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Studium & Beruf Die Waldmeister
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00:00 04.05.2013
Gefährlicher Job: Bei Forstwirten steht die Arbeitssicherheit an erster Stelle. Quelle: Niedersächsische Landesforsten
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Hannover

Die Zeiten, in denen der Förster mitten im Wald im idyllischen Forsthaus wohnt und samt Pfeifchen im Mund mit seinem Dackel entspannt auf die Jagd geht, sind lange vorbei. Auch den Waldarbeiter im Karohemd, der mit einer großen Axt riesige Bäume fällt, gibt es längst nicht mehr. Wer heute Förster werden möchte, muss eine Ausbildung zum Forsttechniker oder Forstwirt machen - oder ein Fachstudium absolvieren. Zudem gibt es inzwischen den staatlich anerkannten Beruf als Revierjäger - viele arbeiten auch in beiden Bereichen.

Die Aufgaben sind vielfältig: „Wir sind auch ein Mix aus Gärtner, Schlachter, Bauer und Förster“, sagt Revierjäger Sören Peters. Der 42-Jährige ist für rund 1200 Hektar Wald beim Privatforstbetrieb Schloss Bückeburg (Landkreis Schaumburg) zuständig: „Wir versuchen, die Landschaft wildtiergerecht zu gestalten, die Tiere in ihrem Lebensraum zu erhalten und zu pflegen.“ Dazu zähle auch, einzelne Rehe und Wildschweine zu töten, um zu starke Flurschäden zu verhindern: „Leben und Sterben gehören in der Natur nun mal zusammen.“ Tiere zu erschießen mache aber weniger als fünf Prozent der Jägertätigkeit aus, betont Peters. Auf dem Dienstplan stehen unter anderem auch die Dokumentation von Wildbeständen, der Erhalt und Schutz von Biotopen im Wald sowie das Anlegen und Bewirtschaften von Äsungsflächen für die Tiere.

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Wer Revierjäger werden will, braucht formal nur Führer- und Jagdschein. Aber: „Als erster Beruf ist es eher nicht geeignet. Die Aufgaben sind recht anspruchs- und verantwortungsvoll“, sagt Peters. Außer der Liebe zur Natur und viel Leistungsbereitschaft sollte der Nachwuchs handwerkliches Geschick und am besten landwirtschaftliche Erfahrungen mitbringen.

Peters Azubi Söhren Ralf absolvierte vorher eine Mechatronikerausbildung in einem Schweinemastbetrieb. Jetzt hat der 24-Jährige seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: „Ich bin damit groß geworden. Schon mit acht Jahren haben mich mein Vater, meine Großväter und Onkel zur Freizeitjagd mitgenommen.“ Ralf liebt am Jägerberuf vor allem die Abwechslung, die Arbeit in der Natur und das Erleben der Jahreszeiten: „Ich bin den ganzen Tag im Wald, sehe jede Blume blühen, beobachte die Tiere und wie sie leben.“ Neulich habe er bei Wildschweinen die ersten Frischlinge gesehen. „Solche kleinen Sachen freuen mich besonders“, sagt er. Traurig wird Ralf allerdings, wenn die Leute ihn nur als Tiermörder sehen - denn kein Jäger bringe kaltblütig ein Tier um.

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Nachwuchssorgen haben Jäger nicht: Auf die bundesweit 30 Ausbildungsstellen bewerben sich jährlich bis zu 120 Interessenten. Vor allem in den neuen Bundesländern gebe es nach der Privatisierung von ehemaligen DDR-Staatswäldern viele neue Arbeitgeber, sagt Revierjäger Peters.

Das Interesse am Beruf des Forstwirts geht dagegen mancherorts zurück. „Wir hatten bei den niedersächsischen Landesforsten früher 80 bis 100 Bewerbungen pro Jahr, inzwischen sind es um die 30“, erläutert Forstwirtschaftsmeister André Hanisch. Der 47-Jährige arbeitet auf den 6000 Quadratmetern des Forstamts Saupark in Springe: „Es ist nicht leicht, geeignete Leute zu finden.“ Dabei sei der Beruf zukunftssicher: „Der Rohstoff Holz ist immer sehr begehrt.“ Ein Forstwirt muss körperlich fit sein, Spaß an schwerer Arbeit bei Wind und Wetter sowie Naturverbundenheit und technisches Verständnis für die Maschinen haben - und einen Hang zu Physik, Chemie und Biologie. „Die handwerklichen Tätigkeiten sind eine schöne Sache“, erzählt Hanischs Auszubildender Steffen Sibberns (23): „Die Arbeit mit der Motorsäge macht mir am meisten Spaß.“ Aber der Forstwirt pflanzt auch neue Bäume, schützt und entwickelt die Bestände. Wer Forstwirtschaft an der Fachhochschule oder Forstwissenschaft an der Uni studiert, kann Karriere als Forstamtsleiter oder Revierförster machen.

Eins haben alle Waldberufe gemeinsam: Es sind immer noch klassische Männerjobs. „Wir haben am Anfang immer so zehn Prozent Mädchen, aber viele merken dann doch schnell ihre körperlichen Grenzen“, sagt Hanisch. Noch weniger sind es bei den Jägern: „Es gibt immer nur ein bis zwei weibliche Azubis pro Jahrgang“, erklärt Revierjäger Sören Peters: „Hochsitze bauen und Tiere aus dem Wald schleifen ist halt sehr anstrengend.“ Frauen würden sich daher dann häufig eher auf Bereiche wie Waldpädagogik und Umweltbildung spezialisieren.