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Bauen & Wohnen Energieberater helfen bei der Modernisierung
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00:00 20.10.2012
Caroline Herve (l.) lässt sich von Energieberaterin Eva Ibrügger erklären, wie das Dach ihres Hauses gedämmt werden kann.
Caroline Herve (l.) lässt sich von Energieberaterin Eva Ibrügger erklären, wie das Dach ihres Hauses gedämmt werden kann. Quelle: Sebastian Hoff
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Hannover

Damit hatte Caroline Herve nicht gerechnet: Ursprünglich wollte die Vermieterin nur die vordere Fassade ihres Mehrfamilienhauses in Hannover verschönern und in diesem Zuge möglichst auch dämmen lassen. Aber schnell wird bei einer Beratung vor Ort klar, dass das nicht ausreichen wird. „Das Dämmen allein der Vorderfassade ist gesetzlich nicht erlaubt“, erläutert Energieberaterin Eva Ibrügger: „Nach der 2009 novellierten Energieeinsparverordnung muss das gesamte Haus energetisch optimiert werden, wenn die geplanten Maßnahmen mehr als zehn Prozent der Bauteilflächen betreffen.“

Das muss Caroline Herve erst mal sacken lassen. Sie bezweifelt ohnehin, dass sich die Ausgaben amortisieren könnten - bei einer Vollsanierung sowieso. Aber es geht der Vermieterin nicht nur um die Kosten. Sie verfolgt auch ein ökologisches Interesse: „Wir Hausbesitzer sind schließlich in der Pflicht, energetische Maßnahmen zu ergreifen“, sagt die Hannoveranerin. Daher hat Herve Ibrügger beauftragt, einen Kurzbericht zu erstellen, der den Istzustand analysiert, eine Kostenschätzung auf der Basis normierter Bedingungen vorsieht, die Energieeinsparung benennt und Förderungsmöglichkeiten aufzeigt.

Praktischerweise wird ein solches Gutachten vor Ort seit einiger Zeit vom Staat gefördert. Bis zu maximal 500 Euro steuert der Bund für eine Energieberatung bei (siehe Kasten). Der Zuschuss, der vom Berater beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden muss, soll die Hemmschwelle der Hausbesitzer senken, einen Fachmann ins Haus zu holen. Alternativ gibt es zudem noch regionale Fördermodelle. In Hannover beteiligt sich etwa der Klimaschutzfonds der Region Hannover mit 75 Prozent an den Kosten, maximal jedoch mit 500 Euro - selbst wenn anschließend keine baulichen Maßnahmen ergriffen werden. Es kann allerdings immer nur eine Förderung in Anspruch genommen werden. Eine Liste mit von proKlima zugelassenen und empfohlenen Energielotsen findet sich auf der Website www.proklima-hannover.de.

Energieberaterin Ibrügger erkennt sofort, wo in Herves Haus aus den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Schwachstellen liegen: So geht durch die etwa 30 Jahre alten Fenster viel Wärme verloren. Die Geschäftsführerin von Delta Energie rät deshalb, diese als Erstes erneuern zu lassen, damit bei einem späteren Austausch nicht die Dämmung beschädigt werden muss. Die oberste Geschossdecke und die Kellerdecke sollten ebenfalls gedämmt werden, sagt sie.

Ibrügger schlägt vor, auf dem Dachboden zunächst eine luftdichte Plane und darauf 20 Zentimeter starke Hartschaumplatten anzubringen. Unter der niedrigen Kellerdecke könnte eine vier Zentimeter dünne Dämmung aus hochwertigem Material verklebt werden. In einem vergleichbaren Gebäude seien allein mit diesen beiden Maßnahmen rund 22 Prozent Energieeinsparung erreicht worden, erläutert die Expertin.

Eine energetische Modernisierung, die Neubaustandard erreicht, könnte für das Mehrfamilienhaus Investitionen im sechsstelligen Bereich bedeuten, schätzt die Energieberaterin. In dem Fall würden aber nicht nur die Energiekosten deutlich sinken, sondern gleichzeitig auch der Wohnkomfort für die acht Mietparteien und der Wert des Hauses steigen. Gesetzlich sei anschließend eine Mieterhöhung von elf Prozent möglich. Allerdings sollten die Mieter idealerweise von Anfang an informiert und von der Modernisierung überzeugt werden, rät Ibrügger.

Wegen der hohen Kosten schaut Caroline Herve am Ende der Beratung ein wenig skeptisch drein. Sie werde sich das in Ruhe noch einmal überlegen.

Eine Übersichtsliste von qualifizierten Energieberatern findet sich auf der Internetseite www.energie-effizienz-experten.de

Sebastian Hoff