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12:54 06.05.2013
Der Cross Country ist leicht an der Dachreling, dem Unterfahrschutz und den anderen Seitenschwellern zu erkennen. Quelle: Hersteller
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Hannover

Mit der modernen Plattformstrategie ist es heute in der Automobilindustrie üblich, von einem Fahrzeug mehrere Modelle abzuleiten. Ob als Geländewagen oder in betont sportlicher Optik ­- von wenigen Modifikationen abgesehen steckt technisch häufig ein und derselbe Wagen dahinter. Volvo macht da keine Ausnahme. Weil die Schweden im vergangenen Jahr mit dem V40 gleich drei Modelllinien (C30, S40 und V50) ersetzt haben, muss der Neue jetzt verstärkt ran. Wir haben die sportliche R-Design-Variante mit dem robusten Cross Country verglichen - mit einem überraschenden Ergebnis.

Das V40-R-Design-Modell stellte uns Volvo als D4-Fünfzylinder zur Verfügung. 177 mit Diesel befeuerte PS sollen für entsprechendes Fahrvergnügen sorgen. Schon optisch unterscheidet sich der Wagen vom normalen V40: Strahlend blau mit zwei polierten Endrohren und einem angedeuteten Diffusor sowie 18-Zoll-Rädern sagt der an sich schon recht griffig gezeichnete Wagen, dass hier etwas mehr Dynamik an den Start rollt. Auch der Innenraum wurde auf jungendlicher getrimmt: Sportsitze, ein anderer Lederschalthebel und vor allem eine blaue Beleuchtung für die drei verschiedenen Einstellmöglichkeiten der digitalen Anzeigeinstrumente schaffen tatsächlich eine gewisse Sportwagenatmosphäre. Insgesamt wirkt das Paket so stimmig, dass es einfach Spaß macht, sich in das Auto hineinzusetzen. Nach Überzeugung der Schweden legen V40-Fahrer sowieso mehr Wert auf das jung-dynamische Äußere als auf ein tatsächliches Leistungsplus - wobei es mit dem T5 eine Maschine gibt, die 187 kW/254 PS stark ist. Bedenkt man, dass diese Leistung an die Vorderräder geleitet wird, kann man sich vorstellen, dass es hier schon grenzwertig zugehen kann.

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Unser Testwagen war nach alter Väter Sitte mit einem Sechs-Gang-Handschaltgetriebe ausgestattet, mit dem wir uns sofort anfreunden konnten. Sportlich fahren hieß vor noch nicht allzu langer Zeit, kräftig durch die Gänge zu wechseln, und das von Hand, versteht sich. Der Fünfzylinderdiesel machte dazu seinen Job ausgezeichnet: Der Motor dreht kreuzfidel aus dem Keller, verliert in den oberen Drehzahlbereichen zwar etwas an Atem, ist dabei aber kaum zu bremsen: Nach 8,6 Sekunden hat er den Wagen aus dem Stand auf Tempo 100 getriebent, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220 km/h. Wir waren mit dem Fahrzeug auf der Autobahn deutlich schneller (ca. 230 km/h), was man auch daran sah, wie die anderen Verkehrsteilnehmer im Spiegel zurückblieben. Dass 177 PS tatsächlich nicht von Pappe sind, zeigte sich hin und wieder beim Herausbeschleunigen aus Kurven. Dann nämlich waren die Einflüsse des Vorderradantriebs auf die Lenkung zu spüren. Aber ganz klar: Der V40 ist in dieser Version ein echter Spaßmacher.

Den Country Cross stellte uns Volvo mit dem bereits erwähnten T5-Turbobenziner vor die Redaktionstür. 3,8 Zentimeter höher als der R-Design-Bruder, mit leicht erhöhter Bodenfreiheit, Unterfahrschutz und etwas anderer Beplankung sieht die SUV-Version noch immer dynamischer aus als die meisten Konkurrenten. Die 187 kW/254 PS treiben sämtliche vier Räder an, was sich sofort in einer gewissen Ruhe beim Beschleunigen und Einlenken bemerkbar macht. Geschaltet wurde das Fahrzeug über eine Sechs-Gang-Automatik mit Geartronic-Funktion. Das heißt, der Fahrer kann manuell in die Schaltvorgänge eingreifen - was wir kein einziges Mal getan haben, da die Box flott ans Werk geht. Enttäuscht und verwundert waren wir vom Leistungsprofil der Maschine: Zwar beschleunigt sie das rund 70 Kilogramm schwerere Fahrzeug in 6,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, doch irgendwann geht dem Triebswerk ziemlich schnell die Puste aus. Die Schlussgeschwindigkeit von 210 km/h haben wir nur mühsam erreicht. Das kennen wir von der Konkurrenz anders.

Fazit: Sieger nach Punkten wurde der durchzugsstarke Diesel, der den Turbobenziner alt aussehen ließ. Der Cross Country wie das R-Design-Modell überzeugten durch präzises Handling, vorbildliche Verarbeitung und ein eindrucksvolles Sicherheitspaket. Da machen die Schweden einfach einen guten Job. Den lassen sie sich allerdings auch gut bezahlen: Während die Einstiegspreise der Modelle bei 28580 Euro (R-Design) und 26780 Euro (Cross Country) liegen, kosteten unsere gut ausgestatteten Testwagen mit den entsprechenden Motorisierungen fast das Doppelte.

Gerd Piper