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Leben in Hannover Charity-Projekt: Jens Wackerhagen ist ein „Drachentöter“
Menschen Leben in Hannover Charity-Projekt: Jens Wackerhagen ist ein „Drachentöter“
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14:29 30.05.2019
RISKANTE KLETTERPARTIE: Jens Wackerhagen auf dem „Crib Goch“ in Wales. Quelle: Jimmy Hyland / The Berghaus Dragon’s Back Race
Hannover

Wenn man die Bilder sieht, wird einem fast schwindelig: Der Crib Goch ist ein schmaler Felsengrat, der „rote Grat“ im walisischen Snowdonia-Nationalpark wird auch „Messerkante“ genannt. Zu Recht. „Der Aufstieg hat ewig gedauert“, denkt Jens Wackerhagen (41) an das Abenteuer zurück. Der OP-Pfleger im Diakovere-Henriettenstift ist Extremläufer und eigentlich hart im Nehmen, zweimal hat er bereits das krasse „Montane Spine Race“ in England absolviert – im Winter, bei Minusgraden und Blizzards. „Aber hier hatte ich wirklich Angst“, sagt er über das „Dragon’s Back Race“ in Wales. „Ich bin zum Teil auf allen Vieren über diesen Grat geklettert. Das ist purer, blanker Fels. Da muss jeder Griff sitzen.“

„Dragon’s Back Race“ ist ein „unfassbar hartes Rennen“

Er hat 63 Stunden und 57 Minuten gebraucht, kam am 24. Mai als 159. Läufer über die Ziellinie. Und darf sich jetzt offiziell „Drachentöter“ nennen. Wackerhagen (41) hat seinen ersten „Mountain Marathon“ gemeistert. „Ich bin verdammt stolz“, sagt er. „Es war ein unfassbar hartes Rennen.“ Aber auch ein lang gehegter Traum des Mannes, der vor acht Jahren überhaupt erst mit dem Laufen angefangen hatte.

„2012 habe ich ein Video vom Drachen-Rennen gesehen“, erinnert er sich. Der Drache ist das Wappentier von Wales, und das Rennen fühlt sich auch an wie der Lauf auf dem schuppigen Rücken eines mächtigen Drachens. Auf der Homepage des Veranstalters sieht man Filme von Teilnehmern, die tränenüberströmt mit letzter Kraft über die Ziellinie humpeln. In diesem Jahr hat sich einer unterwegs die Nase gebrochen, ein anderer die Schulter, weiß Wackerhagen.

Die mehr als 400 Läufer orientieren sich mit Landkarten

Er hatte Glück. „Ich bin nur einmal gestürzt, es ging aber glimpflich aus“, erzählt der 41-Jährige. Beim Versuch, im Laufen die Batterien seines GPS-Geräts zu wechseln, war er gestrauchelt. Und hatte dann beschlossen, lieber ganz altmodisch die Landkarte zu nutzen. „Man hat einen besseren Überblick, auf dem Navi sieht man immer nur einen winzigen Ausschnitt.“ Einen Blick für die spektakuläre Landschaft hatte Wackerhagen außerdem. „Wales ist wunderschön“, diesen Eindruck hat er mitgenommen.

Obwohl das Rennen nach Quälerei klingt. 15 500 Höhenmeter hat Wackerhagen in fünf Tagen überwunden – das ist fast zweimal die Besteigung des Mount Everest. „Da hilft einem das Training im Harz auch nichts“, scherzt der Mann, der in diesen Jahr auch schon von Berlin nach Hannover gerannt ist, um auf den Pflegenotstand im Gesundheitswesen hinzuweisen.

Ein Drittel der Starter schafft den ersten Tag nicht

Und beim Drachenrennen war auch der Zeitdruck groß: Drei Check-Points musst man bei jeder Tagesetappe in gewissen Zeitfenstern erreichen, sonst wurde man disqualifiziert. „Das erste Drittel der Starter fliegt am ersten Tag raus, das zweite schafft den zweiten Tage nicht.“ Wackerhagen biss sich durch. „Das Wichtigste ist anzukommen, und dabei den Spaß nicht zu verlieren.“

IM ZIEL: Jens Wackerhagen braucht für die 315 Kilometer 63 Stunden und 57 Minuten. Der Sieger ist nach weniger als 38 Stunden am Ziel. Quelle: Craig Goddard

Immerhin: Anders als beim „Montane Spine Race“, wo jeder Läufer auf sich gestellt ist und sich ein Plätzchen für kleine Power-Naps suchen muss, konnte Wackerhagen in Wales an den Etappenzielen im Achter-Zelten nächtigen. „Schlaf ist relativ“, räumt er ein. „Man geht jeden Tag ans Limit und darüber hinaus. Das Rennen war eine Riesenherausforderung. Und eine Grenzerfahrung.“ Deshalb will er sich für den Rest des Jahrs eine „Laufpause“ verordnen, seine Gedanken ordnen.

Jens rennt“: Mit den Spenden hilft Wackerhagen Kindern

Klar ist aber, dass sein Charity-Projekt „Jens rennt“ weiter geht – „ich renne, damit kranke Kinder wieder laufen können“, ist sein Motto, um Kindern mit Fußfehlstellungen aus Krisengebieten helfen zu können. Mit den aktuellen Spenden („Ich weiß noch gar nicht, was zusammengekommen ist“) wurde die erste Operation für den kleinen Rodger (8) aus Uganda ermöglicht. Dem Jungen fehlt auf einer Seite das Wadenbein, Dienstag wurde im Henriettenstift das deformierte Bein begradigt. „Das ist ein erster Schritt. Er wird aber noch einige OPs brauchen.“

HILFE FÜR RODGER: Jens Wackerhagen sammelt Spenden für die Operation des Jungen aus Uganda. Quelle: Christian Wyrwa

Hier können Sie spenden: Iban DE78 5206 0410 0100 6022 48, Bic GENODEF1EK1. Stichwort „Jens rennt“. Man kann auch ganz unkompliziert fünf Euro per SMS mit dem Kennwort JENSRENNT an die Kurzwahl 81190 spenden.

Von Andrea Tratner

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