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11:07 26.08.2019
Baufinanzierung
Quelle: Christin Klose/dpa-tmn

Bauen wird meist teurer als gedacht. Es sind nicht nur Extrawünsche der Bauherren wie die teuren Fliesen, die zusätzlich zu Buche schlagen. Mangelhafte Arbeiten auf der Baustelle oder die Insolvenz des mit dem Bauvorhaben beauftragten Unternehmens können jedes Vorhaben ins Wanken bringen.
„Ist dann die Baufinanzierung nicht großzügig genug angesetzt, droht eine Finanzierungslücke“, warnt Rechtsanwalt Philip Pürthner, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht (ARGE Baurecht) im Deutschen Anwaltverein. „Das bedeutet eine teure Nachfinanzierung oder im schlimmsten Fall sogar einen Baustopp.“

Keller kann Kostenfalle sein
Oft ist zum Beispiel das Baugrundgutachten nicht Bestandteil des Bauvertrages. Aber es ist notwendig, denn ein Keller lässt sich erst seriös kalkulieren, wenn der Baugrund bekannt ist. Und ein schwieriger Baugrund kann den Keller um bis zu 40 000 Euro verteuern, im Extremfall sogar noch mehr.
Eine Kostenfalle können auch Bereitstellungszinsen sein. „Wer selbst baut oder bauen lässt, kann zu Beginn nur schwer einschätzen, ob die Arbeiten wie geplant verlaufen und wann Teilbeträge des Baudarlehens tatsächlich gebraucht werden“, sagt Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbunds. Wird das Geld nicht abgerufen, verlangt die Bank Bereitstellungszinsen, die fast immer bei 3 Prozent pro Jahr liegen. Das bedeutet: Wer 100 000 Euro ein Jahr lang nicht nutzt, muss dafür 3000 Euro Zinsen bezahlen. „Häufig haben Bauträger, Architekten und Makler mit den Objektunterlagen bereits ein Finanzierungskonzept im Gepäck“, so Becker. Kunden sollten darauf achten, dass ihre Baufinanzierung nicht von der Stange kommt, sondern an ihre finanziellen Möglichkeiten angepasst sind.

Gesamtkosten aufschlüsseln
Wichtigste Eckdaten sind das Lebensalter und der Zeitpunkt, zu dem sie wieder schuldenfrei sein wollen. Bei niedrigen Zinsen sollte der anfängliche Tilgungssatz bei mindestens drei Prozent liegen.
Um böse Überraschungen schon im Vorfeld auszuschließen, empfiehlt Philip Pürthner, einen Baufinanzierungsplan aufzustellen, der die Gesamtkosten des Bauvorhabens aufschlüsselt. Hierunter fallen die Anschaffungskosten für den Erwerb des Grundstückes, die Herstellungskosten von den Bau- über die Rohbau- bis hin zu den Ausbauarbeiten, aber auch die Baunebenkosten. Diese machen nicht selten 20 Prozent des Gesamtbetrages aus.  

Baufinanzierungsplan strukturieren
Der Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht rät, den Baufinanzierungsplan nach Eigen- und Fremdmitteln zu strukturieren. Für die Kredite sollte das Tilgungsziel festgeschrieben werden, also in welchem Zeitraum das Geld zurückzuzahlen ist. Außerdem die Zinsbindung, also für welchen Zeitraum der festgelegte Zinssatz gilt, und um welche Form von Darlehen es sich handelt.
„Die monatlichen Raten sollten möglichst so geplant werden, dass sie auch aufgebracht werden können, wenn etwas dazwischenkommt“, betont Alexander Krolzik von der Verbraucherzentrale Hamburg. Inklusive der Nebenkosten für das Wohnen sollte die monatliche Belastung nicht bei mehr als 40 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens liegen.

Finanzplanung: Leichter zum Kredit
„Welchen Zins der Kunde bekommt, entscheidet die Bank erst, wenn sie umfassende Angaben über sein Einkommen, Vermögen, die berufliche Situation und finanzielle Verpflichtungen hat“, sagt Florian Becker. Darüber hinaus spielt die Bewertung der Immobilie eine wichtige Rolle.

Katja Fischer

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