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Leben in Hannover Kai Eikermann: Vom New Yorker Breakdancer zum Roncalli-Tänzer
Menschen Leben in Hannover Kai Eikermann: Vom New Yorker Breakdancer zum Roncalli-Tänzer
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16:11 12.09.2019
Kai Eikermann vom Circus Roncalli Quelle: Christian Behrens
Hannover

Es ist wirklich erstaunlich, wie kontrolliert ein Mensch seinen Körper bewegen kann. Bei Kai Eikermann (56) könnte man tatsächlich meinen, dass dies auf Knopfdruck passiert. Wie bei einem Roboter. Und das genau ist eines der Talente, die der gebürtige Berliner auf die Bühne beziehungsweise in die Manege bringt – derzeit bei Roncalli auf dem Waterlooplatz.

Da jubelt ihm das Publikum zu – zwei Auftritte hat er pro Show, mindestens zehn in der Woche. „So eine Manege hat ja fast etwas von Straße“, so der Clown und Tänzer im Gespräch mit der NP. Aber im Gegensatz zu seinen Breakdance-Einlagen einst am Berliner Breitscheidplatz und in New York Anfang der 90er Jahre „muss ich mir die Leute hier nicht ranholen. Sie sitzen ja schon da.“

Leute ranholen, das sei nicht ganz seine Stärke, gesteht der 56-Jährige. „Mittlerweile habe ich meine Schüchternheit überwunden, von Natur aus bin ich aber keine Rampensau.“ Und auch wenn er es nun seit mehr als drei Jahrzehnten gewohnt ist, im Rampenlicht zu stehen, „genieße ich auch die Tage, an denen ich nicht auftreten muss.“

Umzug nach Ghana

Kai Eikermann hat ein – im wahrsten Sinne – bewegtes Leben hinter sich. Als Neunjähriger zieht er aus dem Ostteil Berlins mit seiner Mutter und seinem Stief- und Adoptivvater in dessen Heimat nach Ghana. In Accra besucht er die internationale Schule, war „zum Leidwesen aller Mädchen Klassenbester. Sie waren sehr erstaunt, dass ich Clown und Tänzer geworden bin und nicht Professor.“

Kai Eikermann verbringt seine Jugend mit Mutter Erika Charlotte und Adoptivvater Eric Cephas Yao Novieku sowie einem seiner Brüder, Martin Atsu, in Ghana Quelle: Kai Eikermann

In dem westafrikanischen Staat fängt Eikermann Feuer für das Tanzen, „ich habe bei einem Wettbewerb mitgemacht, um meine Flamme zu beeindrucken“. Vor allem aber hat der Tanz ihn nachhaltig beeindruckt, diese Leidenschaft hat ihn nie wieder losgelassen. Auch dann nicht, als er als junger Erwachsener mit 18 Jahren zurück nach Deutschland gegangen ist. Allerdings nach West-Berlin.

„Es war ein richtiger Kulturschock, zurückzukommen. Ich hatte ja keine Vorstellung ...“, erinnert er sich an den Beginn der 80er Jahre. Einer der Schockmomente war, dass sein Schulabschluss nicht anerkannt wurde: „Anderthalb Jahre wurde der Fall bearbeitet. Die sind davon ausgegangen, dass ich in Ghana auf dem Baum gelebt und Bananen gegessen habe. In London hätte ich sofort mit dem Studium anfangen können, in Berlin habe ich zweieinhalb Jahre lang mein Abi nachgeholt.“ Als er das der Tasche hat (Schnitt: 2,0), beginnt er mit einem Luft- und Raumfahrttechnikstudium an der Technischen Universität, tanzt weiterhin parallel.

Ein Leben mit buntem Anstrich

Dann sind da noch die „eigenartigen und nicht so lustigen Situationen“ an der deutsch-deutschen Grenze, die er regelmäßig überquert, um seinen leiblichen Vater und seinen Bruder im Osten der Stadt zu besuchen. Aufgrund seines Studiums („es war klar, dass es in eine militärische Richtung geht“) wird Eikermanns Vater nahegelegt, den Kontakt zu seinem Sohn abzubrechen. Zudem war ein Heimatbesuch während seiner Kindheit so prägend, dass der heute 56-Jährige wusste: „Dorthin gehe ich nicht zurück. Diese schlechte Luft, diese graue Menschen.“

Eikermann selbst sorgt dafür, dass sein Leben einen bunten Anstrich bekommt – er schmeißt nach jahrelanger Überlegung sein Studium („irgendwann habe ich mehr Zeit im Sportraum der Uni verbracht, als in den Vorlesungen“), widmet sich dem Tanzen – und zwar in der Form, die erst später als Breakdance bezeichnet werden sollte.

Kai Eikermann (mit Käppi) gewinnt mit Mitstreitern Anfang der 90er den Wettbewerb „Battle of the Year“ in Hannover Quelle: Kai Eikermann

„Mich haben nicht nur diese krassen Moves interessiert, sondern auch die Physik dahinter. Ich habe einen sehr intellektuellen Zugang zu dem Tanz gefunden“, erzählt der Roncalli-Artist Er unterrichtet jahrelang in Jugendeinrichtungen, lebt von den Job. Nach und nach vertieft er die verschiedenen Elemente von Breakdance, fasziniert vom Mix aus Mensch und Maschine.

Er tritt auf der Kleinkunstbühne der Berliner „Scheinbar“ auf, genau wie im „Chamäleon“, später im GOP (auch in Hannover). Bis heute ist er als Urgestein des Breakdance ein viel gefragter Künstler. Die größte Bühne hat er mal beim „Feuerwerk der Turnkunst“ als er ganz alleine im Scheinwerferlicht vor 12.000 Menschen steht. „Das war schon sehr besonders“. Für den Mann mit der Glatze ist das Ganze auch mehr als nur ein Beruf: „Durch das Tanzen konnte ich ein den Teil der Seele retten, die sich verschlossen hatte“.

Von Mirjana Cvjetkovic

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