Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Gesundheit HIV-Infektion steigert Risiko für Vorhofflimmern deutlich
Mehr Gesundheit HIV-Infektion steigert Risiko für Vorhofflimmern deutlich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:46 18.09.2019
Eine Studie zeigt jetzt, dass HIV-Infizierte ein 80 Prozent höheres Risiko haben, Herz-Kreislauferkrankungen zu erleiden.
San Francisco

Eine HIV-Infektion steigert offenbar das Risiko für Vorhofflimmern deutlich – und damit auch für Schlaganfall und Herzschwäche. Eine kalifornische Studie kommt zu dem Schluss, dass die Gefährdung mit der durch Bluthochdruck vergleichbar ist und die durch Diabetes deutlich übersteigt. Das berichten Mediziner um Gregory Marcus von der University of California in San Francisco im „Journal of the American College of Cardiology“ (JACC). „Weil Vorhofflimmern ohne Symptome auftreten und ein Schlaganfall ein erstes Anzeichen sein kann, ist es wichtig, dass Mediziner gefährdete Patienten kennen“, erklärt Marcus.

Herz-Kreislauferkrankung auch bei jungen HIV-Infizierten

Von dem höheren Risiko zu wissen biete die große Chance, gezielt darauf untersuchen und dagegen vorgehen zu können, betont Stefan Esser vom Universitätsklinikum Essen, der mit „HIV & Heart“ die größte nationale Studie zu Herz-Kreislauferkrankungen bei HIV leitet. Das Risiko sei bei jungen HIV-Infizierten so hoch wie beim Rest der Bevölkerung erst etwa ein Jahrzehnt später – ein Arzt denke bei einem jungen Menschen nicht automatisch an mögliche kardiovaskuläre Probleme.

Auch lesen: Zahl der sexuell übertragbaren Infektionen steigt

Hohes Risiko bei Patienten ohne Bluthochdruck

Die Forscher um Marcus hatten die Daten von fast 17,3 Millionen Einwohnern Kaliforniens ab 21 Jahren ausgewertet, die von Anfang 2006 bis Ende 2011 ambulant oder stationär behandelt wurden. Etwas mehr als 18.200 von ihnen waren mit HIV infiziert. In den folgenden knapp fünf Jahren wurden bei den Teilnehmern gut 625.000 Diagnosen von Vorhofflimmern gestellt – knapp 1100 davon bei den HIV-Patienten. Nach Berücksichtigung des Alters und von Risikofaktoren wie Rauchen und Alkoholkonsum entfielen auf sie erheblich mehr Diagnosen je 100 Menschen als bei der übrigen Bevölkerung. Besonders stark erhöht war das Risiko demnach bei jüngeren Patienten und solchen ohne Bluthochdruck.

Vorhofflimmern bei HIV-Infizierten um 80 Prozent höher

Generell, so berechnen die Forscher, steigere eine HIV-Infektion das Risiko für Vorhofflimmern um 80 Prozent. Zum Vergleich: Bluthochdruck erhöht die Gefährdung demnach um 89 Prozent, Diabetes um 22 Prozent. Schon frühere Studien hatten ergeben, dass HIV-Patienten eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauferkrankungen haben, die den Forschern zufolge zumindest teilweise auf die antivirale Therapie zurückgeht. „Ärzte sollten sich bei HIV-infizierten Patienten dieser Beziehung bewusst sein“, rät Marcus. So könnten sie eher die Diagnose stellen und Therapien wie die Verordnung von Blutverdünnern einleiten. Dies kann das Risiko etwa für Schlaganfälle deutlich senken.

Schon frühere Studien hatten ergeben, dass HIV-Patienten ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle haben. „HIV ist inzwischen gut behandelbar“, erklärt Esser. „Das hat deutlich werden lassen, dass HIV-Infizierte im Mittel nicht ganz die gleiche Lebenserwartung haben wie die übrige Bevölkerung.“ Studien wie die vorliegende klärten nun nach und nach einzelne Ursachen dafür auf.

Auch interessant: Herzstolpern: Ist ein unregelmäßiger Puls gefährlich?

RND/dpa

Der Fall weckt Erinnerungen an den Contergan-Skandal: Was verursachte die Fehlbildungen an den Händen von drei Neugeborenen in Gelsenkirchen? Darüber spricht ein Pränataldiagnostiker im RND-Interview.

18.09.2019

Erstmals hat die Weltgesundheitsorganisation WHO in diesem Jahr den Tag der Patientensicherheit initiiert. Durch Gefahren wie Keime in Krankenhäusern nehmen jährlich Millionen Menschen Schaden. Wer einige Tipps beachtet, kann sich und andere im Alltag vor gesundheitlichen Risiken besser schützen.

17.09.2019

Nach Todes- und Krankheitsfällen reißt die Diskussion um E-Zigaretten in den USA nicht ab. Jetzt haben Wissenschaftler einen möglicherweise krebserregenden Geschmacksstoff in einigen Produkten entdeckt. Könnte der Stoff auch in E-Zigaretten auf dem deutschen Markt stecken?

17.09.2019