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Studium & Beruf Jobs bei der EU für viele interessant
Mehr Studium & Beruf Jobs bei der EU für viele interessant
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00:00 04.08.2012
Begehrte Jobs: Die EU lockt mit einem internationalen Arbeitsumfeld. Quelle: Mascha Brichta
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Brüssel

Auch wenn die Brüsseler Behörden manchem weit weg erscheinen - die Europäische Union (EU) berührt alle Lebensbereiche der Bürger. Entsprechend groß ist ihr Verwaltungsapparat. Etwa 40000 Menschen sind direkt bei den Institutionen der EU angestellt.

Es gibt kaum einen Job, den es bei der EU nicht gibt. „Natürlich ist die Nachfrage nach Juristen aber deutlich größer als nach Veterinärmedizinern“, sagt Heinz-Rudolf Miko von der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in Bonn. Neben Juristen seien vor allem Wirtschafts-, Sozial- und Kommunikationswissenschaftler gefragt. „Nicht zu vergessen auch alle, die etwas mit Sprachen zu tun haben.“

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Der direkte Weg zum Job bei der EU führt immer über das European Personal Selection Office (Epso). „Es ist die unumgängliche Eintrittsschleuse für alle, die eine lebenslängliche Beamtenlaufbahn bei der Europäischen Union anstreben“, erklärt Miko. Das Epso führt den sogenannten Concours, das zentrale Auswahlverfahren für alle Institutionen, durch. Um die Chancengleichheit zu wahren, müssen alle Bewerber den gleichen Test machen. Es geht nicht um Fachwissen zur Europäischen Union. Bewerber müssen vielmehr beweisen, dass sie analytisch denken und Probleme lösen können sowie kommunikativ und belastbar sind.

Trotzdem glaubt Miko, dass es für eine Anstellung sehr wichtig ist, sich bereits im Studium Hintergrundwissen anzueignen. „Denn wer in die engere Auswahl für eine bestimmte Stelle kommt, sollte eine gewisse Europakompetenz nachweisen können.“ Vor allem aber sollten Bewerber ein internationales Profil haben, einen Teil des Studiums oder Praktika im Ausland verbracht haben. „Egal ob bei einer europäischen Institution oder sonstigen internationalen Organisationen“, sagt Miko.

Viele Hochschulen in Deutschland bieten inzwischen Programme an, um sich europäisches Wissen anzueignen. Meist werden European Studies als Master angeboten, vereinzelt ist die Spezialisierung auch schon im Bachelor möglich. Ein Beispiel ist der Studiengang Public Administration an der Universität Münster. Das Programm wird gemeinsam mit der Universität Twente im niederländischen Enschede angeboten. „Man macht parallel zwei Abschlüsse“, erläutert Anton Basic, Studienberater des Instituts für Politikwissenschaft in Münster. „In Münster bekommt man den Bachelor of Arts verliehen, in den Niederlanden einen Bachelor of Science.“

Kurse in den Bereichen Politik, Recht und Wirtschaft bilden den klassischen verwaltungswissenschaftlichen Fächerkanon. Im dritten Studienjahr werden sie auf den Schwerpunkt Europastudien angewendet. Gute Kontakte zu EU-Akteuren der Praxis, Gastdozenten und Exkursionen runden das Angebot ab.

Constantin Gissler arbeitet als Parlamentarischer Referent im Büro eines Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Gissler hat in Oldenburg und Bremen einen Bachelor in Europäischem Recht gemacht. „Ich hätte mit dem Master weitermachen und dann auch das Staatsexamen ablegen können“, sagt er. Nach einem Pflichtpraktikum im EU-Parlament habe er sich aber für einen anderen Weg entschieden. Er absolvierte das einjährige Masterprogramm am College of Europe in Brügge. Dieses College bietet einjährige Intensivmaster an und ist so etwas wie die Kaderschmiede der EU.

Gissler entschied sich trotz Jura-Bachelors für einen Master im Bereich Politik. In Brügge traf er auf ein buntes Studienumfeld. „Wir waren etwa 300 Studierende aus 53 Ländern“, erzählt er. Auch der Unterrichtsstil sei besonders. „Es gibt nur einen festen Professor pro Fachbereich. Die anderen Professoren werden aus ganz Europa für die Kurse eingeflogen.“ Das sehr stark international geprägte Lernumfeld und die Praxisnähe sieht Gissler als größte Vorteile des Masters am College of Europe. Sie würden auch den harten Auswahlprozess und Studiengebühren bis zu 22 000 Euro rechtfertigen. Wer in Brügge studiert habe, profitiert von einem starken Netzwerk.

So kam er an seine aktuelle Stelle im Europäischen Parlament über einen ehemaligen Kommilitonen. Anders als bei den EU-Beamten auf Lebenszeit läuft die Vergabe der Jobs in den Abgeordnetenbüros nämlich nicht über das Epso. „Ich bin zwar formal bei der EU angestellt, wurde aber vom Abgeordneten selbst ausgewählt. Um an solche Jobs zu kommen, hilft das Netzwerk enorm“, erklärt Gissler.

Christian Vey