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Leben in Hannover Daniel Nerlich: Auf der Bühne in Berlin, zuhause in Hannover
Menschen Leben in Hannover Daniel Nerlich: Auf der Bühne in Berlin, zuhause in Hannover
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15:27 06.06.2019
ZUHAUSE IN HANNOVER: Schauspieler Daniel Nerlich wohnt weiter in der Stadt. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Das Zimmer in Kreuzberg ist bezogen, die Tage des Pendels zwischen Berlin und Hannover sind eröffnet. Daniel Nerlich (40) lebt in diesen Tagen so etwas wie ein Doppelleben: Tagsüber probt er bei seinem neuen Arbeitgeber, der Berliner Volksbühne, abends spielt er – immer letztmalig – in Stücken am Schauspiel in Hannover. Während er in „Macbeth“, „Hool“, „Extrem laut und unglaublich nah“ und „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ bereits zum letzten Mal zu sehen gewesen ist, steht mit „Rotkäppchen und der Wolf“ am 15. Juni noch der finale Abschied von den hannoverschen Bühnenbrettern bevor.

Nerlich sucht die Herausforderung an der Berliner Volksbühne

Trotz der neuen Herausforderung schmerzt Nerlich der Weggang aus der Stadt – wenn es auch nur ein beruflicher sein wird. Der Schauspielerin bleibt mit seiner Frau Sarah (39) und den beiden Kindern Bo (4) und Elin (drei Monate) in der List wohnen. „Mich schmerzt nicht, dass ich zeitweise öfter Berlin sehe als Hannover“, sagte er kürzlich der NP beim Gespräch im Hinterhof seiner Wohnung. „Es schmerzt mich vielmehr, dass ich die Kultur in der Stadt nicht mehr aktiv mitgestalten kann. Der Abschied vom Publikum hier macht mich schon traurig.“

SELFIE AM NEUEN ARBEITSPLATZ: Daniel Nerlich probt bereits an der Volksbühne in Berlin Quelle: privat

Und der Mann mit den zerzausten Haaren hat lange mitgestaltet – zehn Jahre gehörte er zum Ensemble von Lars-Ole Walburg (54), dessen Intendanz nun endet, Sonja Anders (54) übernimmt. Nerlich hat nach mehreren Gesprächen – beruflich wie privat („Meine Frau unterstützt mich gewaltig. Sie versteht den Umbruch und trägt ihn mit“) – beschlossen, „etwas Neues kennenzulernen“.

Es ist die Lust auf eine neue Herausforderung, die ihn antreibt. Er lacht: „Wenn du die Chance hast, weiter mit Thor zu arbeiten, dann nutzt du die Chance, weiter mit Thor zu arbeiten.“ Damit meint er den preisgekrönten Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson (40), der Schauspieldirektor an der Volksbühne Berlin wird. Das dortige Ensemble, Nerlich inklusive, probt schon für die „Odyssee“ nach Homer, die am 12. September in der Hauptstadt uraufgeführt wird und die Spielzeit eröffnet.

Nerlichs Appell: „Hannover, versteck dich nicht!“

Einen Umzug hat der Schauspieler nicht erwägt, Hannover ist längst mehr als nur seine „Hood“ geworden: „Es ist die Stadt, in der meine Kinder geboren worden sind, mein Sohn die ersten Schritte gemacht hat.“ Es habe zwar etwas gedauert, „aber ich habe Hannover lieben gelernt“, resümiert er. Hierhin war der gebürtige Hamburger aus Düsseldorf gekommen: „Es war Liebe auf den zweiten Blick.“ Er gesteht, dass die Stadt schon „sehr speziell“ sei, ihr an vielen Stellen gelebtes „mediokres“, also mittelmäßiges, Dasein konnte ihn schon nerven. Heute sagt Nerlich: „Hannover, versteck dich nicht! Check doch mal, wie interessant du bist.“ Da wäre er in der Tat nicht der erste Zugezogene, dem das auffällt. Und im Gegensatz zu den Städten, in denen er bislang gelebt und gearbeitet hat, „kenne ich mittlerweile viele Leute außerhalb des Theaters“.

Seine Frau arbeitet als Maskenbildnerin in Hannover

Wenn er an die Menschen innerhalb des Theaters denkt, wird dem 40-Jährigen auch schwer ums Herz: „Manche Kollegen trifft man wieder, manche nie mehr“, weiß er aus Erfahrung. Zwei Schauspieler wechseln übrigens mit ihm nach Berlin. Den Bezug zum Haus in Hannover wird Nerlich dennoch weiterhin haben, seine Ehefrau, derzeit in Elternzeit, ist dort nämlich Maskenbildnerin.

GROSSE EMOTIONEN: In „Hool“ spielte Daniel Nerlich (links) einen fanatischen Anhänger von Hannover 96. Quelle: Katrin Ribbe

„Ich bin stolz, dass ich hier war“, sagt Nerlich zum Ende des Gesprächs mit der NP, „aber es ist okay, nicht nur mit einer Bühne assoziiert zu werden. Ich lebe in der Hoffnung, wieder zurückzukommen.“ Und so lange lässt er sich auf die Hauptstadt ein: „Ich freue mich durch die Straßen dort zu laufen.“ Und was hilfreich sein könnte, ist das Buch, das ihm seine Frau zum 40.  Geburtstag geschenkt hat: „Berlin mit Kindern“. So steht dem außergewöhnlichen Familienleben ja auch nichts im Wege.

Von Mirjana Cvjetkovic

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