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„Hannover ist im Vergleich sehr gut aufgestellt“

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18:26 07.10.2020
Sabine Tegtmeyer-Dette: Die 59-Jährige studierte Politikwissenschaft, Germanistik und Betriebswirtschaft. Sie ist seit 2013 als Erste Stadträtin von Hannover die Stellvertreterin des Oberbürgermeisters und Dezernentin für Wirtschaft und Umwelt. Sie hat im Landesverband der Grünen gearbeitet, war danach im Kommunalverband (später: Region) als Leiterin der Zentralen Steuerung und als Prokuristin der Verkehrsbetriebe Üstra tätig. Quelle: Henning Scheffen Photography
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Die Corona-Krise stellt die lokale Wirtschaft und die Bürgerinnen und Bürger vor ungekannte Herausforderungen. Wie sehen Sie als Erste Stadträtin und Wirtschafts- und Umweltdezernentin die aktuelle Lage in der Landeshauptstadt?

Für viele Menschen ist die Corona-Krise eine Extremsituation, Familien mussten ihren Tagesablauf komplett umstellen, viele sind im Homeoffice und die finanziellen Rahmenbedingungen haben sich beispielsweise durch Kurzarbeit in vielen Betrieben verändert. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben den verschiedenen Wirtschaftszweigen von der klassischen Industrie bis hin zu jungen Start-ups sehr zu schaffen gemacht und manche Branchen kämpfen immer noch um ihre Existenz.

Wir als Verwaltung haben zunächst versucht, eine schnelle und unbürokratische Hilfe für die Unternehmen bereitzustellen und haben mit der Einrichtung eines städtischen Hilfsfonds über 10 Millionen Euro zumindest kurzfristig für Entlastungen bei den Unternehmen sorgen können. Ich hoffe sehr, dass sich die wirtschaftliche Lage erholt und keine großen Arbeitsplatzreduzierungen erfolgen. Hannover hat sich bereits in vergangenen Krisen als standfester und breit aufgestellter Standort bewiesen. Deshalb bin ich mir sicher, dass Hannover ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleibt und damit weiterhin für unsere Einwohnerinnen und Einwohner ein attraktives Lebensumfeld bietet. Allerdings ist insbesondere für die Veranstaltungsbranche dringend eine Klarheit erforderlich, wie es weitergehen wird.

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In Kronsrode wurde der erste Spatenstich gesetzt. Der Mietpreis soll deutlich unter dem aktuellen Durchschnitt von rund 10 Euro pro Quadratmeter bleiben. Sind noch weitere Bauprojekte mit günstigerem Wohnraum geplant?

Der hannoversche Wohnimmobilienmarkt spürt kurzfristig kaum Auswirkungen der Krise und der Bedarf an Wohnimmobilien, gerade im günstigerem Segment, ist ungebrochen. Es ist ein tolles Zeichen, dass mit Kronsrode ein lebenswertes und nachhaltiges Stadtquartier entsteht, das diesen Bedarf abdecken kann. In Hannover gibt es mehrere große Wohnbauprojekte, bei denen auch Wohnungen für Menschen mit geringerem Einkommen entstehen. In diesem Bereich ist auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft hanova unterwegs, die übrigens auch in Kronsrode aktiv ist. Unweit von dort entsteht ja auch eine neue und sehr interessante Wohnform im Eco-Village am nördlichen Kronsberg.

Was ist denn das Besondere am Eco-Village?

Der inhaltliche Ansatz der geplanten Bebauung mit rund 500 Wohneinheiten für etwa 800 Bewohnerinnen und Bewohner rückt zum einen das gemeinschaftliche Leben mit einem möglichst geringen ökologischen Fußabdruck und mit einem hohen sozialen Standard in den Mittelpunkt. Zum anderen ist es Ziel der Planungen, nachhaltigen und bezahlbaren Wohnraum auf einem mit dem ÖPNV gut erschlossenen Grundstück zu schaffen. Bei einer erfolgreichen Umsetzung des Projekts stehen Erweiterungsflächen für das Projekt zur Verfügung. Hannover nimmt damit national und international eine Vorreiterrolle für diese Wohnform innerhalb einer Großstadt ein.

Nach einem bitteren Tief in den vergangenen Monaten normalisieren sich die Passantenströme in Hannovers Innenstadt wieder. Wird sich die Lage nach der Krise wieder stabilisieren?

Die zwischenzeitlichen Besucherzahlen, die um über 80 zurückgegangen waren, haben dem Einzelhandel deutlich zugesetzt. Zwar kommen durch die Lockerungen die Menschen nun wieder in die Innenstadt, aber sie geben weniger Geld im stationären Handel aus als zuvor. Es wird also noch einige Zeit dauern, bis man hier von einer Normalisierung sprechen kann. Mit der Initiative „Gemeinsam für Hannover“, den wirtschaftlichen Hilfen und der temporären Mehrwertsteuersenkung gibt es verschiedene Instrumente, um die Lage in den Innenstädten wieder zu stabilisieren. Aber auch hier ist Hannover, trotz der Schließung einzelner Häuser, im Vergleich sehr gut aufgestellt.

Hannovers Innenstadt erlebt einen Strukturwandel, der stationäre Handel war und ist weiter rückläufig. Die Corona-Krise beschleunigt diesen Trend. Wie bewerten Sie die Lage?

Der Einzelhandel am Standort Hannover muss sich sicherlich neu sortieren. Eröffnungen neuer Handelskonzepte in der Innenstadt waren vorerst weitgehend ausgesetzt, die Nachfrage nach Handelsflächen zwischenzeitlich vollständig eingebrochen. Die Landeshauptstadt Hannover trägt diesem Strukturwandel nun mit dem Innenstadtdialog Rechnung. Hannover ist im nationalen Vergleich ein sehr starker Einzelhandelsstandort mit einer vitalen Innenstadt. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Strukturwandel gemeinsam mit Händlerinnen und Händlern, Gastronominnen und Gastronomen und Bürgerinnen und Bürgern erfolgreich gestalten können, wenn wir ihn nicht nur als Krise, sondern auch als Chance begreifen.

Es ist zu beobachten, dass sich immer mehr Gastronomie in der Innenstadt ansiedelt. Ein positiver Trend, der anhalten wird?

Ein Gastronomiebesuch ist nach dem Einkauf heute einer der wichtigsten Gründe für Innenstadtbesuche. Geschäfte mit modernen Konzepten, ansprechende Restaurants, Cafés und öffentliche Räume zum Verweilen, aber auch weitere Dienstleistungsangebote bilden das Rückgrat einer lebendigen Innenstadt. Diese Konzepte werden zukünftig eine noch wichtigere Rolle spielen. Daran müssen wir mit allen Akteurinnen und Akteuren weiterarbeiten, um die Innenstadt, aber auch die Stadtteillagen entsprechend attraktiv zu gestalten.

Interview: Carolin Müller