Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Bauen & Wohnen Die Geschirrhersteller treiben’s bunt
Mehr Bauen & Wohnen Die Geschirrhersteller treiben’s bunt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:37 02.03.2013
Vor allem jüngere Menschen stehen beim Geschirr auf fröhliche Farben und Muster.
Vor allem jüngere Menschen stehen beim Geschirr auf fröhliche Farben und Muster. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Hauptsache, das Geschirr ist farbig und fröhlich, gibt der Bundesverband für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur (GPK) als Motto aus. Wobei es in der Farbpalette Schwerpunkte gibt: Lila war laut der Branchenexperten im vergangenen Jahr eine Trendfarbe, sie werde nun nicht mehr so häufig angeboten. Stattdessen setzten die Produzenten auf frühlingshaftes Gelb und Grün.

„Grau und Schwarz stehen nicht im Vordergrund“, sagte GPK-Vizepräsident Hermann Hutter bei der weltgrößten Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt, die Mitte Februar stattfand. Aber man findet die dunklen Töne etwa bei ASA Selection als Kombination zu Gelb - was Letzteres noch mehr strahlen lässt.

„Das sehr Bunte ist eher etwas für die jüngeren Menschen - für junge Familien oder Zweipersonenhaushalte“, erläutert Nicolette Naumann, Bereichsleiterin der Messe Frankfurt für die Ambiente. „Das Dunkle, das Edle kommt eher bei den ältere Zielgruppen sowie tendenziell bei den gehobenen Einkommensschichten an.“

Viele Hersteller haben die Farbpalette ihrer Geschirrsets zuletzt kontinuierlich ausgebaut, und jedes Jahr kommen neue Farben hinzu. Die Porzellanmanufaktur Reichenbach zeigte auf der Messe ihre dem Namen entsprechende bunte Kollektion „Colour“. Tassen, Teller und Eierbecher in Lavendel, blassem Grün und diversen sanften Blautönen können bunt gemischt gekauft und gedeckt werden. Villeroy & Boch deckt eine Tafel mit einfarbigen und bunt gemusterten Stücken ein. Laut dem Unternehmen sollen Geschirr, Gläser, Vasen und sogar Besteck in satten Unifarben entweder allein gut zur Geltung kommen oder nach Lust und Laune gemischt werden.

Eine Neueinführung des Unternehmens aus dem vergangenen Jahr ist 2013 vom Trend zur Mode geworden: Geschirr mit sehr zart gezeichnetem Blumenmuster. Das Dekor ist meist so filigran und klar dargestellt, dass die Struktur der Blütenblätter gut zu sehen ist. Das Kaffee- und Tafelservice „Mariefleur“ war laut Villeroy & Boch eine der erfolgreichsten Markteinführungen der vergangenen zehn Jahre.

Auch eine Vielzahl anderer Unternehmen haben Blumiges im Angebot: Rosenthals Serie „Brillance“ gibt es auch in der Ausführung „Fleurs Sauvages“ mit sehr fein gezeichneten Wiesenblumen. „Beinahe sieht es so aus, als hätte jemand frische Blumen gepflückt und sie dann traumverloren fallen gelassen“, beschreibt das Unternehmen das Service der Schweizer Designerin Regula Stüdli.

„Die Blumenmuster mögen junge Menschen besonders gerne“, hat Hutter im Handel beobachtet. Sie haben Teller und Tasse mit diesem Dekor noch nicht besessen oder früher bei den Eltern benutzt. Mit diesem zeitlichen Abstand seien Omas Stücke durchaus eine Option für diese Generation, wohingegen die Älteren, die heutigen Eltern, sich daran sattgesehen hätten, sagt Hutter.

Meist werden diese blumigen Stücke aber nicht komplett gemustert angeboten, sondern eine Schüssel mit Blumenmuster habe noch einen deutlich abgesetzten weißen Rand, wie Annetta Palmisano vom Stilbüro bora.herke.palmisano in einem Vortrag auf der Messe erläuterte. Das Büro hat die Messeneuheiten analysiert. Palmisano beschreibt dies als „Verbindung der Verspieltheit mit Klarheit“.

Den Deutschen ist ein hübsch präsentierter Tisch wichtig, hat eine Studie der GfK-Marktforschung im Auftrag der Ambiente ergeben. 86 Prozent der Befragten gaben an, dass für sie ein schönes Geschirr zum perfekt gedeckten Tisch gehöre. Zwei Drittel der Deutschen decken am Wochenende den Tisch zu jeder Mahlzeit komplett ein, in der Woche machen dies 60 Prozent für das Abendessen. Zum Frühstück und Mittagessen kommt nur bei knapp 40 Prozent die ganze Geschirrpalette auf den Tisch.

Und wer macht die Arbeit? Während sich in der Küche inzwischen Männer auch gerne austoben, ist das Tischdecken in Deutschland noch immer Frauensache. Die Studie der Gesellschaft für Konsumforschung zeigte, dass 67 Prozent der befragten Frauen den gedeckten Tisch allein in ihren Verantwortungsbereich einordnen. Bei den Männern sind dies nur 22 Prozent.

Simone Andrea Mayer