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Studium & Beruf Früh übt sich im Frühstudium
Mehr Studium & Beruf Früh übt sich im Frühstudium
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13:40 27.05.2013
Enorme Doppelbelastung: Frühstudenten müssen die Uni parallel zur Schule organisieren. Quelle: Malte Christians
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Hannover

Wenn Tom Beckmann im nächsten Jahr sein Abitur macht, liegen die ersten Semester an der Universität bereits hinter ihm. Tom ist Schüler des Gymnasiums Bad Harzburg und nebenbei ein sogenannter Frühstudent. Mit 14 Jahren hat er sich an der Technischen Universität (TU) Clausthal für Informatik eingeschrieben, im Wintersemester 2011 an der Vorlesung über Grundlagen der Programmierung teilgenommen und zudem die dazugehörige Prüfung bestanden. Den Schein dafür kann sich der inzwischen 17-Jährige für ein späteres Studium anrechnen lassen.

Ein Frühstudium bieten in Deutschland mittlerweile viele Universitäten an. Das Förderprogramm ermöglicht es besonders begabten und leistungsstarken Schülern der Oberstufe, parallel zur Schule ein Studium zu beginnen und kostenlos reguläre Lehrveranstaltungen an einer Uni zu besuchen. Welche Fächer für Frühstudenten offen sind, entscheidet jede Hochschule selbst. Die meisten Schüler sitzen aber in den sogenannten MINT-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Tom hat sich für Informatik entschieden, weil seine Schule in diesem Bereich nichts anbietet. In der Vorlesung an der TU hat er bisher keine Probleme gehabt. „Das ist alles hochinteressant, und der Unterricht ist auch nicht so trocken wie in der Schule.“

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Das Frühstudium bietet noch weitere Vorteile

„Die Teilnehmer können schon vor dem Abi Uni-Luft schnuppern und haben es beim regulären Studienbeginn dann leichter“, sagt Katrin Balthaus von der Studienberatung der TU Clausthal. Weil Scheine aus dem Frühstudium beim späteren Studium anerkannt werden, können Schülerstudenten zudem die gebührenpflichtige Studienzeit verkürzen und nach dem Abi im Bestfall gleich in höhere Semester einsteigen.

Für viele Schüler ist das Frühstudium zudem eine Orientierungshilfe. „Manch einer findet dabei heraus, dass das angepeilte Studium doch nicht für ihn infrage kommt. Das ist aber besser, als wenn er das erst während des Studiums feststellt und dann abbrechen muss“, sagt Andreas Engel, Professor für Theoretische Physik an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg. Engel gehört zum Auswahlgremium der Hochschule. Pro Semester führt er zwei bis fünf Gespräche mit Schülern, die sich für ein Frühstudium in Physik bewerben. „Dabei klopfe ich unter anderem ab, ob das auch wirklich der Wunsch des Bewerbers ist - und nicht etwa die Eltern die treibende Kraft sind“, sagt Engel.

Voraussetzung sind unter anderem sehr gute Leistungen

Für das Frühstudium müssen Bewerber außer einer Einverständniserklärung der Eltern zudem ein Motivationsschreiben und eine Empfehlung ihrer Schule über sehr gute schulische Leistungen vorlegen. Eine attestierte Hochbegabung ist an den meisten Universitäten aber nicht zwingend nötig. „Wichtiger ist eine ausgeprägte Leistungs- und Lernbereitschaft“, betont Engel.

Die Doppelbelastung ist enorm: Frühstudenten müssen das Studium schließlich parallel zur Schule organisieren. Viele Uni-Kurse finden morgens statt. Nicht alle Schüler werden dafür jedoch vom Unterricht freigestellt - und wenn doch, muss der verpasste Stoff selbstständig nachgeholt werden. Gleichzeitig gilt es, Vorlesungen vor- und nachzubereiten. Weil das Frühstudium oftmals zudem mit langen Anfahrten verbunden ist, bieten einige Hochschulen Fahrtkostenunterstützung an. „Wenn es mehrere Frühstudenten an einem Gymnasium gibt, lassen wir sie auch schon mal mit einem Großtaxi direkt von der Schule abholen“, sagt Balthaus.

Auch die Hochschulen profitieren von Frühstudenten

In Zeiten des Fachkräftemangels und vieler Studienabbrecher kämpfen sie um Nachwuchs. „Wir wollen gute Studenten haben und schon frühzeitig zeigen, was wir ihnen als Uni bieten können“, sagt Professor Andreas Hangleiter, Koordinator des Frühstudiums an der TU Braunschweig. Wichtig sei jedoch, dass Frühstudenten trotz ihrer Immatrikulation immer noch Schüler bleiben. „Das Abi hat stets Priorität“, betont Hangleiter.

Wegen des Turboabiturs seien Jugendliche heute jedoch stärker gefordert. Die Nachfrage der Bewerber ist laut Hangleiter daher zurückgegangen. Auch Tom hat jetzt weniger Zeit. „Als Elftklässler habe ich eine 38-Stunden-Woche. Wenn ich aus der Schule komme, sind die Vorlesungen an der Uni schon gelaufen.“ Tom wird daher in diesem Semester pausieren. Wenn der Stundenplan es in Klasse 12 zulässt, will er jedoch wieder ins Frühstudium einsteigen. Was Tom nach dem Abi machen will, weiß er schon: „Auf jeden Fall Informatik studieren.“

Katja Eggers