Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Bauen & Wohnen Ruhe vor dem Sturm
Mehr Bauen & Wohnen Ruhe vor dem Sturm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:10 04.10.2014
Von Karin Fischer
Gewitterstürme sind ein faszinierendes Naturschauspiel – leider aber nicht ganz ungefährlich fürs eigene Haus. Foto: imago/westend61
Gewitterstürme sind ein faszinierendes Naturschauspiel – leider aber nicht ganz ungefährlich fürs eigene Haus. Foto: imago/westend61 Quelle: imago stock&people
Anzeige
Hannover

Unwetter und Windböen bis zur Orkanstärke könnten in den kommenden Jahren immer häufiger übers Land fegen. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, die Freie Universität Berlin und die Universität Köln prognostizieren in einer Klimastudie, dass Stürme hierzulande um mehr als 50 Prozent zunehmen. Und das nicht nur im Herbst - auch im Sommer werden sie häufiger und stärker. Doch vor allem im Herbst sollten Hausbesitzer sich wappnen.

„Welche Kraft die Naturgewalten haben können, machen herumfliegende Dachziegel, abgedeckte Dächer und andere Schäden deutlich, die nach großen Unwettern in den Nachrichtensendungen gezeigt werden“, sagt Manfred Gunkel, Technischer Berater beim Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Schadhafte Dächer, lose Bretter und defekte Regenrinnen sowie morsche Äste an den Bäumen im Garten sind ideale Angriffspunkte für den Sturm.

Besonders anfällig für Sturmschäden sind Fassade und Dach. Nicht selten lösen sich Bretter und Schindeln, die beim Herunterfallen Menschen verletzen können. Geprüft werden müssen auch Tür- und Fensterabdichtungen sowie Regenrinnen. Gibt es Risse im Putz, lose Klinker? Haben sich Dübel gelöst? Sitzt die Antennenanlage fest?

Auch das Grundstück muss spätestens vor dem Herbst wetterfest gemacht werden. „Morsche Äste können zur Gefahr werden, wenn sie auf die Straße oder sogar gegen eine Stromleitung geweht werden“, erläutert Corinna Kodim vom Eigentümerschutzverband Haus & Grund Deutschland. „Befinden sich alte und kranke Bäume auf dem Grundstück, ist es gut, einen Fachmann hinzuzuziehen und sie in Absprache mit den zuständigen Behörden sicherheitshalber fällen zu lassen.“

Während Hausbesitzer die Fassade des Hauses leicht selbst unter die Lupe nehmen können, sieht es beim Dach schon komplizierter aus. „Das überlässt man besser einem Experten, besonders wenn es sich um ein Steildach handelt. Aber auch Flachdächer haben ihre Tücken. Der Handwerker kann auch besser als ein Laie einschätzen, welche Dinge sofort repariert werden müssen und was noch Zeit hat“, sagt Gunkel. Er empfiehlt Wartungsintervalle von ein bis zwei Jahren.

Hat ein Sturm in der Region getobt, muss auch zwischendurch ein Fachmann aufs Dach. „Sturmfolgen sollten umgehend in Absprache mit dem Versicherer beseitigt werden“, betont Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Denn wenn das Dach beschädigt ist, bietet es nicht nur weniger Schutz vor Kälte und Regen. Es liefert auch viel mehr Angriffsflächen für weitere Schäden. „Die Stabilität des gesamten Gebäudes kann in Gefahr geraten“, warnt Jarosch.

Starke Stürme können auch Solarmodule lockern. Zwar müssten sie wie alle anderen Bauteile auf dem Dach den gesetzlich vorgeschriebenen Windsognachweis erfüllen, erläutert Gunkel. Aber es gibt Fälle, wo dieser Nachweis fehlt und die Solaranlagen entsprechend windanfällig sind.

Besondere Sorgfalt erfordern Gründächer, die immer beliebter werden. „In der Anpflanzphase können Granulat und Erde vom Dach geweht werden“, erklärt der Dachdeckerberater. „Das lässt sich aber mit dem Einsatz von Bindemitteln, einer Auflast und der Verlegung von zusätzlichem Vlies verhindern.“ Später halten die bepflanzten Dächer Regen und Sturm gut stand. „Aber auch für sie gilt: Regelmäßige Kontrollen sind ein Muss.“

Strenge Vorgaben

Grundsätzlich müssen Hausbesitzer im Rahmen ihrer Verkehrssicherungspflicht gewährleisten, dass von ihrem Grundstück keine Gefahr für Leben und Gesundheit ausgeht. „Mindestens zweimal pro Jahr sollten Besitzer ihre Immobilie checken, am besten zum Frühjahr und Herbst“, rät Corinna Kodim von Haus & Grund Deutschland. Auch kleine Schäden an Dach und Regenrinnen sollten beseitigt werden, damit es keine Folgeschäden gibt. Seit 2011 gelten für Hausbesitzer strengere Vorgaben: Für Neubauten ist vorgeschrieben, dass etwa Verklammerungen Dachziegel mechanisch sichern. Ältere Bestandsbauten sind davon zwar ausgenommen, aber die Besitzer sollten trotzdem für Sicherheit auf ihrem Grundstück sorgen.

Bauen & Wohnen Erneuerbare Energien - Windfang auf dem Dach
08.09.2014