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Bauen & Wohnen Tipps für die erste eigene Wohnung
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00:29 01.09.2012
Mehr als nur bunte Farbe für die Wand: Junge Leute müssen lernen, auf sich gestellt zurechtzukommen.dpa/tmn
Junge Leute müssen lernen, auf sich gestellt zurechtzukommen. Quelle: dpa/tmn
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Wuppertal

Morgens ewig ausschlafen, ohne dass jemand rummeckert, das Zimmer aufräumen, wann man will und sich tagelang von Tiefkühlpizza ernähren: Argumente für die eigenen vier Wände gibt es viele. Sie gelten nicht nur für Studenten, auch schon viele Jugendliche packen irgendwann ihre Sachen und ziehen in die erste eigene Wohnung.

Bei den meisten Eltern kommen erst einmal Bedenken auf, wenn sie von den Auszugsplänen hören. „Sie denken, das ist zu früh“, sagt Beate Friese vom Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“ in Wuppertal. Dabei spreche nichts dagegen, schon als Teenager auszuziehen. „Im Gegenteil, es ist gut, seine Erfahrungen zu machen und zu schauen, wie man auf sich gestellt zurechtkommt.“ Denn wer mit dem Auszug warte und später gleich mit dem Freund oder der Freundin zusammenziehe, wohne nie alleine. Außerdem bleibe Jugendlichen manchmal gar keine andere Wahl - etwa wenn sie eine Lehre an einem anderen Ort anfangen.

Wer noch nicht volljährig ist, muss dabei einiges bedenken. „Minderjährige sind nach dem Gesetz beschränkt geschäftsfähig“, erklärt Rechtsanwalt Thomas Hannemann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwaltverein in Berlin. Das bedeutet, dass sie Verträge nicht rechtswirksam unterschreiben können. Will man also unter 18 Jahren alleine wohnen, braucht man die Einwilligung der Eltern oder des gesetzlichen Vertreters. Darin könne zum Beispiel stehen, dass sie damit einverstanden sind, dass der Jugendliche einen Mietvertrag unterschreibt und sich beim Stromanbieter anmeldet. Eltern können in dem Dokument auch einen Höchstbetrag festlegen. So sichern sie sich ab, dass sie die Kosten nur bis zu einer bestimmten Summe übernehmen müssen.

Eine andere Möglichkeit ist, dass Eltern selbst die Verträge unterschreiben. Damit sind sie zum Beispiel Mieter und lassen ihren Sohn oder ihre Tochter in die Wohnung einziehen. „Für die Vermieter hat das meist den Vorteil, dass sie die Eltern nicht noch extra als Bürgen für die Mietzahlungen aufnehmen müssen“, sagt Hannemann. In diesem Fall könnten die Eltern den Vertrag auch wieder kündigen - selbst gegen den Willen des Kindes.

Ist eine Wohnung gefunden, geht es ans Einrichten. „Viele nehmen einiges aus ihrem Kinderzimmer mit“, sagt Beate Friese. Alles neu zu kaufen sei für die meisten Jugendlichen zu teuer. „Es lohnt sich, im Familien- und Bekanntenkreis nachGeschirr, Besteck und Möbeln herumzufragen.“ Ansonsten könnten sie sich zum Geburtstag und zu Weihnachten Geld wünschen, um zum Beispiel ein Sofa zu kaufen.

Wer in eine eigene Wohnung zieht, muss sich auch um Versicherungen Gedanken machen. Relevant ist etwa eine Haftpflichtversicherung: „Kinder sind über ihre Eltern mitversichert, auch wenn sie nicht mehr zu Hause wohnen - vorausgesetzt, sie sind ledig und noch in der Schule oder in Ausbildung“, sagt Anwalt Hannemann. Wer selbst Geld verdient, sollte eine eigene Privathaftpflichtversicherung abschließen. Wichtig kann auch eine Hausratversicherung sein. Sie kommt beispielsweise bei Feuer und Einbruch für Schäden an Haushaltsgeräten und Möbeln auf. Nach dem Umzug müssen sich Jugendliche beim Einwohnermeldeamt ummelden. Ist der Lebensmittelpunkt bezogen auf ein Jahr überwiegend in der neuen Wohnung, muss dort der Hauptwohnsitz angemeldet werden. „Das Kindergeld bekommen Eltern aber dennoch, solange das Kind kein eigenes Einkommen hat“, sagt Hannemann.

So aufregend der Auszug auch ist: In der eigenen Wohnung angekommen, kann jungen Menschen schon mal die Decke auf den Kopf fallen. „Das ist ein großer Schritt, mit dem man eine Lebensphase beendet. Das ist einerseits aufregend, kann aber auch Angst machen“, sagt Maria El-Safti-Jütte von der Berliner Erziehungsberatungsstelle Pestalozzi-Fröbel-Haus. Es spreche nichts dagegen, immer mal wieder nach Hause zu fahren, allerdings nicht andauernd. „Es ist wichtig zu lernen, sich in seiner Wohnung wohlzufühlen.“ Deswegen sollten Jugendliche für die ersten Wochenenden schöne Dinge für sich alleine planen. Sie könnten Sehenswürdigkeiten besichtigen oder zum Beispiel die Umgebung erkunden, rät El-Safti-Jütte. Gut sei auch, neue Kontakte zu knüpfen - bei der Lehrstelle, im Studium oder über Vereine. „Dann lässt das Heimweh nach, und man kann die neu gewonnenen Freiheiten besser genießen.“

Aliki Nassoufis