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Bauen & Wohnen Überraschungen auf den zweiten Blick
Mehr Bauen & Wohnen Überraschungen auf den zweiten Blick
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00:50 10.09.2011
Überraschender Stauraum: In den Treppenstufen finden Schubladen Platz.Foto: DVA/Kottjé/dpa/tmn
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Einbaumöbel bilden im Dreiklang mit Architektur und Inneneinrichtung oft beeindruckende Wohnwelten. In den vergangenen Jahren entwickelten Planer und Hausbauer immer raffiniertere Ideen, die oft erst auf den zweiten Blick ihren Charme offenbaren – um dann umso mehr zu überraschen.

Der versteckte Schrank unter der Treppe ist der Klassiker unter den Einbaumöbeln. Aber auch der Klassiker kann überraschen: Eine ganze Spielecke kann hinter Flügeltüren unter dem Treppenverlauf Platz finden, erläutert Architekt Johannes Kottjé aus Marktredwitz (Bayern), der in einem Ratgeber Beispiele für raffinierte Einbaumöbel gesammelt hat. Mit wenigen Handgriffen kann alles elegant verschlossen werden.

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Auch den Innenraum von Treppen kann man mit der Hilfe eines Schreiners als Stauraum nutzen: Breite Treppenstufen können Schubladen beherbergen, schlägt Kottjé vor. Sie werden mit verdeckten Mulden aufgezogen. Auch in der Wandverkleidung an den Seiten des Treppenaufgangs könnten Regale verschwinden, etwa als Lagerraum für Schuhe.

Projekte wie diese seien auch für knappe Finanzen etwas, sagt Kottjé, zum Beispiel nach dem Immobilienkauf. „Viele dieser Ideen lassen sich auch eine Nummer kleiner umsetzen oder mit weniger teuren Materialien.“ Dennoch gilt: Auch wenn viel Raum mithilfe eines Schreiners passgenau gut genutzt werden kann, Einbaumöbel sind eine Geldfrage. „Alles, was ins Budget passt, kann auch umgesetzt werden. Ist die Finanzierung ein Problem, sollte ein guter Architekt immer auch preiswertere Alternativen aufzeigen können“, rät Kottjé.

Einbaumöbel sind immer Maßanfertigungen“, erläutert Dagmar Arnold vom Bundesinnungsverband für das Tischler-Schreinerhandwerk in Berlin. Neben den Wünschen und Vorstellungen des Kunden spielen die „Koordinaten“ des dazugehörigen Raums die entscheidende Rolle. „Der Kunde hat den Vorteil, dass er Material, Farbe, Oberfläche und Form für sich bestimmen kann, um den Raum optimal zu nutzen“, erklärt Arnold.

Sie schätzt, dass der Marktanteil der Einbaumöbel in Deutschland bei rund 20 Prozent liegt. Ursula Geismann, die Trendexpertin des Verbands der Deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef, beziffert den Marktanteil auf 15 bis 20 Prozent. „Allerdings ist bei dieser Zahl auch die klassische Einbauküche mit dabei“, sagt Geismann. Sie erläutert, dass sich Grundrisse von Häusern und Wohnungen immer mehr verändern. Entsprechend würden sich auch die Möbelformate ändern. „Und doch sind wir weit von amerikanischen Verhältnissen entfernt. Die USA sind ein Land von Einbaufreaks, dort können Sie keine Wohnung ohne Einbaumobiliar vermieten oder verkaufen.“

In Deutschland werden Möbel meist passgenau eingebaut, wo kaufbare Alternativen fehlen: Klassiker sind Kleiderschränke im Schlaf- oder Ankleidezimmer, Bücherschränke für Wandnischen im Wohnraum, TV-Wände oder Schrankwände in besonders beengten Räumen wie dem Hausflur. Auch findet man häufig ausziehbare Gästebetten, versteckt unter einem maßgeschneiderten Bett oder hinter einer Wandverkleidung.

Dagmar Arnold schränkt allerdings etwas ein: „Nicht jede Idee ist auch umsetzbar. Deshalb raten wir dazu, einen sogenannten Objekter bei der Planung einzubeziehen. Er ist dann für die Umsetzung und die Einrichtung zuständig und hat mit seiner Erfahrung das große Ganze im Blick.“ Geismann rät, drei verschiedene Angebote von Handwerkern einzuholen, bevor der Auftrag vergeben wird. „Legen Sie vorher das gewünschte Material fest. Die Arbeitsstunden werden meist fair berechnet, aber die Holzpreise sind sehr unterschiedlich.“ Im Trend liegen bei Möbeln derzeit weiße und glatte Oberflächen. „Das wirkt alles sehr zeitlos, und die Oberflächen wirken noch mehr dem Raum angepasst. Alles scheint größer und geräumiger“, sagt Kottjé. Das bestätigt auch Geismann: „Weiß ist aktuell die Megafarbe.“

Von Carsten Linnhoff/dpa/tmn

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