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Studium & Beruf Foodstylisten hübschen Essen auf
Mehr Studium & Beruf Foodstylisten hübschen Essen auf
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12:52 08.04.2013
Eingefleischte Experten: Foodstylisten brauchen viel Ausdauer und Geduld, bis alles fürs Foto richtig platziert ist. Quelle: dpa
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Hannover

Zart schmelzende Eiskugeln, knusprig braune Hähnchenkeulen und knackig frischer Salat: Essen sieht auf Fotos immer zum Anbeißen aus. Hinter den Hochglanzbildern steckt jedoch jede Menge Arbeit. Wenn Lebensmittel zu Werbezwecken fotografiert werden, rücken Foodstylisten sie vorher mit viel Aufwand ins rechte Scheinwerferlicht. Dass ein Fotoshooting für eine Grillplatte mehrere Stunden dauert, ist nicht selten.

„Das Auge isst mit. Die Lebensmittel müssen so appetitlich arrangiert werden, dass dem Kunden schon beim Anblick der Fotos das Wasser im Munde zusammenläuft und er das Produkt gern kaufen oder nachkochen möchte“, sagt Miriam Zieske. Die 27-Jährige ist als Foodstylistin bei der Werbeagentur Tristyle in Hannover angestellt. Die Fotos habe sie meistens schnell im Kasten. Die meiste Zeit nehme die Zubereitung der Speisen in Anspruch. „Da wird nichts dem Zufall überlassen und viel getrickst“, sagt Zieske.

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Eine Ausbildung zum Foodstylisten gibt es nicht

Die Schaumkrone beim Bier ist Eischnee, die Eiswürfel in der Cola sind aus Plastik. Für gleichmäßige Bräune beim Hähnchen sorgt ein Bunsenbrenner, für Glanz das Einpinseln mit Jod aus der Apotheke. Die Grillstreifen beim Steak brennt Zieske mit dünnen Metallstreifen ins Fleisch, im Anschluss wird mit braunem Kajalstift nachgezeichnet. „Die Tricks stehen allerdings in keinem Buch“, sagt sie. Wie sich das Essen aufhübschen lässt, hat Zieske vor allem durch Ausprobieren herausgefunden. Denn eine Ausbildung zum Foodstylisten gibt es nicht. Der Begriff ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Foodstylisten seien weder untereinander vernetzt, noch gebe es einen Dachverband. Auch Kurse und Fortbildungen könne man nicht belegen. „Wer den Job ausüben will, kommt meistens auf Umwegen dazu“, sagt Zieske.

Sie selbst ist gelernte Fotografin. So fing sie auch bei Tristyle an. Foodstyling kam erst später dazu. Heute macht Zieske beides. In der agentureigenen Versuchsküche bereitet sie erst die Speisen vor, im Fotostudio drückt sie auf den Auslöser. Das Nachbearbeiten der Bilder am Computer fällt ebenfalls in ihren Aufgabenbereich. „Da werden dann zum Beispiel Dellen im Fleisch wegretuschiert oder Farbtöne intensiviert“, sagt Zieske. Die fertigen Fotos zieren Plakate, Speisekarten, Verpackungen, Kochbücher und Zeitschriften.

Dass Foodstylisten ihre präparierten Gerichte wie Zieske auch selbst fotografieren, ist jedoch die Ausnahme. Die meisten Foodstylisten haben eine Ausbildung als Koch oder Konditor beziehungsweise mitunter ein Studium als Ernährungswissenschaftler absolviert. Praktika bei Foodfotografen oder in Redaktionen sind ebenfalls Möglichkeiten, um in den Beruf hineinzuschnuppern.

Neben Kreativität sind Ausdauer und Geduld gefragt

„Wichtig ist, dass man sich gut mit Lebensmitteln auskennt“, sagt Foodstylist Rainer Meidinger. Der Seevetaler ist gelernter Koch und bringt 17 Jahre Erfahrung in der Sternegastronomie mit. Der Wunsch nach Abwechslung führte ihn zum Verlagshaus Gruner + Jahr. Dort arbeitete er in der Versuchsküche zunächst als kochender Redakteur für die Zeitschrift „essen & trinken“. Wie Zieske hat auch Meidinger viel herumexperimentiert und Foodfotografen bei der Arbeit über die Schulter geschaut. Heute ist der 41-Jährige selbstständig. Bei Shootings arbeitet er mit Fotografen und Requisitenstylisten zusammen, die sich um die passende Tischdekoration kümmern. Wie die Bilder aussehen sollen, wird vorab mit dem Auftraggeber festgelegt. Die Kunden kommen unter anderem aus der Lebensmittelindustrie und der Gastronomie.

Von seiner Arbeit könne er gut leben: Der Verdienst sei besser als der eines Kochs. „Foodstylist ist ein seltener, aber sehr gefragter und krisensicherer Beruf“, sagt Meidinger. Aufträge gebe es genug. Der Job sei im Kommen, der Weg dorthin aber steinig. Die Zahl der Foodstylisten schätzt Meidinger weltweit auf rund 300. Viele hätten sich spezialisiert, etwa auf das Stylen von Bier, Eis oder Backwaren.

Wer in dem Beruf Fuß fassen will, muss außer Kreativität vor allem Ausdauer und Geduld mitbringen. „Manchmal dauert es Stunden, ehe man mit der Pinzette alle Gewürzkörnchen auf dem Teller richtig platziert hat“, sagt Meidinger. Laut Zieske sollten Foodstylisten zudem ein Auge für Farben, Formen und Proportionen sowie ein Händchen fürs Dekorieren haben. Was sie an ihrem Beruf am meisten schätzt? Zieske lacht. „Es wird nie langweilig. Man muss immer neue Herausforderungen meistern, und das Ergebnis sind richtig kleine Kunstwerke.“

Katja Eggers