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Boulevard Nadeshda Brennicke: "Dann zählt das Leben"
Menschen Boulevard Nadeshda Brennicke: "Dann zählt das Leben"
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20:07 27.04.2009
Schöne Schauspielerin: Nadeshda Brennicke
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VON VERENA KOLL
Verena Koll von der Neuen Presse aus Hannover, hallo, Frau Brennicke, wir sind zum Interview verabredet.
Ja (lacht), ich weiß, ich weiß. Aber können Sie bitte in einer Stunde noch einmal anrufen? Mir sind gerade ein paar Pferde ausgebrochen.

Oj, na das geht vor. Nix wie hinterher.
Es tut mir ehrlich leid. Danke für Ihr Verständnis. Bis später!

(Brennicke, 35, ist mit ihrem Sohn Nikita, 12, von Berlin aus auf einen Bauernhof in Brandenburg gezogen. Dort züchtet sie Araber-Pferde. Nach einer Stunde: der zweite Versuch zum Interview.)

Und – Pferde eingefangen?
Ja (lacht), alles ist gut. Die Tiere sind im Moment wie verrückt. Die müssen bis Mai noch auf einer Sandkoppel bleiben, bis das Gras auf den Weiden hoch genug ist. Aber sie kriegen natürlich mit, dass das jetzt schon saftig grün sprießt, und versuchen dauernd, sich zu holen, was einfach noch nicht für sie bestimmt ist. Na ja.

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Hat Sie das aufs Land getrieben? Dieses Ursprüngliche?
Die Pferde waren der ausschlaggebende Punkt für mich. Ich wollte gern züchten, brauchte also Land um mich herum. Und da mittlerweile die meisten meiner Freunde in Berlin leben und nicht mehr in München

… wo Sie herstammen …
… habe ich mir etwas in der Nähe von Berlin gesucht und bin in Brandenburg gelandet.

Und? Gefällt es Ihnen da?
Es ist natürlich keine Herzchenbalkongegend, es gibt wahnsinnig viel Arbeitslosigkeit hier. Aber das lässt die Leute zusammenrücken, hier kommt der Nachbar noch, wenn er Hilfe anbietet. Das ist ja nicht mehr überall üblich, das schätze ich sehr an der Gegend.

Ihr Sohn auch?
Anfangs war er sehr skeptisch. Aber mittlerweile liebt er es hier, sehr sogar. Er muss zwar zwei Kilometer Rad fahren, wenn er Fußball im nächsten Dorf spielen will, aber das macht er auch. Und er fährt sogar fünf Kilometer mit seinen Freunden, wenn sie beim Mädchenfußball zugucken wollen (lacht). Das alles hält ihn frisch und jung, er ist noch nicht so abgebrüht wie die Jungs, die in der Großstadt aufwachsen, er kann hier länger Kind sein. Wenn er allerdings älter wird, muss er weg. Sonst steht er am Ende wie alle anderen an der Tankstelle und trinkt. Es gibt zu wenig Chancen für Jugendliche. Wer kann, geht weg. Eigentlich sind nur noch die Alten hier.

(Brennicke spricht über das Bundesland, in dem der Sat.1-Film „Frauen wollen mehr“ spielt. Auch da flüchten die Jüngeren aus Brandenburg, vor allem die Frauen. Nur Männer und Senioren bleiben.)

Würden Sie für immer auf Ihrem Hof leben wollen?
Heute sage ich: ‚Ja.’ Von mir aus kann ich gern eines Tages in meinem Gemüsegarten tot zusammenbrechen.
Bis dahin lebten Sie vielleicht als Einzige aus Ihrer Generation in der Gegend.
Ich glaube nicht, da tut sich was. Inzwischen bleiben immerhin ein paar Handwerker hier. Das ist ein Anfang (hält inne). Aufs Alter freue ich mich schon sehr.

Nanu?
Im Alter wird man als schöne Frau nicht mehr wahrgenommen. Dann zählt Schönheit nicht mehr, dann zählt das Leben, die Freunde, es gibt kein unwichtiges Gehabe mehr. Ich glaube, das ist Freiheit.

Sat.1: Frauen wollen mehr. Dienstag, 28. April 2009, 20.15 Uhr.

27.04.2009
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