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00:17 17.11.2012
Immer mehr Deutsche gehen nach der Arbeit zur Arbeit und rackern in ihrem Zweitjob – zum Beispiel als Taxifahrer.
Immer mehr Deutsche gehen nach der Arbeit zur Arbeit und rackern in ihrem Zweitjob – zum Beispiel als Taxifahrer. Quelle: iStockphoto/El Sombati
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Berlin

Mit ein paar Euro zusätzlich die Haushaltskasse aufbessern - ein Nebenjob klingt für viele sehr verlockend. Aber selbst Spitzenverdiener wie Peer Steinbrück machen derzeit die Erfahrung: Es gibt auch Nachteile. Eines musste der SPD-Kanzlerkandidat als Bundestagsabgeordneter immerhin nicht: Seinen Arbeitgeber um Erlaubnis fragen, ob er sich Geld dazuverdienen darf. Für den normalen Lohnempfänger ist die Sache schon schwieriger. Chefs machen es sich oft ganz einfach - und verbieten Nebentätigkeit im Arbeitsvertrag komplett.

Dabei dürfen sie das gar nicht, betont die Berliner Arbeitsrechtsexpertin Martina Perreng vom DGB: „Das würde dem Arbeitgeber eine zu große Verfügungsmacht über die Freizeit des Beschäftigten einräumen.“ Allerdings kann der Chef verlangen, dass diese Tätigkeit erst nach seiner Genehmigung aufgenommen wird. Die Erlaubnis aber darf er nur dann verweigern, wenn seine eigenen Geschäftsinteressen dem Nebenjob entgegenstehen.

Wer beispielsweise morgens ständig völlig übermüdet im Büro erscheint, weil er die halbe Nacht Taxi gefahren ist, der bekommt höchstwahrscheinlich Ärger mit seinem Vorgesetzten. Eine Abmahnung und sogar die Kündigung können die Folge sein.

Doch nicht jede Tätigkeit ist automatisch ein klassischer Nebenjob, erläutert Fachanwalt Hans Imhof aus Potsdam: „Dinge, die der privaten Lebensführung zuzuordnen sind, wie ebay-Handeln, Flohmarkt, das Schreiben eines Buches oder auch das unentgeltliche Babysitten aufgrund von Nachbarschaftshilfe oder Freundschaftsdiensten sind keine Nebentätigkeit in dem Sinne, dass hier eine Erlaubnis erteilt werden muss.“

Aber was passiert, wenn jemand im Nebenjob einen Unfall erleidet und deswegen auch im Hauptberuf ausfällt? Kann der Chef dann die Lohnfortzahlung verweigern? „Nein, das darf er nicht“, beruhigt der hannoversche Steuerberater Karl Wieczorek: „Ein solcher Unfall ist genauso zu behandeln, wie wenn er in der Freizeit passiert wäre.“

Anspruch auf Lohnfortzahlung gilt grundsätzlich auch in einem Minijob, sogar auf bezahlten Urlaub. „Die Frage ist allerdings, wie das in der Realität gehandhabt wird“, gibt Wieczorek zu bedenken: „Gerade bei Minijobs zahlen Arbeitgeber oft nur dann Lohn, wenn auch tatsächlich gearbeitet wird.“

Unabhängig vom Wohlwollen des Chefs müssen auch arbeitsrechtliche Vorschriften beachtet werden. So darf insgesamt nicht mehr als acht Stunden pro Werktag oder 48 Stunden in der Woche gearbeitet werden. Urlaub dient der Erholung, somit würde ein Nebenjob währenddessen diesem Zweck widersprechen. Und wer bei Krankschreibung nebenbei arbeiten geht, riskiert die fristlose Kündigung.

Studierende sollten darauf achten, dass sie die Höchstarbeitszeit von 20 Stunden pro Woche nicht überschreiten: „Die Krankenkassen könnten Nachforderungen anmelden“, sagt Ole Petersen-Wemheuer vom Hochschulinformationsbüro Hannover. Bafög-Empfänger dürfen nicht mehr als 400 Euro im Monat beziehungsweise 4800 Euro im Jahr verdienen: „Auch bei geringer Überschreitung muss das gesamte Bafög zurückgezahlt werden.“

Bezieher von Arbeitslosengeld I müssen einen Nebenjob grundsätzlich anmelden. Wichtig dabei: „Der Nebenverdienst muss immer unter 15 Wochenstunden bleiben, weil sonst der Anspruch auf Arbeitslosengeld ganz wegfällt“, informiert Thomas Bohse von der Arbeitsagentur in Kiel. Und: „Bis zu 165 Euro monatlich können anrechnungsfrei hinzuverdient werden.“ Alles, was darüber hinausgeht, wird auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Übrigens: Auch Beamte brauchen für Nebentätigkeiten eine schriftliche Genehmigung des Arbeitgebers.

Im Minijob bis 400 Euro dazuverdienen

Eine beliebte Form der Nebentätigkeit ist der sogenannte Minijob. In diesem Teilzeitarbeitsmodell können bis zu 400 Euro im Monat sozialversicherungs- und steuerfrei verdient werden – brutto gleich netto. Das bedeutet aber auch: Man ist nicht kranken- und rentenversichert. Der Arbeitgeber muss trotzdem zusätzlich zum Lohn eine Pauschale in Höhe von etwa 30 Prozent des Verdienstes für Krankenversicherung, Rente und Lohnsteuer abführen. Der Minijobber ist unfallversichert und hat Anspruch auf Lohnfortzahlung sowie bezahlten Urlaub. Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gibt es nicht. Es besteht die Möglichkeit, freiwillig 15 Prozent des Lohnes in die Rentenversicherung einzuzahlen.

Weitere Informationen finden Sie unter
www.minijob-zentrale.de
www.nebenjobs.info
www.nebenjob.de
www.arbeitsrecht.de

Harald Grube