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Bauen & Wohnen So kehrt die gute alte Zeit zurück
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12:01 06.08.2009
Jugendstilkacheln im Bad Quelle: Ralf Decker

Spezialisierte Baustoffhändler helfen, stilistisch passenden Ersatz zu finden und Lücken zu schließen. Nicht zuletzt lebt die Szene der Altbaufreunde aber vom Enthusiasmus von Hobbyrestaurateuren, die ganze Wandverkleidungen in Handarbeit originalgetreu nachfertigen. Karin Förster aus Hannover hat sich auf Jugendstilfliesen spezialisiert.

Als Karin Förster 1983 mit ihrer Familie eine Wohnung in einem Jugendstilhaus zog, sah es nicht nur in der Wohnung schlimm aus. Nur noch zehn Wandkacheln mit Blumenmotiv hingen an den Treppenhauswänden. Betritt man heute das Haus, ist es, als hätte der Zahn der Zeit nie genagt. Die Blumenbordüre schließt sich wieder elegant. Kein Loch klafft mehr in der Wand.

Bis dahin war es ein langer Weg. Zunächst einmal musste Karin Förster die übrigen Parteien im Haus davon überzeugen, dass es sich lohnen würde, das Jugendstildekor an den Hausflurwänden wieder herzustellen. Und dann davon, dass sie das schon machen würde. Sie machte. Abends nach den stressigen Schichten in der Unfallchirurgie kam der Ärztin diese Aufgabe gerade recht. Wie gut, dass sie bereits einige Jahre lang mit Keramik und Glasuren experimentiert hatte.

Für diese Arbeiten hatte sich Karin Förster einen kleinen Raum als Werkstatt eingerichtet. Nachdem sie eine der letzten Ornamentkacheln heil aus der Treppenhauswand geschlagen hatte, versuchte sie, das Original mit Gießton zu vervielfältigen. Es funktionierte nicht. Dann endlich fand sie Fliesenton, der zu 40 Prozent aus Schamott besteht. Den rollte sie mit einem Nudelholz auf dem Werkstatttisch aus und schnitt die Originalgröße der einzelnen Bordürekacheln - 7,5 mal 15 Zentimeter - aus.

Anschließend drückte Förster die Tonrechtecke in eine Gipsform, die sie zuvor von der Originalkachel hergestellt hatte. Wichtig dabei ist, dass die Konturen zwischen den verschiedenen Formen und Farben im Gips mit einem Linolmesser nachgezogen werden.

Linolschnitt an Fliesen

„In der Positivform sind das dann Erhöhungen, die verhindern, dass die verschiedenen Glasurfarben ineinanderlaufen“, erklärt die Hobbyrestaurateurin. Nachdem die Tonstücke getrocknet waren, wurden sie bei 900 Grad in einem kleinen Keramikofen gebrannt. Dann folgte der entscheidende Arbeitsgang. Mit dem Pinsel trug Karin Förster die Glasuren auf, die sie aus Mineralien und Glasurpulver mit Wasser anrührte. Anschließend wurde das Ganze bei 1050 Grad noch einmal im Ofen gebrannt. Das Ergebnis ähnelte den Originalfliesen zum Verwechseln.

Da die 63-Jährige einen starken Hang zum Sammeln hat, sind mit den Jahren etwa 100 weitere Jugendstilmuster hinzugekommen, die sie alle schon vervielfältigt hat. Seerosenmotive, Maiglöckchen, Vögel und immer wieder Lilien, eine der Lieblingsformen der Jugendstilkünstler. Manch einem Nachbarn, der ähnliche Probleme im Hausflur hatte wie Förster und ihre Hausgemeinschaft, hat sie schon ausgeholfen und herausgeschlagene Fliesen nachgearbeitet. „Das Schwierigste ist es, die Glasur so gleichmäßig aufzutragen, dass die Farbflächen hinterher nicht fleckig aussehen“, erläutert sie. „In den Manufakturen haben sie daher die Glasuren früher aufgespritzt.“ Förster hat ihre Handarbeit perfektioniert: Stets lassen sich Original und nachgemachte Fliese nur mit Mühe voneinander unterscheiden.

karin.foerster45@gmx.de

Von Karin Vera Schmidt

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