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Bauen & Wohnen Ökologisch Heizen mit SolarEis
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00:00 23.02.2013
Ein SolarEis-Speicher wird eingebaut.
Ein SolarEis-Speicher wird eingebaut. Quelle: Isocal
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Hamburg

Das Prinzip ist ähnlich wie beim Kühlschrank, nur umgekehrt: Wärmetauscher entziehen dem Wasser Energie, das dabei gefriert. Dieser Effekt wird als Kristallisationswärme bezeichnet. Die Energiemenge, die beim Gefrierprozess frei wird, entspreche der gleichen Energiemenge, die man benötige, um Wasser von 80 Grad Celsius auf null Grad herunterzukühlen, erläutert Heiko Lüdemann, Geschäftsführer der Firma Isocal Heizkühlsysteme.

Das süddeutsche Unternehmen hat mittlerweile über 500 SolarEis-Systeme in Deutschland installiert, für Hotels und Gewerbebetriebe ebenso wie für Wohnhäuser. Die Standardanlage besteht aus einem zwölf Kubikmeter großen Speichertank, der im Erdreich vergraben und mit 10000 Litern Wasser befüllt wird. Auf das Hausdach kommt eine Solarkollektoranlage, deren Größe unter anderem von der Dämmung und Lage des Gebäudes abhängt. Außerdem wird eine Wärmepumpe benötigt.

Wärmetauscher im Speicher können dem Wasser eine Energiemenge entziehen, die in etwa 120 Litern Heizöl entspricht. Das gefrorene Wasser im Speicher wird über Wärme aus der Kollektoranlage, aus der Luft und aus der umgebenden Erde aufgetaut, sodass wieder neue Energie zum Heizen und zur Aufbereitung von Warmwasser zur Verfügung steht. Angenehmer Zusatzeffekt dieser ökologisch sinnvollen Anlage: Wenn an heißen Tagen das Eis im Speicher schmilzt, kann eine Klimaanlage im Haus betrieben werden.

Philipp Elsäßer, der in der Nähe von Ravensburg wohnt, stieg vergangenen Sommer von einer Gas-Brennwertanlage auf das SolarEis-System um. Im Garten seines Mehrfamilienhauses sind nun zwei Wasserspeicher vergraben. Die Anlage heizt 300 Quadratmeter Wohnfläche und erwärmt Wasser für insgesamt sechs Bewohner. „Wir sind sehr zufrieden damit“, sagt Elsäßer. „Die Anlage braucht vergleichsweise wenig Wartung und arbeitet sehr zuverlässig - selbst in einer längeren Frostperiode.“ Auch die laufenden Kosten sind für ihn attraktiv: Er rechnet damit, dass er jährlich höchstens 700 Euro für das Betreiben der Anlage ausgeben muss. Zuvor zahlte er fürs Heizen und die Warmwasseraufbereitung ein Vielfaches mehr.

Etwa 12000 Euro kostet ein Standard-SolarEis-System, das bei Temperaturen zwischen plus 25 und minus sieben Grad effektiv arbeitet und überall in Deutschland eingesetzt werden kann. Der Hersteller geht davon aus, dass sich die Investition nach etwa sieben Jahren amortisiert. Geeignet ist die Anlage in erster Linie für Fußbodenheizungen und Niedertemperaturheizkörper, für die eine geringe Vorlauftemperatur nötig ist. Außerdem muss auf dem Grundstück genügend Platz für den Wasserspeicher sein.

Matthias Wagnitz, Referent für Energie und Wärmetechnik beim Zentralverband für Heizung Sanitär Klima (ZVSHK) in St. Augustin, hält daher das SolarEis-System noch für eine interessante „Nischenlösung“. Der Hersteller habe die Prinzipien von Wärmepumpen und solarthermischen Anlagen sinnvoll zusammengeführt. „Verglichen mit den Bohrungen, die für Erdwärmeanlagen nötig sind, ist der Eingriff bei diesem System sehr überschaubar“, findet Wagnitz. Die Technik stünde zwar noch am Anfang ihrer Entwicklung, arbeite aber vergleichsweise effizient und habe das Potenzial, sich auf dem Markt weiter durchzusetzen.

Einen weiteren großen Schritt in diese Richtung hat die Firma Isocal in Hamburg getan: Im Stadtteil Harburg wird derzeit eine Anlage installiert, die künftig 26 Gebäude mit 470 Wohnungen beheizen und mit Warmwasser versorgen soll.

Sebastian Hoff