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Bauen & Wohnen Energieverbrauch sinkt spürbar
Mehr Bauen & Wohnen Energieverbrauch sinkt spürbar
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17:40 28.01.2011
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Es erinnert an das Abzählen an Gänseblümchenblättern: Der Energieverbrauch sinkt, der Energieverbrauch sinkt nicht, der Energieverbrauch sinkt. In Beispielrechnungen von Sanierungsanbietern sinkt er sogar fast auf null, in Anwenderumfragen wie vom Deutschen Siedlerbund ist der Effekt kaum spürbar. Das Statistische Bundesamt hat jetzt den errechneten und den gefühlten Energieeinsparungen die statistisch belegbaren entgegengestellt: Danach sinkt der Energieverbrauch für Raumwärme in Deutschland etwa alle fünf Jahre um zehn Prozent. Im Jahr 2009 lag der Heizenergieverbrauch zehn Prozent unter dem von 2005 und 20 Prozent unter dem von 2000.

Bernhard Funk, Sprecher der Initiative Erdgas pro Umwelt, führt das auf verbesserte Anlagentechnik und Dämmung zurück, aber auch auf ein geändertes Nutzungsverhalten, mit dem die Bewohner auf Preiserhöhungen der Energieverorgungsunternehmen reagieren. Funk sieht – bei allem Fortschritt – immer noch ein großes Verbesserungspotenzial. Nach Angaben seines Verbandes entsprechen derzeit erst 23 Prozent der Heizungsanlagen dem aktuellen Stand der Technik. Modernisierungen lohnen sich nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die privaten Haushalte: Bis 2020 könnten etwa 27 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. 2009 entfielen nur noch 71 Prozent des gesamten Haushaltsenergieverbrauchs auf die Heizung. Ein Jahr vorher bezifferte der Verband diesen Anteil noch auf 77 Prozent. In einer gemeinsamen Untersuchung haben der Bauherren-Schutzbund e. V., der Verband Wohneigentum e. V. sowie das Institut für Bauforschung e. V. Hannover erkundet, wie die Meinung von Wohneigentümern zum Thema Energieeinsparung, -beratung und energetische Modernisierung ist. Knapp 1300 Antworten aus ganz Deutschland bildeten die Datenbasis.

55 Prozent der Antwortenden wohnen in Häusern, die zwischen 1949 und 1978 errichtet wurden, also vor den Wärmeschutz- und Energieeinsparungsverordnungen, 20 Prozent bewohnen Häuser der Altersklasse 1979 bis 1994, die während der Geltungsdauer der ersten und zweiten Wärmeschutzverordnung errichtet wurden. Fünf Prozent wohnen in Altbauten aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, und acht Prozent in Neubauten, die nach 1995 errichtet wurden. Zwei Drittel der Befragten schätzen den Gebäudezustand als gut oder sehr gut ein. 2,9 Prozent der Häuser sind laut Besitzer energieoptimiert. Trotz dieses geringen Anteils gaben viele Hausbesitzer an, in den vergangenen zehn Jahren Modernisierungen zur Energieeinsparung vorgenommen zu haben, überwiegend wurden Fensteraustausch und Dämmung genannt, die Heiztechnik wurde seltener ausgetauscht.

Das Institut für Bauforschung urteilt, dass die Bereitschaft zur energetischen Modernisierung vorhanden sei, deren Potenzial jedoch unterschätzt werde. Dazu passt das Resultat einer Umfrage aus dem Jahr 2005. Die Mitglieder des Siedlerbundes sollten den Jahresverbrauch an Öl, Gas, Strom und Wasser mitteilen. Ergebnis: Der Durchschnitt der Häuser hatte einen Ölverbrauch von 18,5 Litern pro Jahr und Quadratmeter. Auch moderne und gut gedämmte Häuser kamen noch auf 16 Liter. Häuser aus den Baujahren bis 1940 verbrauchten 18 Prozent mehr Energie als Eigenheime des Baujahres 2000, und erdgasbeheizte Häuser sieben Prozent weniger als ölbeheizte Gebäude.

Von Ralf C. Kohlrausch