Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Restauranttests Im „993“ in der Südstadt gibt es Genuss ohne Ende
Mehr Essen & Trinken Restauranttests Im „993“ in der Südstadt gibt es Genuss ohne Ende
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:53 05.08.2019
Konzept: Jan Alexander Falke bietet im „993“ je neun Vor- und Hauptspeisen und drei Desserts an. Quelle: Heidrich

Ambiente

Das „993“ ist in dem in der Gastroszene derzeit sehr beliebten skandinavischen Stil eingerichtet. Man nimmt auf bequemen grauen oder ledernen Sesseln an Holztischen Platz, auf denen Teelichter und (etwas schlappe) Frühlingssträußchen stehen, die Wände sind hellgrau gehalten, an den Wänden spenden marokkanische Lampen sanftes Licht. Sieben Vierer- und Zweiertische stehen in dem kleinen Restaurant, drei weitere auf einer Empore, an denen an diesem Abend fast ausschließlich Frauen Platz nehmen. Ob die beim Gang auf die Toilette amüsiert sind? „993“-Chef Jan-Alexander Falke gefiel es, die Tür der Herrentoilette mit dem Wort „bla“ zu kennzeichnen und der Damentür die Aufschrift „bla bla bla“ zu verpassen. Diese plumpe Anspielung auf eine generelle weibliche Redseligkeit ist in einem Restaurant, das mit Stil und Niveau punkten will, völlig fehl am Platz.

Es dominieren Holz und sanfte Farben. Quelle: Christian Behrens

Service

Unser Kellner ist auf liebenswerte Weise unbekümmert. Er wird nicht hektisch, als er lange braucht, um unseren Namen in der Reservierungsliste zu finden und kommt schließlich mit dem Satz „So, jetzt habe ich Zeit“ an unseren Tisch. Ähnlich zerstreut geht es weiter durch den Abend, unsympathisch ist der junge Mann aber nicht.

Essen & Trinken

Mit Gaues kräftigem Ochsenbrot und einer Tomatenbutter schickt die Küche einen köstlichen Gruß an den Tisch.

Quelle: Heidrich

„Sellerierahm/Jacobsmuschel“ (neun Euro) heißt die Vorspeise, die uns schlicht begeistert. Die Selleriesuppe hat ein sanft erdiges Aroma, ist schaumig aufgeschlagen und umschmiegt zwei hervorragend gebratene, leicht gebräunte Jacobsmuscheln. Zwei Stangen grüner Spargel mit dem richtigen Biss runden das großartig ausgewogene Aroma ab.

Das große Schwärmen geht weiter, als wir uns den Hauptgerichten widmen. „Erbsen Ravioli/Sot’Ly’Laisse/Geflügeljus“ (19,50 Euro) ist eine gekonnte Komposition, die man ein bisschen erklären muss. Hinter Sot’Ly’Laisse verbergen sich Pfaffenschnittchen – das sind wunderbar zarte Minifilets vom Geflügel. Sie verbinden sich auf dem Teller mit Ravioli, die mit Erbsen, Parmesan und Ricotta gefüllt sind. Das alles wird von einer tollen Geflügeljus umgeben und mit frischem Erbsengrün gekrönt. Selten gönnte ein Koch der Erbse so einen prächtigen Auftritt, die kleine Gemüsekugel hat es definitiv verdient.

Die Beschriftung der Herren- (links) und Damentoilette (rechts). Quelle: Christian Behrens

Der Genuss nimmt kein Ende: Das Gericht „Geschmorte Rinderbacke/Kartoffelpüree/gebratene Champignons“ (18 Euro) ist der nächste Höhepunkt. Das mürbe Fleisch zerfällt auf der Gabel, der Kartoffelstampf durfte sich mit viel frischem Schnittlauch verbinden, die grünen Bohnen sind auf den Punkt gegart, die Champignons schmecken nach eigener Ernte – und von der sämigen, dunklen Sauce könnten wir uns für den Rest unseres Lebens ernähren. Auf unserem Tisch standen keine Salz- und Pfefferstreuer – wozu auch?

Auch bei der Getränkeauswahl wird mit dem Konzept 933 gespielt. Quelle: Christian Behrens

Fazit

Angesichts der ausgezeichneten Qualität der Küche ist das Preis-Leistungsverhältnis im „993“ wirklich beeindruckend. Sieht man von dem kindsköpfigen Toilettenscherz ab, ist dieses Restaurant ein neues Glanzlicht in Hannovers Gastroszene.

Restaurant 993

Stüvestraße 10

30173 Hannover

Telefon: 0511/56 37 77 42

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Donnerstag 12-14 Uhr und 17-0 Uhr; Freitag, Sonnabend, Sonntag 12-14.30 Uhr und 17-0 Uhr.

Für Kinder geeignet – Ja; Hunde willkommen – Ja; Veganes Gericht – Nein; Raucherzimmer – Nein; Barrierefrei – Nein.

Wie bezahlen? Bar, EC, Mastercard, Visa

Von Julia Braun