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Gewerbeimmobilien Nur eine Delle, kein Einbruch
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Nur eine Delle, kein Einbruch

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Das Wunstorfer Logistikzentrum des Unternehmens Havi wurde im Januar 2020 eröffnet. Quelle: Reinhard Mederer Oberweickenhof
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Corona hat in der Logistikbranche viel durcheinandergebracht. Während Onlineversandhändler im Zuge des Lockdowns ab März ein stark steigendes Warenaufkommen verzeichnen und Einzelhändler aufgrund geschlossener Filialen ihre Produkte zwischenlagern mussten, litten Industriebetriebe vor allem im Automobilsektor. Inzwischen hat sich die Lage etwas normalisiert, dennoch herrscht Unsicherheit. „Die Folgen die Pandemie für die Unternehmen und damit für die Nachfrage nach Logistikimmobilien sind derzeit nicht absehbar“, sagt Steffen ­Schroth, Leiter Industrieflächen des Immobilienmaklers Engel & Völkers in Hannover.
So hält es die Region Hannover in ihrem aktuellen Immobilienmarktbericht 2020 für möglich, dass Unternehmen künftig ihre Produktions- und Lieferketten stärker gegen Ausfälle absichern wollen. Die Folge: Rückholung von Produktionskapazitäten nach Europa und ein verstärkter Flächenbedarf, der für die Region zumindest kurzfristig zu einem Problem werden könnte: Nach einem Rekordumsatz von 380.000 Quadratmetern Logistikflächen 2019 seien die Flächen etwas eingeschränkt.
„Die meisten Umsätze fallen allerdings in das erste Halbjahr 2019“, dämpft Schroth. „Das zweite Halbjahr, aber auch die ersten Monate 2020 waren beim Flächenumsatz eher schwach. Das deutet auf ein Nachlassen der Konjunktur hin.“ Der Logistikexperte verweist auf den VGP-Park Laatzen-Ost mit rund 45.000 Quadratmetern unvermieteter Fläche. Er stellt aber die Ausweisung weiterer Logistikflächen nicht infrage: „Solche Flächen sind zukünftig wichtig, da die Leerstandsquoten von Logistikflächen in der Region gering sind.“

Starker Flächenzuwachs bis 2023
Die Region Hannover gibt sich ebenfalls optimistisch: Laut Immobilienbericht summieren sich derzeit die bis 2023 geplanten und bekannten Projekte auf 650.000 Quadratmeter Hallen- sowie 30.000 Quadratmeter logistisch genutzte Büro- und Zwischengeschossflächen. Bei einem Gesamtbestand von 3,71 Millionen Quadratmetern Fläche wären das rund 20 Prozent Zuwachs. Nachgefragt seien dabei weniger „Riesenhallen“ als Komplexe mit 20.000 Quadratmetern.
Eines der größten laufenden Projekte in der Region ist das 28 Hektar große Gewerbegebiet Laatzen-Ost von Stadt und VGP, einem Projektentwickler für Gewerbe­immobilien. Geplant ist die Ansiedlung von Gewerbe, Logistik und Produktion auf 112.000 Quadratmetern Fläche. 55.000 Qua­drat­me­ter davon will der bislang im Heideviertel in Hannover ansässige Maschinenbauhersteller Krauss­Maffei Berstorff ab 2022 für die Produktion von Extrusionsmaschinen nutzen, einen kleineren Part Edeka.

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Verdion investiert 60 Millionen Euro
Bereits im Frühsommer 2021 soll die Riesenhalle des auf Logistikimmobilien spezialisierten Projektentwicklers Verdion fertig werden. 60 Millionen Euro investiert das Unternehmen in den knapp 47.000 Quadratmeter großen Hallenkomplex inklusive Gemeinschafts- und Büroflächen. War zunächst die Drogeriekette Rossmann als Mieter im Gespräch, so ist die Nutzung nun offen.
„Wir befinden uns aktuell in Verhandlungen mit Mietern aus dem Onlinehandel“, sagte ein Verdion-Vertreter im Juli der „Neuen Presse“. Erst im Januar 2020 eröffnete die Firma ein neues Logistikzentrum in Wunstorf-Süd, das das Duisburger Unternehmen Havi nutzt. Knapp 80 Mitarbeiter beliefern von hier aus Restaurantketten wie KFC, Nordsee und McDonald’s.
Schon in diesem Monat eröffnet die Wunstorfer Spedition Neukirch ihre 11.000 Quadratmeter große Logistikhalle. Das Gebäude samt einer großen Fotovoltaikanlage auf dem Dach entsteht auf dem früheren Fulgurit-Gelände, das dafür aufwendig von Altlasten befreit werden musste. Es vergrößert die über die gesamte Region verstreute Hallenfläche der Spedition auf 275.000 Quadratmeter.
Im Sommer 2021 wird der erste Bauabschnitt der bis 2023 dauernden, 160 Millionen Euro teuren Modernisierung des Standorts Langenhagen des Paketdienstleisters UPS abgeschlossen. Damit will das Unternehmen auf das wachsende Paketvolumen insbesondere im internationalen Verkehr reagieren. Auf deutlich mehr Fläche, 24.000 Quadratmetern, sollen bis zu 30.000 Pakete pro Stunde umgeladen werden können – rund doppelt so viele wie heute.

Von Oliver Züchner