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Menschen Brodowy: „Ein wunderbares Gefühl von Freiheit“
Menschen Brodowy: „Ein wunderbares Gefühl von Freiheit“
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10:37 22.07.2019
Heute: Matthias Brodowy ist auf der Bühne in seinem Element. Als Junge machte er oft mit den Großeltern Urlaub – stets in Bad Bayersoien. Quelle: Fotos: dpa, privat
Hannover

Im NP-Interview erinnert sich Kabarettist Matthias Brodowy an seinen ersten Urlaub ohne Eltern.

Und – wie war Ihr erster Urlaub ohne Eltern?

Grandios. Ein wunderbares Gefühl von Freiheit.

Wo ging’s hin?

Quer durch Deutschland. Mit meiner damaligen Freundin Martina hatte ich ein Interrail-Ticket, das vier Wochen gültig war. Da haben wir uns unter anderem den Norden mit Hamburg, den Süden mit München und den Westen mit Köln angeschaut. In den Osten konnten wir noch nicht, das war 1989, ich war 17 und die Mauer war noch nicht gefallen, sonst wären wir auch dahin gefahren.

So sah er 1988 aus: Ein Jahr später fuhr Brodowy alleine los – Bilder von ihm auf der Interrailtour gibt es nicht, weil er alle Fotos selbst aufgenommen hat. Quelle: Matthias Brodowy

Interrail heißt unterwegs sein mit der Bahn. Hat das denn geklappt?

Ja (überlegt). Ich kann mich an keine Probleme erinnern; wenn ich heute beruflich unterwegs bin mit der Bahn, ist das anders. Aber damals, nö, da ist nichts passiert. Das war vor der Privatisierung, da lief’s noch.

Und Ihre Eltern haben Sie einfach ziehen lassen?

Ja, meine Eltern waren da ganz entspannt, die haben mir immer Raum gelassen. Und mit 17 war ich einfach so weit. Vorher war ich jedes Jahr mit meinen Großeltern in den Urlaub gefahren, immer in denselben Ort in Bayern: Bad Bayersoien. Da gab es nichts außer einem Lebensmittelladen, zwei Wirtschaften und einem Misthaufen direkt in der Ortsmitte. Traumhaft schön. Aber mit 17 wollte ich die Welt entdecken. Mit meiner Freundin hatte ich überlegt: Was können wir für wenig Geld machen? So sind wir auf das Interrail-Ticket gekommen. Übernachtet haben wir in Jugendherbergen, das war ein Erlebnis.

Inwiefern?

Da gab es noch große Schlafsäle. Ich weiß noch, in Hamburg hatten wir eine Jugendherberge in der Nähe der Reeperbahn, da waren wir ziemlich viele Leute in einem Zimmer. Geschlafen hat vermutlich niemand, da kehrten nachts um drei noch Gäste von der Reeperbahn betrunken zurück. Und ich weiß, meine Wertsachen hatte ich unterm Kopfkissen und sonst im Gürteltaschenportemonnaie. Aber nach Hamburg wollte ich unbedingt, ich hatte als Kind eine Hafenrundfahrt gemacht. Das hatte mich sehr berührt, die Schiffe, die Landungsbrücken. Ich bin von Herzen Norddeutscher, das fühle ich in Hamburg sehr.

Wieder in den Bergen: Im Urlaub war Matthias Brodowy dort immer wieder anzutreffen. Quelle: Matthias Brodowy

Wohin wollten Sie noch?

In München wollte ich Martina das Deutsche Museum zeigen, das hatte ich auf den Touren mit meinen Großeltern kennengelernt. Das Museum hatte mich damals so sehr in seinen Bann gezogen, weil man da so viele Experimente selbst machen konnte, das wollte ich ihr unbedingt zeigen. Und dann hatten wir uns die Jugendherberge auf dem Kleinen Arber ausgesucht im Bayerischen Wald, da gab’s Deutschlands höchstgelegene Jugendherberge. Fanden wir cool damals.

Und?

Es war furchteinflößend.

Nanu?

Man muss dazu sagen: Ich bin ein Schisser. War ich schon immer. Werde ich immer sein. Ich könnte nie barfuß durch die Sahara, ans Basecamp vom Mount Everest oder den Jakobsweg laufen. Als wir damals auf den Kleinen Arber sind, haben wir den Sessellift genommen. Und als wir oben ankamen, lag alles im Nebel. Man konnte nichts sehen, und wir haben uns verlaufen. Wir hatten keine Ahnung, wo wir sind, wo die Jugendherberge sein mochte, GPS und Smartphones gab’s noch nicht. Wir dachten schon, wir müssten im Freien übernachten.

Was romantisch sein kann.

Nicht im Nebel. Da ist es kalt. Nass. Und unheimlich. Wir haben uns erstmal hingesetzt, fühlten uns wie zwei Häufchen Elend. Aber zum Glück haben wir dann irgendwann doch noch die Jugendherberge gefunden. Das war das köstlichste Abendessen, das wir auf der ganzen Tour hatten. So was vergisst man nicht.

Was noch nicht?

Köln war auch schön. Ich mag Kirchen und Friedhöfe sehr gern, das war schon immer so. Und ein Besuch im Kölner Dom ist schon etwas Besonderes. Außerdem weiß ich noch, dass wir in der Südstadt unbedingt in einen bestimmten Comic-Laden wollten, der sollte besonders gut sortiert sein. Da habe ich ein Notenbuch von Bap gefunden, der Band von Wolfgang Niedecken.

Warum gab’s das Notenbuch im Comicladen?

Keine Ahnung, vielleicht ist das einfach Kölsch (lacht)? Die Kölner waren überhaupt auffällig. Wenn wir da mit unserem Falk-Plan an der Straße gestanden und nach dem Weg gesucht haben, kam sofort einer und fragte: „Wo wollt ihr denn hin? Kann isch üsch helfen?“ Sehr nett. Oh, und noch jemand ist mir im Gedächtnis geblieben.

Nämlich?

In einer Jugendherberge, ich weiß aber nicht mehr, wo das war, jedenfalls sind wir da einem Belgier begegnet. Der war zunächst ganz nett, aber dann stellte sich heraus, dass er Nationalist war. Ich glaube, er gehörte zum Vlaams Blok, das war damals eine rechtsextreme belgische Partei, die die Unabhängigkeit Flanderns forderte. Das war meine erste Begegnung mit Nationalismus. Mein Vater hat mir das nach der Reise erklärt. Ich weiß noch, wie mich das verstört hat. Ich konnte nicht nachvollziehen, warum der Belgier wollte, was er politisch wollte. Aber dann: Extremismus verstehe ich bis heute nicht. Wohl habe ich gedacht: Über so etwas hätte ich in der Schule gern gesprochen, überhaupt über die europäischen Themen.

Interrail gibt’s auch für Europa.

Mittlerweile schon. Hätte es das damals gegeben, hätte ich das sicher gemacht. Das ist eine große Chance, denke ich. Weil es das aber nicht gab, sind meine damalige Freundin und ich ein Jahr später von der Mosel übers Sauerland zurück nach Hannover mit dem Rad gefahren. Aber das ist eine andere Geschichte (lacht).

Das ist Matthias Brodowy

Geboren am 8. Juli 1972 in Braunschweig. 2019 ist ein besonderes Jahr für den Kabarettisten und Sänger Matthias Brodowy: Am 20. und 21. September zeigt er im Theater am Aegi zwei Shows zu seinem 30-jährigen Bühnenjubiläum. In Braunschweig geboren, ist er über Stationen in Wolfsburg und Hildesheim in Hannover heimisch geworden. Hier hat er die Schule besucht, ist Messdiener geworden, hat seinen Organisten-Schein bestanden (nebenberuflicher Kirchenmusiker und Chorleiter), den Zivildienst abgeleistet und Germanistik, Geschichte sowie katholische Theologie studiert. Seit Anfang des Jahres ist er gemeinsam mit Margot Käßmann Herausgeber des Straßenmagazins „Asphalt“.

Von Verena Koll

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