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Bauen & Wohnen Beim Bau auf Allergieauslöser achten
Mehr Bauen & Wohnen Beim Bau auf Allergieauslöser achten
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00:00 10.11.2012
Allergiker sollten beim Hausbau schadstoffarme Materialien verwenden.
Allergiker sollten beim Hausbau .schadstoffarme Materialien verwenden. Quelle: b-d-s/iStockphoto.com
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Hannover

Allergieauslöser können Hausstaubmilben, Pollen, Schimmelpilze, Baustoffe und Chemikalien sein - und die Liste ließe sich noch fortsetzen. „Vor der Planung sollten alle betroffenen Familienmitglieder zuerst beim Arzt abklären lassen, worauf der Einzelne reagiert“, rät daher Dirk Petersen, Umweltreferent der Verbraucherzentrale Hamburg. Anhand einer Liste der Allergieauslöser könne ein entsprechend geschulter Architekt planen.

Vor allem ist aber die Lage des Grundstücks entscheidend. Pollenallergiker müssen sich umschauen, ob in unmittelbarer Umgebung des Bauplatzes beispielsweise Haselnuss oder Birke wachsen, erklärt Josef Spritzendorfer, Baustoffexperte der Sentinel-Haus-Stiftung in Abensberg (Bayern), eines gemeinnützigen Vereins zur Förderung und Erforschung wohngesunder Innenräume.

Wer auf Schimmelpilze reagiere, sollte beispielsweise darauf achten, ob es ein Moor oder einen Bauernhof mit Misthaufen in der Nähe gebe, rät Spritzendorfer. Und wer Probleme mit Chemikalien hat, sollte nicht in der Nähe von industriellen Unternehmen oder in Gegenden mit viel Verkehr wohnen.

Allergiker sollten beim Hausbau möglichst schadstoffarme Materialien verwenden, rät Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) in Mönchengladbach. Emissionsarme Baustoffe haben etwa das Umweltzeichen „Blauer Engel“. Diese Produkte könnten aber trotzdem Allergieauslöser enthalten oder für sehr geruchsempfindliche Menschen problematisch sein, erläutert Schwalfenberg. Daher sollten sich Betroffene auch bei Produkten mit Prüfsiegel genau über die Vergabekriterien informieren. Darüber hinaus erteilen technische Merkblätter oder die Hersteller selbst Auskunft über verwendete Inhaltsstoffe.

Außerdem gebe es Baustoffe mit Prüfzeichen bisher nur in bestimmten Materialbereichen wie bei Farben. Wer auf Konservierungsstoffe wie Isothiazolinone allergisch reagiere, finde Produkte ohne solche Zusätze, sagt Schwalfenberg. Auch durch natürliche Stoffe sind Allergiker gefährdet: Viele Naturmaterialien wie zum Beispiel unbehandeltes Kiefernholz können Allergieauslöser wie Terpene enthalten, warnt die Expertin.

Grundsätzlich sollten Bewohner nach dem Einzug und nach Renovierungen häufig lüften. Denn Stoffe wie Konservierungsmittel dünsten noch einige Zeit aus und gehen in die Raumluft über, erläutert Schwalfenberg. Auch im Alltag helfen einfache Tricks, um Allergien zumindest zu mindern. Hausstaubmilben, deren Kot im Staub die Symptome auslöst, gedeihen am besten im Bett. In diesem Fall helfen sogenannte Encasings, also Bezüge, die die Milben abhalten, erklärt Petersen.

Die Experten wissen nicht genau, welcher Boden der beste für Allergiker ist - ob Teppich oder ein wischbarer Belag. „Glatte Bodenbeläge sind dann besser, wenn sie sehr regelmäßig - mindestens alle zwei Tage - gereinigt oder feucht gewischt werden können“, sagt Schwalfenberg. Auf glatten Böden wirbele Staub jedoch leicht auf. Kurzflorige Teppiche halten diesen besser fest. Die Allergieexpertin rät daher, sich bei einem Teppich für kurzfloriges, schadstoffarmes Material zu entscheiden. Allergiegefährdete Menschen sollten grundsätzlich einen Bodenbelag nicht verkleben, sondern verspannen, denn Kleber können allergieauslösende Stoffe enthalten.

Damit die Belastung mit Hausstaub beim Staubsaugen möglichst gering bleibt, empfiehlt Petersen, in Neubauten eine zentrale Staubsauganlage einzuplanen. Eingesaugter Staub gelangt durch Rohrsysteme in einen Sammelbehälter, der sich zumeist im Keller befindet. In jedem Raum gibt es eine Anschlussdose. Anders als bei manchen konventionellen Staubsaugern werde durch einen zentralen Staubsauger der Schmutz nicht durch die Abluft aufgewirbelt, erläutert Petersen.

Spritzendorfer empfiehlt Menschen, die auf Hausstaubmilben empfindlich reagieren, im Neubau eine kleine Sauna einzurichten. Dort können regelmäßig Matratzen, Spielsachen oder Kopfpolster auf über 60 Grad erhitzt werden - und die Milben sterben.

Ein Problem können Heizkörper sein, denn ihre Wärme lässt die Luft zirkulieren, die den allergenen Hausstaub im Gebäude verteilt. Deshalb empfehle die Sentinel-Haus-Stiftung Flächenheizungen mit niedriger Vorlauftemperatur, erklärt Spritzendorfer. Er rät Betroffenen auch eher zu Fußbodenheizungen als zu Radiatoren an den Wänden.

In modernen Energiesparhäusern sind Lüftungsanlagen üblich. Diese Anlagen muss ein Fachmann regelmäßig warten und den Filter austauschen. Sonst können sich Keime ansiedeln und Schimmelpilze wachsen, erläutert Schwalfenberg. Starke Pollenallergiker können von einer Lüftungsanlage profitieren, wenn die eingesetzten Filter Pollen aus der angesaugten Luft filtern. Spritzendorfer rät diesen Betroffenen auch, beim Hausbau im Grundriss einen extra Vorraum am Eingang einzuplanen. Hier können sie die Kleidung wechseln - und in die Wohnräume gelangen weniger Pollen.

Stephanie Hoenig