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Am Klagesmarkt entsteht ein NH-Hotel der BAUM Unternehmensgruppe, ein Viersternehaus. Quelle: BAUM Unternehmensgruppe
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Die drohende Pleitewelle in der Hotellerie wabert seit Wochen durch die Medien. Auch der der Immobilienexperte der Wirtschaftsförderung der Region Hannover der Region Hannover weiß von dem Problem. Dennoch: „Laufende Hotelprojekte werden weitergeführt, Hotels wie geplant eröffnet. Ich sehe kaum Einbrüche“, sagt Hilmar Engel. Natürlich sei es denkbar, dass weniger konkrete Projekte gestoppt würden. „Aber noch halten Immobilienwirtschaft und Hotelbetreiber an geplanten Projekten fest.“
So hat das me-and-all-Hotel mit rund 140 Zimmern am Aegi mitten in der Krise im Mai eröffnet. Im Juli folgte das B&B-Hotel gegenüber der Continental-Zentrale mit 146 Zimmern. Derweil sucht Motel One, das derzeit in der Georgstraße baut, einen zweiten Standort, vermutlich in den Räumen des Outdoorausrüsters SFU in der Schillerstraße, der nach informierten Kreisen frühestens 2022/2023 realisiert werden wird. Die Betten kommen zu einer Zeit auf den Markt, da die Nachfrage nach Übernachtungen stark eingebrochen ist.
Geschäftsreisende bleiben aus
In den vergangenen Jahren lag die Auslastung der knapp 280 Hotelbetriebe in der Region Hannover im Herbst während der starken Geschäftsreise- und Veranstaltungswochen durchgehend zwischen 80 und 100 Prozent, so der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). „Derzeit kommen wir auf höchstens 45 Prozent, und das nur an guten Tagen“, sagt Cord Kelle, Vorsitzender der Fachgruppe Hotels DEHOGA Region Hannover. Es ist ein harter Absturz, erreichten doch die Übernachtungszahlen der insgesamt 354 Beherbergungsbetriebe der Region bislang immer neue Rekordwerte: zuletzt 2019 mit 4,26 Millionen Nächtigungen, davon 2,39 Millionen in der Landeshauptstadt.
Dass sich die Situation schnell bessern wird, erscheint fraglich. Hannover ist keine Tourismusdestination wie Dresden oder Berlin. So gehen laut DEHOGA knapp 25 Prozent der Übernachtungen in Stadt und Umland auf private Reisen zurück, rund 75 Prozent auf Messen, Tagungen, andere Veranstaltungen und Geschäftstermine – die durch das Aufkommen von Videokonferenzen und virtuellen Ausstellungsformaten mitunter bereits als aussterbende Formate eingeordnet
werden.
Immerhin weiß Kelle von keinen Insolvenzen in der Branche. „Aber das dürfte an der weiterhin ausgesetzten Antragspflicht für Insolvenzen liegen. Die Geschäftsaufgaben werden leider kommen“, ist sich der DEHOGA-Experte sicher. Bleibt die Frage, warum die Kettenbetreiber immer neue Betten auf einen offenbar schrumpfenden Markt drücken. „Die Vorinvestitionen sind getätigt. Die möchte man nicht vorschnell abschreiben“, so Kelle. „Zudem setzen manche Investoren auf Verdrängung.“
Hotelbestand wächst vorerst an
Hilmar Engel von der Region Hannover sieht das ähnlich: „Kleinen und mittelständischen Betrieben fehlt oft der finanzielle Puffer, um die Krise auszusitzen.“ Auch Modernisieren kommt nicht für alle infrage, und so drohen vor allem die eigenständigen Häuser bei den Zielgruppen, die hippe und trendige, gern auch günstigere Hotels bevorzugen, ins Hintertreffen zu geraten. Gut möglich, dass in den kommenden Jahren die Zahl der Hotelzimmer spürbar nach unten gehen wird. Ende 2019 wurden in Hannover rund 9000 Betten gezählt, weitere knapp 6000 Betten im Umland.
Doch erst einmal wird der Bestand weiter wachsen. Bereits im Januar kommenden Jahres eröffnet an der Arndtstraße das NH-Hotel am Klagesmarkt mit knapp 90 Zimmern, ein Viersternehaus, errichtet von der BAUM Unternehmensgruppe in einem Bestandsgebäude. Derweil errichtet der Projektentwickler Aurelis auf der Fläche des früheren Hauptgüterbahnhofs für das Hospitality-Unternehmen Centro-Hotel ein neues Dreisternehaus. Es soll im Frühjahr 2021 eröffnen.
Im Frühjahr 2022 will Motel One den Betrieb seines ersten Budget-Design-Hotels an der Georgstraße im früheren Kurierhaus starten. Nordisches Design dagegen soll das Zleep-Hotel mit 124 Zimmern bieten, das Krasemann Immobilien bis Ende 2022 an der Podbielskistraße schräg gegenüber vom Nord-Ost-Bad realisiert. In bester zentraler Lage plant Schramm & Schoen weiterhin das Hotel am Steintorplatz. Wie es dort weitergeht, wollte die Geschäftsführung auf Nachfrage leider nicht sagen.

Von Oliver Züchner