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Bauen & Wohnen Mit der Kamera im Wohnzimmer
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10:58 10.09.2012
Fast wie zu Hause: „Tatort“-Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) mit Filmsohn David (Tarik Can Bas) in ihrer neu bezogenen Wohnung in Hannover. Die eigentlichen Bewohner warten derweil draußen. Quelle: NDR/Christine Schröder
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Hannover

Die „Tatort“-Kommissarin Charlotte Lindholm ist in Hannover bereits viermal umgezogen. Seit einigen Folgen scheint sie aber endlich eine Bleibe gefunden zu haben, in der sie es längere Zeit aushält: „Ich bin reingekommen und hatte sofort das Gefühl, das ist die Wohnung von Charlotte Lindholm“, erinnert sich Nadine Freitag von der Firma Filmblick Hannover. Die 27-Jährige ist eine Art Immobilienmaklerin für Filmfiguren. Im Auftrag von Produktionsfirmen sucht sie passende Wohnungen und Gebäude.

Der Bedarf sei groß, erzählt Locationscout Freitag: „Jede Person, die in einem Drehbuch auftaucht, wohnt schließlich irgendwo.“ Sie hat nicht nur die Schauspielerin Maria Furtwängler mehrfach untergebracht, sondern beispielsweise auch für Ulrich Tukur und Dieter Wedel ein Zuhause auf (Film-)Zeit gesucht. Viele Wohnungen findet sie über Mund-zu-Mund-Propaganda. Sie hat aber auch schon gezielt inseriert und mit Immobilienfirmen zusammengearbeitet.

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Seit 2008 hat Freitag eine Datenbank mit inzwischen rund 4000 Locations angelegt - von der Villa mit Innenpool über die Messewohnung bis hin zu einer alten Lagerhalle, in der Szenen gedreht wurden, die in Russland spielten. „Ich bin ständig auf der Suche“, sagt Freitag. Vor allem ungewöhnliche Locations und Wohnungen mit ganz eigenem Stil und Charme sind für die Produktionsfirmen interessant. Gefragt sind zudem Wohnungen mit vielen Zimmern, weil die Produktionscrew, die bis zu 40 Personen zählen kann, viel Platz braucht. „Zu groß ist eigentlich keine Location, denn kleiner Erzählen geht immer“, sagt Freitag. Schwierig wird es für sie vor allem dann, wenn sie eine Wohnung in einem sozialen Brennpunkt suchen soll, die sowohl vom Motiv als auch von der Größe her passt.

Die Bereitschaft, den eigenen Wohnraum für Dreharbeiten zur Verfügung zu stellen, ist in der Regel hoch, weil viele Bewohner es spannend finden, an einer Filmproduktion mitzuwirken. Außerdem kann pro Drehtag schon mal eine Monatsmiete herausspringen. Andererseits muss Freitag immer wieder auch mit kurzfristigen Absagen umgehen, denn die Dreharbeiten bedeuten einen großen Eingriff in die Privatsphäre: Die Wohnung wird unter Umständen gleich tagelang vollkommen in Beschlag genommen, Möbel werden umgestellt und bei Bedarf Wände gestrichen. Selbstverständlich wird die Wohnung anschließend von der Filmcrew aber wieder in den Originalzustand versetzt.

Freitag freut sich, dass die Untermieterin Charlotte Lindholm und ihr filmischer Anhang so gut mit den eigentlichen Bewohnern in der Lister Wohnung harmonieren. Die Familie mit drei Kindern hat einen ähnlichen Einrichtungsstil wie die „Tatort“-Kommissarin. Sie schafft es außerdem, ihren Alltag zu leben, obwohl ihre Räume manchmal mehrere Tage von den Filmleuten belegt werden. Trotzdem oder gerade deshalb ist die Schauspielerin Maria Furtwängler mittlerweile fast ein Familienmitglied geworden.

Sebastian Hoff