papa, hast du eigentlich nie einen richtigen Beruf gehabt?“ Da musste ich erstmal erläutern, dass es mein Beruf ist, mit Kunden und ihrem Hund durch den Wald zu spazieren.

Und beim Thema Hund?

Nicht-Hundeleute sagen über Hundeleute gerne, dass sie durchgeknallt sind, das Tier viel Dreck und Arbeit macht, außerdem stinkt. Wenn sie selbst zu einem Hund kommen – weil die neue Freundin einen hat oder so –, mutieren die dann zu den allerverrücktesten Hundeleuten.

Video: So wurde Martin Rütter in Hannovers Tiho von „Verstehen Sie Spaß?“ veräppelt

Was erzählen Sie in Ihrer aktuellen Show „Freispruch“?

Ich habe mittlerweile das Gefühl, mich zu einem Anwalt von Hunden entwickelt zu haben. Und bei meiner ganzen Erfahrung, die ich mit 6000 Hunden im persönlichen Umgang gesammelt habe, kann ich absolut nicht behaupten: Der Hund, der auf der Anklagebank sitzt, ist schuld – und nicht etwa Der- oder Diejenige am anderen Ende der Leine. Mittlerweile verfüge ich über ein ziemlich dickes Buch mit Anklageschriften, es reicht von Betteln und Hausieren bis hin zur Befehlsverweigerung. In der Show sind die Zuschauer die Geschworenen – sie entscheiden ob es einen Freispruch gibt oder ins Kittchen geht.

Dabei sind Sie maximal unterhaltsam. Wie haben Sie bemerkt, dass Sie Wissen nicht nur vermitteln können, sondern auch lustig sind?

Ein kleines bisschen ist das meine Lebensgeschichte. Ich bin zweimal sitzen geblieben, dreimal von der Schule geflogen. Das passierte, weil ich mich kaputt gelangweilt habe! Über 47 Ecken habe ich mein Abi gepackt, allerdings bis zur zwölften Klasse immer nur Fünfen und Sechsen in Mathe geschrieben. Bis ein neuer Lehrer kam. Wie selbstverständlich schrieb ich Zweien.

Bühnenmensch: Martin Rütters Shows sind unterhaltsam. Quelle: Christian Behrens

Sie meinen also, es kommt darauf an, wie man den Stoff vermittelt?

Absolut! Die Art, wie man erklärt, ist wichtig, damit Leute zuhören. Ich versuche bei meinen Vorträgen stets Bilder im Kopf entstehen zu lassen. So, dass es einleuchtet. Mir ist gelungen, bei einem Vortrag zu schweren Verhaltensstörungen bei Hunden trotzdem lustig zu sein. RTL bekam das seinerzeit mit, war der Meinung: Das ist doch ein Comedy-Programm.

Und dann?

Habe ich das lange Zeit nicht so gesehen. Sie haben auf mich gut ein Jahr lang eingeredet wie auf einen toten Esel. Irgendwann kam man dann doch ins Gespräch, es wurde über Bühnenbild und Ähnliches geredet. Ich musste mich an die Bühne zunächst gewöhnen, mir ist es heute zum Teil noch peinlich, Applaus zu bekommen. Nur weil etwas in großem Umfeld stattfindet, darf es nicht weniger gehaltvoll sein.

Sie sind schüchtern?

Schon. Es ist nun mal ein Unterschied, ob man in einer Dorfkneipe mit Beamer und Powerpoint-Präsentation vor sieben Leuten etwas erzählt oder vor 1000 Leuten, die ganz erwartungsfroh in einer Halle sitzen. Ich gehe aber auch dort immer nach der Show raus, signiere Bücher, mache Fotos. Ich nehme mich nicht als sogenannte Person des öffentlichen Lebens wahr.

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Mittlerweile sind Sie seit 25 Jahren im Geschäft. Was hat sich in all den Jahren verändert – und welche Sorgen tragen Menschen immer noch an Sie heran?

Ein Freund hat mir mal eine Ausgabe des „Spiegel“ aus dem Jahr 1976 geschenkt, in dem das Thema Hund und sein Verhältnis zum Menschen thematisiert worden ist. Und zwar so, dass man es heute noch genauso abdrucken könnte: Der Hund ist das einzige Tier, das in der Lage ist, einen Artfremden, also den Menschen, als vollwertigen Sozialpartner anzusehen. Allerdings sind Hundehalter informierter als früher, das Bewusstsein hat sich verändert.

Und was hat sich bei Ihnen geändert?

Gar nicht so viel (lacht): Ich bin seit 17 Jahren im Fernsehen zu sehen, was im deutschen TV ein echtes Pfund ist. Da bin ich stolz wie Bolle. Ich habe auch immer noch die gleichen Leuten, die all das realisieren, an meiner Seite.

Wer hat mehr Kummer mit Hunden, Frauen oder Männer?

Frauen. Weil sie viel, viel konsequenter und reflektierter sind, dafür sorgen wollen, dass der Familienverband funktioniert. Männer sagen eher: „Ich halt ihn halt fest, wenn er zieht“. Oder: „Mich kann er doch ruhig ziehen, macht nichts.“ Gefährlich wird es, wenn es ums Beißen geht. „Wenn der beißt, dann trete ich dem Hund in den Hintern und er fliegt raus.“ Dann ist es aber zu spät, insbesondere, wenn Kinder im Spiel sind. Frauen sind da weitsichtiger.

Hannover-Fan: Martin Rütter (links) mit Hannover-Concerts-Chef beim Konzert von Pink in der HDI-Arena. Quelle: Mirjana Cvjetkovic

150 Nächte im Jahr schlafen Sie nicht zu Hause. Ihre Hündin Emma ist trotzdem immer mit dabei.

Das ist mir total wichtig. Es ist eine Katastrophe für mich, wenn sie nicht dabei ist. Je älter ich werden, desto mehr Heimweh habe ich. Emma ist da ein Stück Zuhause sein. Und sie liebt Autofahren, 80.000 oder 90.000 Kilometer im Jahr machen wir locker.

Kommen Ihre Erziehungsmethoden bei Emma gut an?

Sie ist mir zugelaufen, saß einfach mal vor meiner Tür. Als Welpe wurde sie gerne mal 15 Stunden am Tag allein gelassen, sogar länger, wenn ihre Halter in den Urlaub gefahren sind. Dann haben sie sie einfach mit Futter im Garten zurückgelassen. Sie war ein Hund, der keine Spielregeln kannte. Es hat gut zwei Jahre gedauert, bis sie bei mir angekommen war und ich auch dachte: das ist mein Hund. Baustellen wird es immer geben. Viele dressieren ihren Hund, erziehen ihn aber nicht. Da kann ich nur sagen: Zur Erziehung gehört eine Beziehung. Das hört nie auf, ist ein steter Prozess.

Liebevoll: Martin Rütter kann gut mit Hunden. Quelle: Handout

Habe Sie eigentlich auch mal Leckerlies gegessen?

Ich habe mehrere probiert, auch reingebissen. Nämlich um festzustellen, wie sie zerbröckeln. Das ist nämlich nicht nur für den Hund cool, sondern auch für Frauchen und Herrchen. Ist das Leckerchen fettig und bröckelig, war es das schnell für die Hose. Meine Erfahrungen habe ich dann sogar mit einem Futtermittelhersteller geteilt und einen Hundesnack entwickelt.

Zunächst spielen Sie in Hildesheim, kommen für die nächste Show auch wieder zu uns nach Hannover.

In Hannover habe ich das erste Mal in meiner Karriere zwei Shows nacheinander gespielt, im Theater am Aegi. Ich habe bis heute keine Erklärung dafür, warum die erste so schnell ausverkauft war, dass eine zweite nachgelegt wurde. Und als Robert Enke gestorben war, bat mich seine Frau Teresa, für eine Aktion von Hannover 96 ein Video aufzunehmen. Also haben wir es während einer Show gemacht: Und in der ersten Reihe saß ein Zuschauer mit Werder-Bremen-Trikot, der aus voller Brust das 96-Lied gesunden hat. Großartig!

Von Mirjana Cvjetkovic

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