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Restauranttests „Casper`s“ in der Altstadt: Nur das Design glänzt
Mehr Essen & Trinken Restauranttests „Casper`s“ in der Altstadt: Nur das Design glänzt
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18:09 27.02.2019
COOLE BAR, COOLER WIRT: Stephan Pietsch leitet das Restaurant mit der bunten Theke an der Knochenhauerstraße. Drinks werden verziert serviert. Quelle: Fotos: Heusel

Ambiente: Man betritt das „Casper’s“ und staunt – die Bar in dem Lokal in der Altstadt ist aufsehenerregend. Die Flaschen auf den Regalen strahlen in grünem Licht, die Einrahmung ist mit knallbunter Graffitikunst versehen. Ein mutiges Design und eine wohltuende Abgrenzung zu dem derzeit in Hannovers Gastronomie grassierenden Backstein-Industrial-Ambiente. Goldene Wände und Spiegel harmonieren mit blutroten Vorhängen, auf den elf Zweier- und Vierertischen stehen Teelichter und an den beiden Hochtischen an den Fenstern können Gäste das Treiben auf der Knochenhauerstraße betrachten (sofern sie einen belebten Altstadtabend erwischt haben). Steigt man die Treppe zu den Toiletten hinab, steht man in einem weiteren Barbereich – hier plant Stephan Pietsch in Zukunft, hin und wieder Partyabende zu veranstalten.

Service: Der Chef schmeißt Bar und Service, und das tut er äußerst charmant. Pietsch nimmt sich Zeit am Tisch, wirkt durchweg persönlich und nahbar, hat Humor und ist den ganzen Abend über ein aufmerksamer Gastgeber. Da für uns beim Service auch der Internetauftritt eine Rolle spielt, würden wir uns einen aktuelleren Auftritt inklusive Speisekarte wünschen – das soll in naher Zukunft erfolgen. So müssen wir uns schnell Notizen machen, als der Chef seine Special-Tage aufzählt: Dienstags kosten alle Schnitzel acht Euro, mittwochs gibt es Burger für sechs Euro, donnerstags Pizzen für fünf Euro.

Der Außenanblick. Quelle: Nancy Heusel

Essen & Trinken: Damit wäre der Charakter der Speisekarte grob umrissen. Im „Casper’s“ gibt es gängige Sattmacher, dazu Steaks, Salate, Vorspeisen, Kleinigkeiten wie Currywurst oder Chili con Carne und drei Desserts. Als Gruß aus der Küche kommt eine hausgemachte, cremig-sanfte Aioli mit warmem Ciabatta, ein guter Start. Da die Getränkekarte unter der Rubrik Wein genau drei Sorten ausweist („Rotwein, Weißwein, Rosé“) fragen wir nach und bekommen den Hauswein, einen ordentlichen Merlot (0,2 Liter fünf Euro), serviert. In doppelter Hinsicht süß: Die Maracujaschorle (0,4 Liter vier Euro) ist mit einem Spieß mit Mäusespeck verziert.

Wir teilen uns vorab kleine krosse Mozzarellasticks mit süßem Chilidip (fünf Euro). Da Pizzatag ist, ordern wir eine Margherita (fünf Euro) und entscheiden uns außerdem für das „Schnitzel Sambal“ mit Pommes und kleinem Salat (zehn Euro). Die Pizza ist mit frischem Basilikum und etwas zu viel Käse belegt, ansonsten fluffig und in Ordnung. Auch das imposante Schnitzel ist gut gebraten, die hellgoldenen Pommes sind schön kartoffelig, die pikante, etwas dünne Sambalsauce dürfte cremiger sein.

So sieht das Lokal von innen aus. Quelle: Nancy Heusel

So lässt uns dieses Abendessen etwas ratlos zurück. Weder war ein Flop dabei, noch haben wir ein kulinarisches Highlight entdeckt. Vor allem aber will die Komposition der Karte – mehr oder weniger ambitionierte Kneipenkost – nicht zu dem entschlossenem Ambiente des „Casper’s“ passen. Schnitzel, Burger und Pizza sind kein Alleinstellungsmerkmal. Eine Graffiti-Bar und ein optisch und gastgeberisch beeindruckender Wirt dagegen sehr.

Fazit: In mehrfacher Hinsicht ist das „Casper’s“ ein neues Highlight in der Altstadt, und die hat Glanzlichter nötig. Richtig rund wäre die Sache, wenn sich das Innovative in der Karte widerspiegeln würde.

Von Julia Braun

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