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Berufsperspektiven Nach dem Zweifel kam der Mut
Mehr Studium & Beruf Berufsperspektiven Nach dem Zweifel kam der Mut
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12:12 04.09.2019
Erst Pharmazie, jetzt Betriebswirtschaft: Caroline Karrenbauer hat im zweiten Anlauf das richtige Studium gefunden. Entscheidend ist dabei auch der Praxisanteil.  Quelle: Peter Steffen

Fast ein Drittel aller Bachelorstudenten in Deutschland bricht das Studium ab. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Überforderung, zu viel Theorie, schlechte Betreuung, finanzielle Probleme oder Frustration wegen der Inhalte. Ein Studienabbruch kann aber auch ein neuer beruflicher Anfang sein. Denn Studienabbrecher sind in der Wirtschaft gefragt – sie bringen wichtige Vorqualifikationen für eine neue Berufsausbildung mit und können gezielt eine nicht akademische Karriere einschlagen. Der Mangel an Fachkräften begünstigt die Chancen auf interessante Fach- und Führungsaufgaben. Eine Möglichkeit ist der Einstieg in eine duale Berufsausbildung.
Diesen beruflichen Weg hat Caroline Karrenbauer eingeschlagen. Zunächst hatte die 21-Jährige ein Pharmaziestudium an der Technischen Universität in Braunschweig begonnen – ihr Traumberuf. Ihre Mutter ist Apothekerin, und sie hätte die Apotheke einmal übernehmen können. Caroline Karrenbauer zog nach Braunschweig, dort war alles super – bis auf das Studium, sagt sie. „Täglich von 8 bis 17 Uhr Unterricht, vormittags Theorie und nachmittags im Labor“, erinnert sich die junge Frau. Und dann habe sie nach zehn Stunden noch alles nacharbeiten müssen. Inhaltlich sei so viel Chemie gefordert gewesen, das habe sie nicht gewusst. Es gab Zwischenklausuren und alle zwei Wochen Zwischenprüfungen – das sei einfach zu viel gewesen. Caroline Karrenbauer ist Leistungssportlerin und reitet – für ihr Pferd blieb keine Zeit mehr.

Gelerntes gleich anwenden
„Mir war bereits im zweiten Semester klar, dass ich das Studium abbrechen werde“, sagt die junge Frau. Sie habe sich nach neuen Studiengängen umgesehen und sei erst einmal immatrikuliert geblieben. Für den betriebswirtschaftlichen Bereich in der Apotheke hatte sich die 21-Jährige zuvor auch schon interessiert – und so fiel die Wahl auf ein Betriebswirtschaftsstudium. „Ich habe mich bewusst für eine Fachhochschule entschieden, weil ich ein praktischer Mensch bin und die Praxis brauche“, sagt Caroline Karrenbauer. Und sie wollte in ihrer Freizeit wieder reiten und nicht immer nur lernen.
Mit dem dualen Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft (FHDW) Hannover ist sie glücklich. Die 21-Jährige studiert im dritten Semester und arbeitet derzeit im Praktikum bei Continental. „Jetzt ist es so, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagte sie. „Das, was ich lerne, kann ich auch anwenden.“ Ein Praktikum im Bereich Eventmanagement hat sie schon gemacht, ins Vertriebsmarketing möchte sie später noch.

Keine Massenabfertigung
Die FHDW bietet ihren Studenten ein duales Studium mit kurzen Studienzeiten, einem familiären Umfeld und orientiert sich an den Anforderungen der Wirtschaft. Genau das hat Caroline Karrenbauer angesprochen. „Das Bachelorstudium besteht einerseits aus Vorlesungen an der Hochschule, andererseits aus Praktika in Unternehmen“, erklärt Renate Jacobs, Sprecherin an der FHDW Hannover. Es gebe keine überfüllten Hörsäle, gestresste Professoren oder Massenabfertigung und Anonymität. Die Studierenden haben stets einen direkten Kontakt zu den Professoren. Auch außerhalb von Vorlesungen und Seminaren finde sich Zeit für individuelle Betreuung, für Beratung und proaktive Studienbegleitung bis zum Studienabschluss, sei es Bachelor, Master oder gar Promotion.
Das Pharmaziestudium abzubrechen ist Caroline Karrenbauer sehr schwer gefallen. „Ich war bis dahin sehr zielstrebig, und es hat immer alles geklappt. Von daher war es hart, mir selbst einzugestehen, dass ich gescheitert bin“, sagt die Studentin. Das habe aber auch Mut erfordert, man müsse sich trauen, einen Schnitt zu machen. Und sie habe eine bewusste Entscheidung für etwas anderes getroffen. Für die Zeit an der Uni ist sie trotzdem dankbar: „Nun weiß ich genau, was ich nicht machen will“, sagt sie. Das ginge auch anderen so: Von den rund 100 Studenten, die mit ihr das Pharmaziestudium begonnen haben, seien nach drei Semestern nur noch 60 übrig geblieben.

Die Agentur für Arbeit Hannover bietet für Zweifelnde im Studium eine offene Sprechstunde an – immer donnerstags von 12 bis 14 Uhr in der Arbeitsagentur, Escherstraße 17. An diesem Tag sind auch das Jobcenter und Berater des Projekts „Umsteigen statt aussteigen“ der Region Hannover als Ansprechpartner vor Ort. Dieses Angebot ist aus dem „Runden Tisch Studienabbruch“ entstanden, einem Netzwerk von Beratungseinrichtungen in Hannover. Zu den Netzwerkpartnern gehören neben der Agentur für Arbeit Hannover unter anderem die Handwerkskammer Hannover, die Industrie- und Handelskammer Hannover, das Jobcenter Region Hannover, die Universität Hannover und die Hochschule Hannover.

Von Martina Steffen

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