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Gesundheit Sehen findet im Kopf statt
Sehen findet im Kopf statt
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11:31 15.04.2013
Getestet: In nur wenigen Minuten können Kunden ihre Augenwerte beim Optiker testen lassen. Quelle: Joerg Lantelme / fotolia.com

Der Fahrschüler macht ihn. Leute, die im Beruf gute Augen haben müssen, machen ihn auch. Alle anderen eher nicht. Es sei denn, sie haben plötzlich Probleme mit den Augen.

Die Rede ist vom Sehtest. Bei Sehtest wird untersucht, wie gut die Augen (noch) sind. Man bekommt die bekannten, immer kleiner werdenden Buchstaben an die Wand projiziert, um die Sehschärfe zu prüfen, außerdem wird das Farbsehen untersucht und ob man auch mit beiden Augen guckt oder schielt. Ein schmerzfreier und unkomplizierter Test, der nur wenige Minuten in Anspruch nimmt.

Doch die meisten Menschen gehen erst dann zum Sehtest, wenn plötzlich beim Lesen die Arme zu kurz sind (Weitsichtigkeit) oder sie mit der Nase ans Papier stoßen (Kurzsichtigkeit). Dass das wirklich plötzlich passiert, ist eine Illusion: Sehen findet im Gehirn statt. Die Augen verschlechtern sich langsam, und das Gehirn korrigiert, so lange es das kann. Wir merken es erst, wenn der Kopf an seine Grenzen gekommen ist.

Das Gehirn korrigiert Sehschwächen lange,dann kommt der Hammer

Alle drei bis fünf Jahre, sagt Christian Flöhr, Oberarzt in der Augenklinik des Klinikums Region Hannover im Nordstadtkrankenhaus, sollte man einen Test machen. Oder wenn man ein Nachlassen der Sehleistung bemerkt. Im Prinzip, meint der Arzt, reicht der Test beim Optiker aus. Nur wenn man weiß, dass die Augen auch sonst nicht ganz in Ordnung sind, sollte man gleich zum Arzt gehen. Diabetiker übrigens, rät Christian Flöhr, sollten jährlich einmal zum Augenarzt kommen und ihre Netzhaut untersuchen lassen. Durch ihre Krankheit ist das Augenlicht eher gefährdet.

Zum Sehtest also zum Optiker. Allerdings sollte man sich einen guten aussuchen. Ein Fernsehsender hat vor einiger Zeit zwei große Optikerketten mit versteckter Kamera getestet. Bei der einen Kette gab es ausführliche Beratung, detaillierte Tests und keinen Zwang, danach gleich eine Brille zu bestellen. Bei der anderen wurde der vermeintliche Kunde nur eben an den automatischen Autorefraktor gesetzt, eine Maschine, die die Sehschärfe bloß grob misst und dadurch eventuell auch falsche Daten erstellt. Dann wurden gleich die neuen Brillenmodelle angepriesen. Für den Kunden keineswegs ein guter Service, und für die Augen eventuell eine Katastrophe.

Gewissenhafte Optiker schielen nicht aufs schnelle Geschäft. Sie widmen dem Kunden Zeit, ergründen die Sehschwäche ausgiebig und beraten auch darüber hinaus, was Brillengläserqualität und Gestell angeht. Schließlich geht es den Optikern darum, dass die Kunden zufrieden sind.

Gewissenhafte Optiker widmen ihren Kunden viel Zeit

Denn auch da kann man viel falsch machen. Wenn eine Brille leicht und entspiegelt sein soll (unbedingt wichtig für Menschen, die nachts Auto fahren), wenn sie perfekt passen und den Träger nicht lächerlich machen soll (Faustregel: rundes Gesicht, kantige Brille, kantiges Gesicht, runde Brille), kommt schon eine hübsche Summe zusammen. Nulltarif-Brillen können all das in der Regel nicht bieten.

Vorsicht auch bei Einfachbrillen aus dem Drogeriediscountersortiment. Sie mögen dazu taugen, das Wochenende zu überbrücken, wenn man am Freitagabend die eigene Brille kaputt gebrochen hat. Als Dauernasen-fahrrad schaden sie eher, weil die Augen meist unterschiedliche Sehschwächen haben und die Billigbrillen außerdem individuelle Dinge wie Hornhautverkrümmungen nicht berücksichtigen können. Damit handelt man sich also nur Kopfschmerzen und am Ende noch schlechtere Augen ein.

Sehtests helfen

Kostenlose Sehtests gibt es zum Beispiel zu Hause - via Internet. Viele sind simpel. Sehr detailliert und zusätzlich mit vielen Tipps zum richtigen Sehen, zur Versorgung der Augen mit Vitaminen und zur Brillenpflege ist der Test bei Rodenstock (www.rodenstock.de, Rubrik „Rund ums Sehen“). Wer bei solchen Tests Auffälligkeiten feststellt, sollte zum Augenarzt gehen.

Optiker können Geld (zehn bis 20 Euro) für den Sehtest nehmen, obwohl viele das nicht mehr tun. Tun sie es doch und kauft der Kunde danach eine Brille, wird der Betrag meist verrechnet. Merke: Lieber einen ausführlichen Test für etwas Geld machen lassen, als kostenlos ein aussageloses Ergebnis zu bekommen.

Augenärzte machen Sehtests auf Kosten der Krankenkasse, wenn der Patient meint, seine Augen hätten sich verschlechtert. Ist der Test für eine Bescheinigung nötig (Führerschein, Bewerbung), ist er kostenpflichtig. In manchen Firmen bietet auch der Betriebsarzt Sehtests an.

Bert Strebe