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Gewerbeimmobilien Im Markt der Gewerbeimmobilien herrscht verhaltener Optimismus
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Im Markt der Gewerbeimmobilien herrscht verhaltener Optimismus

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18:07 07.10.2020
Während der Hotel- und Gastronomiemarkt stark von der Pandemie getroffen wurde, ist die Situation in den anderen Branchen entspannt. Quelle: Sylvia König-Hapke
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Gewerbeimmobilen sind in den vergangenen Jahren in Hannover eine Erfolgsgeschichte gewesen. Nach den sieben großen sogenannten A-Städten in Deutschland gilt die niedersächsische Landeshauptstadt bei Investoren als der bedeutendste Immobilienstandort, der vor allem in den Bereichen Dienstleistung und Logistik wegen seiner herausragenden Lage und den sehr guten Verkehrsanbindungen in alle Richtungen nationale und internationale Märkte bedient. 2019 war für die Region mit einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro ein absolutes Rekordjahr. Und auch der Start ins Jahr 2020 war vielversprechend. Doch dann kam die Corona-Pandemie mit ihren unberechenbaren Auswirkungen auf die Wirtschaft und damit verbunden auch auf Investitionen in die angebundenen Immobilien. Nach dem aktuellen Stand der Dinge gilt die Situation aber als entspannt. Hilmar Engel von der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung der Region Hannover formuliert es prägnant: „Wir sind mit einem teilweise mehr als dicken blauen Auge davongekommen.“ Was momentan fast schon als gute Nachricht gewertet werden könne. Eine Branche hat es allerdings hart getroffen: Der Hotel- und Gastronomiemarkt und hier besonders die mittelständischen Betriebe spüren die Auswirkungen der Pandemie besonders deutlich. Das Fernbleiben von Geschäftsreisenden und Touristen sowie die Absagen von Messen und Großveranstaltungen haben den Markt in den vergangenen Wochen extrem belastet.

Trotz der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und des damit verbundenen Lockdowns gelten der Standort Hannover und die Region nach wie vor als gut aufgestellt. Mieten und Preise in den Segmenten Wohnen, Büro und Logistik sind überwiegend stabil geblieben und teilweise sogar gestiegen. Bedarfsorientierte Projektentwicklungen wirken einem drohenden Preisverfall tendenziell entgegen. Stadt und Region haben sich in den vergangenen Jahren unter Immobilieninvestoren den Ruf erworben, über eine belastbare ökonomische Basis zu verfügen, eine wesentliche Voraussetzung für künftige Engagements. Hart zu kämpfen hatten und haben allerdings Einzelhandel, Hotelwirtschaft und Gastronomie. Dort war der Mietmarkt teilweise eingebrochen. „Vor allem inhabergeführte kleine und mittlere Unternehmen werden unter diesen Bedingungen die Krise eventuell nicht überstehen. Ihr Platz könnte durch Projektentwicklungen der Markenhotellerie eingenommen werden“, heißt es im aktuellen Immobilienmarktbericht. Neue Projekte im Hotelbereich wurden allerdings weiterverfolgt und inzwischen auch eröffnet.

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Gestärkt hat die Krise die sogenannte vor- und nachgelagerte Logistik im expandierenden Onlinehandel – zulasten des Einzelhandels. Die Pandemie gilt hier allerdings nicht als Auslöser der Krise des klassischen Einzelhandels, aber sie hat bereits bestehende Trends beschleunigt. In Hannovers Toplagen ist in den vergangenen Jahren bereits ein Rückgang beziehungsweise eine Stabilisierung der Spitzenmieten zu beobachten gewesen. Insolvenzen, vor allem bei den großen Warenhäusern und im Modefachhandel, könnten zur Folge haben, dass viele Händler, auch viele Filialisten, die Region Hannover und die hannoversche Innenstadt verlassen werden.

Angespannt ist auch die Lage bei den Immobilien im industrielogistischen Bereich und hier vor allem in der Automotive-Branche, die unter der Krise besonders zu leiden hat. Trotzdem gilt der künftige Flächenbedarf in der Region um die Landeshauptstadt als unverändert hoch. Anstehende und bereits im Bau befindliche Projekte wie der VGP-Park in Laatzen, die Investitionen von UPS in Langenhagen oder die Erweiterung des E-Commerce-Logistikzentrums am Messegelände durch Verdion belegen das ebenso wie die Ansiedlungsentscheidungen und Investitionen von Industrieunternehmen wie KraussMaffei Bersdorff (in Laatzen) oder Faurecia (im Wissenschafts- und Technologiepark Hannover-Marienwerder). Gebaut und investiert wird nach wie vor auch im Airport Business Park (beispielsweise: MTU und Prologis).

Nicht mithalten kann da der Logistikumschlag über den Flughafen Hannover: Das Volumen der Luftfracht ist seit Jahren sehr gering. Die meiste Fracht wird über den Fernlastverkehr in Hannover umgeschlagen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang aber die Inbetriebnahme des MegaHub in Lehrte für den Containerumschlag auf Zügen.

Im Segment der Büroimmobilien gelten vor allem die Monate April und Mai als schwierig, es wurden aber keine konkret geplanten Projekte auf Eis gelegt. Vielmehr sind inzwischen neue Vorhaben wie beispielsweise der Strabag an der Podbi vorgestellt worden. Auch Co-Working-Immobilien wie Design Offices an der Vahrenwalder Straße sind wie geplant gestartet. Stabil bis sehr gut waren zugleich die Flächenumsätze bei den Bestandsimmobilien. „Spannend wird es, wenn sich langfristige Strategiewechsel bei den Unternehmen mit Blick auf Digitalisierung und Homeoffice zeigen“, weiß Engel. „Grundsätzlich beurteilen aber die Marktteilnehmer und auch unser Gutachter von Bulwiengesa die Lage auf dem Büroimmobilienmarkt in Hannover eher entspannt als angespannt.“ Für eine endgültige Bewertung der Entwicklung bei den Gewerbeimmobilien ist es noch zu früh: „Die überwiegende Mehrheit der großen marktprägenden Unternehmen ist positiv eingestellt. Aber alles ist immer abhängig davon zu sehen, wie sich die konkrete Lage weiterentwickelt. Ein erneuter Lockdown wäre auch am Immobilienmarkt deutlich sichtbar“, sagt Engel.

Von Gerd Piper