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Bauen & Wohnen Mit dem Frost kommt oft der Frust
Mehr Bauen & Wohnen Mit dem Frost kommt oft der Frust
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00:10 24.11.2012
Wenn bei Schnee und Eis nicht weitergearbeitet werden kann, sollten die Wände des Rohbaus gut geschützt sein. Quelle: Andrea Warnecke
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Hannover

Weihnachten in den eigenen vier Wänden feiern - das ist der große Wunsch vieler Bauherren. Doch wenn es in den Herbst- und Wintermonaten häufig regnet oder gar schneit und die Temperaturen in den Keller fallen, drohen auf Baustellen massive Probleme: Empfindliche Bauteile können feucht und Materialien beschädigt werden, eventuell muss der Bau sogar für längere Zeit ruhen. „Wenn die Temperaturen tagsüber oder nachts unter fünf Grad sinken, kann oftmals nicht mehr weitergearbeitet werden“, sagt Jochen Brockbals, Geschäftsführer von Kebro Sanierungstechnik in Detmold.

Für jeden Baustoff gebe es eine Angabe, bis zu welcher Temperatur dieser verarbeitet werden dürfe, ergänzt Eva Reinhold-Postina, Pressesprecherin des Verbands Privater Bauherren (VPB) e.V. in Berlin. Hielten sich die ausführenden Firmen nicht daran, führe dies zu fehlerhaften Verarbeitungen und Schäden. Wenn zum Beispiel Estrich nicht richtig und lange genug abbinden kann, ist er weniger haltbar, vor allem bei Frost können Risse und Sprünge entstehen.

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Soll während einer längeren Kälteperiode im Haus weitergearbeitet werden, ist es notwendig, die Räume zu beheizen und die Feuchtigkeit abzuführen. Bei der sogenannten technischen Bautrocknung wird warme Luft mittels eines Heizgerätes, eines Ventilators und langer Schläuche in alle Gebäudeteile geblasen. „In der Regel werden die Räume auf etwa fünfzehn Grad Celsius erwärmt“, erklärt Brockbals. Außerdem werde in Kondenstrocknern oder Luftentfeuchtern die Feuchtigkeit aus der Luft gesammelt. „In einem Einfamilienhaus können mehrere Tausend Liter Wasser zusammenkommen. Das muss alles raus.“

Weitergearbeitet werden kann in der Regel bei großer Kälte und Niederschlag nur, wenn der Baukörper geschlossen ist. Alle Öffnungen sollten zumindest mit Folien abgeklebt sein. Doch Vorsicht: Ein Klassiker sei, dass die Öffnungen zum Dachboden vergessen werden, sagt Reinhold-Postina. Dann ziehe die feuchtwarme Luft wie in einem Kamin nach oben und kondensiere am Dachstuhl. In der Folge bildeten sich Schwamm und Schimmel: „Das geht ganz schnell. Möglicherweise müssen dann Bauteile ausgetauscht werden“, erläutert die Expertin. Aber auch von außen drohe Gefahr: Oftmals könne das Wasser aus der Regenrinne nicht in eine Zisterne oder in die Kanalisation abfließen, weil die Anschlüsse noch fehlten. In dem Fall sollte es mit einem zusätzlichen Rohr möglichst weit weg vom Haus geleitet werden, empfiehlt Reinhold-Postina.

Steht bei einem Kälteeinbruch nur der offene Rohbau und muss die Baustelle winterfest gemacht werden, müssen insbesondere die Wände geschützt werden. Die Maueröffnungen sollten mit fester Baufolie abgedeckt werden, die beispielsweise mit Dachlatten an beiden Seiten fixiert wird. „Vor allem die Dämmung darf nicht nass werden“, warnt Reinhold-Postina. Bevor Wasser, das bereits ins Mauerwerk eingedrungen ist, bei Minustemperaturen gefrieren und die Steine zum Platzen bringen kann, sollte man für den Abfluss sorgen, etwa indem die Wände angebohrt werden. Reinhold-Postina rät, auch Regen oder Schnee, der sich im Keller oder auf den Geschossdecken sammelt, umgehend zu beseitigen.

Kälte und Feuchtigkeit seien in der Regel kein Problem, wenn die Bauherren Architekten beauftragt haben, sagt die Verbandssprecherin. Diese planen idealerweise Trocknungsphasen und Bauverzögerungen ein und sorgen bei schlechtem Wetter für entsprechenden Schutz auf der Baustelle. Schwierigkeiten gebe es eher, wenn Bauunternehmen in eigener Regie Häuser bauten. Immer wieder komme es vor, dass plötzlich Baustellen verlassen werden, weil Firmen insolvent sind oder die Zeitplanung durcheinander gerät. „Tausende von Hausbauten liegen in Deutschland brach“, weiß Reinhold-Postina. Im Winter seien dann Baustellen häufig nicht ausreichend vor Kälte und Feuchtigkeit geschützt. In dem Fall sollten sich die künftigen Hausbesitzer rechtzeitig selbst darum kümmern.

Das TOP-Prinzip

Moderne Baustoffe und neue technische Verfahren ermöglichen es, dass auf Baustellen ganzjährig gearbeitet werden kann. Beton beispielsweise ließe sich inzwischen selbst bei Minustemperaturen gießen, sagt Rudi Clemens von der Gewerkschaft IG BAU. Steigender Zeitdruck sorge ebenfalls dafür, dass aufs Wetter häufig keine Rücksicht genommen werde.

Um witterungsbedingten Arbeitsunfällen vorzubeugen, sind Baufirmen nach Paragraf 2 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung vorzunehmen. Außerdem werde das sogenannte TOP-Prinzip angewandt, erläutert Clemens: Technisch wird die Baustelle etwa durch Planen oder Gerüste geschützt. Organisatorisch könnten Maßnahmen wie häufigere Aufwärmpausen ergriffen werden. Persönlich sollten die Arbeiter unter anderem durch spezielle Kleidung geschützt werden. Reicht all dies nicht aus, sollte eine Baustelle aus Sicherheitsgründen ruhen.

Sebastian Hoff